
Nach dem Wahlsieg Obamas wird es Ahmadineschad schwerer fallen, den im Innern tief verwurzelten iranischen Nationalismus für sich zu mobilisieren
06. November 2008 In Iran ist die Wahl eines amerikanischen Demokraten, der seinen Sieg dem Versprechen eines Wandels verdankt, im Tonfall eines moralischen Triumphes kommentiert worden. Nun endlich, so der Tenor, verlange auch das amerikanische Volk, was man in Teheran schon seit Jahren sage. Der Konservative Gholam-Ali Haddad-Adel, enger Berater des religiösen Führers Chamenei, bezeichnete Obamas Sieg als Eingeständnis der Amerikaner, dass die Politik Bushs gescheitert ist. Nun müssten die Amerikaner ihre Politik ändern, um den Folgen der falschen Politik zu entgehen.
Außenminister Manouchehr Mottaki äußerte die Hoffnung, dass es der neuen Regierung gelingen werde, die Forderungen des amerikanischen Volkes zu erfüllen und sich von den verfehlten Ansätzen der Regierung Bush zu distanzieren. Auch Regierungssprecher Elham sprach von der Hoffnung auf grundlegende Veränderung und sagte, Obama solle sich bemühen, das internationale Ansehen der Vereinigten Staaten zurückzugewinnen und das fehlende Vertrauen der Welt in Washington wiederherzustellen. Die hohe Wahlbeteiligung habe gezeigt, dass die Politik Bushs im Inland wie im Ausland Hass hervorgerufen habe. Der konservative Abgeordnete Ahmad Tavakoli sprach davon, dass Washington im Nahen Osten keine Stabilität herstellen könne, ohne den Status und die Interessen Irans zu berücksichtigen.
Die Hassfigur geht verloren
Ungeachtet der lauthals geäußerten Hoffnungen auf Veränderungen sind die tatsächlichen Erwartungen in Teheran gedämpft. Im Außenministerium geht man nicht davon aus, dass es zu einer grundlegenden Veränderung der amerikanischen Haltung oder einer baldigen Entschärfung des Konflikts über das mutmaßliche iranische Nuklearprogramm kommen wird. Das Misstrauen gegen den Erzfeind in Washington führt in Teheran zu der eher realistischen Ansicht, dass sich mit Obama vielleicht die Herangehensweise, nicht aber die grundsätzliche Haltung Washingtons ändern werde. Aufmerksam hat man Obamas Äußerungen verfolgt, der zwar direkte Gespräche will, sich aber nicht von der von Bush immer wieder beschworenen Option möglicher Militärschläge gegen Iran distanziert hat. Selbst von direkten Gesprächen erwartet man nicht, dass die Positionen sich bald annähern. Auch solle der Westen nicht überzogene Hoffnungen mit der Präsidentenwahl in Iran 2009 verbinden. Teherans Position in der Nuklearfrage - Iran lehnt die von den UN geforderte Aussetzung der Urananreicherung ab - werde sich nicht ändern.
Wenig gefallen dürfte der Wahlsieg Obamas den Radikalen um Präsident Ahmadineschad, die mit Bush auch ein liebgewonnenes Feindbild verlieren. Es wird schwieriger sein, Obama zu einer Hassfigur zu stilisieren, deren Pappbilder auf rituellen antiamerikanischen Demonstrationen verbrannt werden. Dank der harten Haltung Bushs im Atomkonflikt konnte Ahmadineschad im Innern den tief verwurzelten iranischen Nationalismus für sich und die islamische Regierung mobilisieren. Und der Nahost-Politik Bushs verdankt Iran seinen Wiederaufstieg zur bedeutendsten Macht der Region. Ein verhandlungs- und kompromissbereiter Obama könnte Teheran vor viel größere Schwierigkeiten stellen als Bush.
Text: F.A.Z. / cho.
Bildmaterial: AFP, AP