Obamas Ballnacht

„Sie sind so verliebt!“

Das Glück ist mit ihnen: Barack Obama und seine Frau Michelle

Das Glück ist mit ihnen: Barack Obama und seine Frau Michelle

21. Januar 2009 Beschwingter Ausklang eines langen Tages voll staatstragender Würde: Barack Obama und seine Frau Michelle haben bei den Bällen zur Amtseinführung sichtlich Spaß gehabt. Und sie schafften es tatsächlich, bei allen zehn offiziellen Bällen vorbeizuschauen.

„Zuerst einmal, wie gut sieht meine Frau aus?“ fragte der neue Präsident die Gäste auf dem „Neighborhood Ball“, der Festveranstaltung für die Washingtoner Gesellschaft. Dann fasste er sie in ihrem schulterfreien weißen Abendkleid und eröffnete den Ball zu dem getragenen Etta-James-Klassiker „At last“, gesungen von Beyoncé.

Ein nachsichtiges Lächeln seiner Frau

Etwas flotter wurde es bald danach mit einem Groove, zu dem sich Shakira, Mary J. Blige, Faith Hill, Mariah Carey und Stevie Wonder vereinten - ihr Lied „Sign, Sealed, Delivered“ war ein Ohrwurm bei fast jeder Wahlkampfveranstaltung Obamas im vergangenen Jahr.

Der Präsident trug eine weiße Fliege, und das muss ihn irgendwie abenteuerlustig gestimmt haben. Jedenfalls zog er Michelle auf dem zweiten Ball schon sehr viel enger an sich. Eine kurze Zeit schloss er beide Arme um ihre Hüfte, bis ihm seine Frau nachsichtig lächelnd an die Schulter fasste. Schließlich waren ja auch noch ein paar staatsmännische Ansprachen zu halten.

Biden hat Angst vorm Tanzen

„Ich hoffe, ihr alle werdet immer daran denken, um was es bei diesem Wahlkampf gegangen ist und was hoffentlich auch diese Präsidentschaft bestimmt“, sagte Obama. „Es geht um euch, dass ihr euch einbringt, zusammenarbeitet und versucht, unsere Differenzen zu überwinden, um die Art von Welt zu schaffen, die wir unseren Kindern und Amerika weitergeben wollen.“

Auf dem „Commander in Chief Ball“ grüßte Vizepräsident Joe Biden die anwesenden Soldaten, Offiziere und Angehörige, ehe er versuchte, sich vor dem Tanzen zu drücken. „Was mich am meisten schreckt, ist, dass ich in einer Minute in diesem Kreis stehen und tanzen muss“, bekannte Biden, lachte und schlug schnell ein Kreuzzeichen. Aber dann gab er sich doch Mühe und tanzte zumindest mit seiner Frau Jill.

Die Feldwebelin weinte in Obamas Armen

Die Obamas gaben sich auch auf dem Ball der Streitkräfte tanzfreudiger. Er entschied sich für Feldwebelin Margaret Herrera, die daraufhin in seinen Armen vor Glück zu weinen begann. Sie tanzte mit dem Unteroffizier Selidio Guillen, auch wenn dieser kleiner war als sie selbst.

Beim Eastern States Ball warteten die Gäste mehr als eine Stunde lang am Eingang an der Union Station. Trotz Eintrittspreisen ab 75 Dollar (58 Euro) mussten die Gäste Getränke extra zahlen: ein Bier für sechs Dollar, Cocktails für neun und Sekt für zwölf Dollar. „Das ist es, was in der Wirtschaftskrise passiert“, meinte Ballbesucher Brig Lawson aus Las Vegas, „Keine Stühle und Plastikbecher.“

„Sie sind so verliebt“

Wenig angetan von der Show war zunächst auch Sheryl Crow, die ihrer Band zwischen zwei Songs sagte, dass sie Heimweh habe: „Ich habe mein Kind vier Tage nicht gesehen, ich bin ganz elend.“ Aber kurz darauf ließ sie sich dann doch von den Ballgästen feiern, die ihren symbolträchtigen Titel „A Change Would Do You Good“ bejubelten.

Besonders brav angezogen wirkten die Besucher des Jugendballs, wo Kid Rock aufspielte. Recht locker ging es hingegen auf dem Mid-Atlantic Ball zu, als Hip-Hop-Star Wyclef Jean die männlichen Besucher aufforderte, ihre Anzugsjacken auszuziehen und zur Unterstützung von Obama in der Luft zu schwenken. Die Herren unter den 7000 Ballgästen gehorchten bereitwillig.

Ted Kennedy erlitt Schwächeanfall

Die Damen achteten auf andere Signale. Cassandra Branch aus Nashville, Tennessee, ließ das Paar auf dem Southern Ball nicht aus den Augen. „Sie so zu sehen! Sie sind so verliebt“, staunte die Pharma-Vertreterin, während sie das traute Bild mit ihrer Digitalkamera festhielt. „Das hat sich sehr gelohnt. Vor allem, wenn man ein Zoom-Objektiv hat.“

So waren eigentlich alle ganz zufrieden, bis auf Senator Edward „Ted“ Kennedy, der beim Mittagessen am Tag der Amtseinführung einen Schwächeanfall erlitten hatte und an den Feierlichkeiten nicht teilnehmen konnte. Mittlerweile befindet er sich aber auf dem Wege der Besserung. Am Mittwoch sollte der Bruder des früheren Präsidenten John F. Kennedy die Klinik wieder verlassen.

Text: AP
Bildmaterial: AFP, AP, dpa, REUTERS

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