Vorwahlen in Amerika

Hillary Clinton hofft nun auf die „Superdelegates“

Von Bertram Eisenhauer

05. März 2008 Am Ende sind sie doch wieder alle zurückgekommen zu Hillary Clinton, all die verschiedenen Gruppen ihrer Wählerkoalition, auf die sie sich verlassen hat in dieser amerikanischen Vorwahlsaison, die so spannend ist wie kaum eine andere seit mindestens dreißig Jahren: Gerade in den beiden großen der vier Staaten, in denen am Dienstag Delegierte für den Nominierungsparteitag der Demokraten vergeben wurden, in Ohio und Texas, standen die weißen Frauen wieder hinter ihr, die Einkommensschwachen, die gewerkschaftlich Organisierten, die eingeschworenen Demokraten. Auch die Latinos blieben mehrheitlich bei ihr - ebenso wie im übrigen die Schwarzen bei ihrem Gegner Barack Obama blieben.

Was Clinton aber besonders ermutigen darf: Sie ist in wichtige Gruppen eingebrochen, auf deren Unterstützung Obama bisher ein Abonnement hatte, gerade bei Besserverdienenden oder unabhängigen Wählern. Und: Clinton ist es gelungen, den Vormarsch ihres Mitbewerbers erst einmal zu stoppen; vor den jüngsten Wahlen konnte er auf eine Reihe von 11 Siegen in Folge verweisen, und in der Demokratischen Partei bereiteten sich manche schon darauf vor, Hillary die Kapitulation nahe zu legen.

Wie sehr hilft dieser Sieg Clinton?

Offenbar hat da, spät genug, Hillary Clintons Botschaft verfangen, die sie erst in den letzten Tagen mit einiger rhetorischer Schärfe vorgetragen hat: Ich mag nicht ganz so geschmeidig sein wie mein Konkurrent, aber wem wollen Sie die Sicherheit Ihrer Kinder wirklich anvertrauen? Wen würden Sie anheuern, um die hinkende Wirtschaft in Ordnung zu bringen - den glänzenden Redner oder die bewährte Pragmatikerin? Dass Clinton mit ihrer nüchternen Botschaft durchgedrungen sein könnte, legt auch ein Blick auf die Gruppe jener Wähler nahe, die sich erst spät entscheiden, wen sie unterstützen wollen. Sie laufen für gewöhnlich dem charismatischen Obama zu. Nicht so dieses Mal. In Ohio gewann Clinton unter jenen, die sich erst am Tag der Wahl entschieden, mit 11 Prozentpunkten Vorsprung; unter denen, die immerhin drei Tage vor dem Urnengang ihren Favoriten bestimmt hatten, waren es sogar 26.

Doch wie sehr hilft der Sieg in drei Wettbewerben der früheren First Lady und Senatorin aus New York nun aber wirklich? Bei der Zahl der Delegierten, die über die Präsidentschaftskandidatur entscheiden, liegt sie noch immer hinter Obama, zumal diese bei den Demokraten proportional verteilt werden. Bei den Vorwahlen in Wyoming am kommenden Samstag und in Mississippi am Dienstag nächster Woche dürfte Obama alle Gewinne, die Clinton nu schaffte, wieder ausgleichen. Die nächste Station ist dann Pennsylvania, wo mit 158 Delegierten wieder ein großer Preis zu holen ist. Tatsächlich gibt es aber kein realistisches Szenario, wie Clinton Obamas Vorsprung bei den regulären Delegierten noch aufholen könnte.

(Amerikanische Medien bieten politischen Junkies allerlei Spielzeuge an, um selbst nachzurechnen - hier: http://edition.cnn.com/2008/POLITICS/02/29/delegate.counter/index.html und http://www.slate.com/features/delegatecounter/)

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Der Kampf um die Kandidatur wird bitterer werden

Hillary Clintons Hoffnung sind deshalb die „Superdelegates“, 796 Parteigrößen, von regionalen Funktionären über Kongressabgeordnete bis zu früheren Präsidenten (etwa ein gewisser Bill Clinton), die beim Nominierungsparteitag das womöglich entscheidende Wort sprechen werden. Etwa 500 von ihnen haben sich noch nicht erklärt, wen sie unterstützen wollen. Clinton, die immer die Kandidatin des Partei-Establishments war, muss nun darauf hoffen, dass diese Partei-Insider sie am Ende dem funkensprühenden Aufrührer vorziehen werden - weil sie angeblich mehr Chancen gegen den Republikaner John McCain habe, der gestern mit Siegen in Ohio, Texas, Rhode Island und Vermont alles klar machte. Ob die Partei, der dank Obama nun Wähler zulaufen, die sie vorher nicht erreicht hat, und die in einem seltenen Ausmaß von Enthusiasmus geprägt ist, wird man sehen müssen.

Hillary Clintons Argument, sie habe so viel mehr Erfahrung als Obama - „sie kennt die Großen der Welt“, behauptet einer ihrer Fernsehspots -, war zwar immer überzogen; sie war First Lady und ist Senatorin, gewiss, aber während ihrer Zeit im Weißen Haus war sie doch eher Beifahrerin, als dass sie am Steuer gesessen hätte. Weil aber die Durchschlagskraft dieses Arguments in Ohio, Texas und Rhode Island ihre Kandidatur gerade noch am Leben erhalten hat, wird sie ihre Angriffe auf den vermeintlich „unerprobten“ Obama sicher noch verstärken.

Ihr mag zugute kommen, dass Amerikas Demokraten von diesem Obama, der so viele von ihnen verzaubert, offenbar noch nicht restlos überzeugt sind. Erst jetzt wird er nicht nur von den Medien jener unbarmherzigen Prüfung unterzogen, als die die Vorwahlen - diese für Europäer oft unverständliche Prozedur - ja gedacht sind. Sie sind ein Härtetest für jeden Präsidentschaftskandidaten. Bei den Demokraten ist der Kampf um die Kandidatur fürs Weiße Haus deshalb noch lange nicht vorbei, und er wird noch bitterer werden. Und wer auch immer von den beiden Rivalen am Ende noch steht, auf den wartet ein John McCain, der nun wirklich über jede Menge Erfahrung verfügt.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP, Getty Images, REUTERS

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