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Home > Politik >, 10. Dez. 2009

Luftschlag bei Kundus
Eliteeinheit KSK angeblich maßgeblich beteiligt

Angehörige der Bundeswehr-Eliteinheit Kommando Spezialkräfte (KSK) sollen eine maßgebliche Rolle bei dem von einem deutschen Offizier angeordneten Luftangriff auf zwei Tanklastzüge in Afghanistan gespielt haben. Die „Bild”-Zeitung berichtet, Bundeswehroberst Georg Klein habe in der Nacht des Angriffs als amtierender Kommandeur der geheimen Einheit Task Force 47 (TF 47) agiert und sei von mindestens fünf Offizieren und Unteroffizieren beraten worden. Diese Einheit habe im deutschen Lager in Kundus einen eigenen, hochmodernen Kommandostand und bestehe zur Hälfte aus KSK-Soldaten, die auch Jagd auf aufständische Taliban und Terroristen machten.

Bei dem Luftschlag waren am 4. September bis zu 142 Menschen getötet worden, darunter viele Zivilisten. Die Zeitung schrieb unter Berufung auf eine interne Rechtsbewertung der Bundeswehr, Klein habe den Angriffsbefehl nach den Nato-Einsatzregeln nur als TF-47-Kommandeur geben können. Bereits die Aufklärung vor dem Angriff sei von der TF 47 angefordert worden. Ein Offizier der Einheit habe in der Nacht etwa sieben Mal mit einem afghanischen Informanten telefoniert. Der Informant habe unter anderem vier Talibanführer bei den Tanklastern identifiziert.

Das Blatt schrieb, der Offizier sei möglicherweise Angehöriger des KSK. Er sei von Nato-Ermittlern und deutschen Feldjägern ausführlich befragt worden, sein Name werde jedoch nicht genannt. Das geheime Einsatzprotokoll der Angriffsnacht sei von einem KSK-Mann geführt worden. Es werde den Nato-Ermittlern unter Verweis auf nationale deutsche Geheimhaltungsvorschriften vorenthalten.

Ein Sprecher von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) sagte der Zeitung, die Obleute des Bundestagsverteidigungsausschusses seien am 6. November über die Existenz der Task Force 47 unterrichtet worden. Dass es sich bei der TF 47 um eine Einheit mit KSK-Soldaten handelt, wurde dem Blatt zufolge dabei aber nicht erwähnt.

Der Nato-Bericht wird auch im Untersuchungsausschuss des Bundestages hinterfragt werden. Grünen-Verteidigungspolitiker Omid Nouripour sagte der „Berliner Zeitung”: „Das wird eine der zentralen Fragen des Untersuchungsausschusses sein: Gab es eine politische Einflussnahme von der deutschen Seite, dass der Bericht geglättet wurde?” Ähnlich äußerte sich der SPD-Abgeordnete Rainer Arnold. Nouripour sagte, wenn man den bislang nicht veröffentlichten, aber einigen Abgeordneten vorgelegten Nato-Bericht mit dem Bericht des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz über das Bombardement von Kundus vergleiche, „dann merkt man, dass aus dem Nato-Papier eine Zurückhaltung spricht, was die klare Bewertung der Verantwortlichkeiten angeht.” Allerdings bedeute das nicht, dass damit Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) entlastet sei. „Der Nato-Bericht ist trotzdem deutlich genug, um die Nichtangemessenheit des Angriffs festzustellen. Das hat damals auch Guttenberg merken müssen”, sagte Nouripour. Guttenberg hatte nach seiner Amtsübernahme Anfang November unter Verweis auf den Nato-Bericht zunächst von einer angemessenen Attacke gesprochen, dies aber Ende November revidiert, als ihm nach eigenen Angaben andere Berichte vorlagen.

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