Wahlkampfthema Energie

McCain will Zahl der Atomkraftwerke verdoppeln

19. Juni 2008 Der republikanische Präsidentschaftsbewerber in den Vereinigten Staaten, John McCain, setzt auf die Atomkraft zur Lösung des Energie- und Klimaproblems. Sollte er bei den Wahlen im November Präsident werden, werde er sich für den Bau von 45 neuen Atomreaktoren bis 2030 einsetzten, kündigte McCain am Mittwoch an. Damit solle die Abhängigkeit der Vereinigten Staaten von ausländischem Öl verringert werden.

Er sehe die Kernenergie als saubere und sichere Alternative zu den fossilen Energieträgern, sagte der 71-Jährige. Dabei sei er sich bewusst, dass dieser Kurs „so schwierig wie nötig ist“. Ultimatives Ziel seien 100 neue Kernkraftwerke. Derzeit erzeugen rund 100 Atomkraftwerke in Amerika 20 Prozent des gesamten Stromes. Somit will McCain langfristig die Zahl der amerikanischen Kernkraftwerke fast verdoppeln.

Ein Endlager ist in den Yucca Mountains geplant, rund 145 Kilometer von Las Vegas entfernt. Dessen Bau ist aber schon Jahre hinter dem Zeitplan, und die Ablehnung in der Bevölkerung ist groß. Wegen der ungeklärten Abfallentsorgung sind in den Vereinigten Staaten seit den 1970er Jahren keine Genehmigungen für neue Atomkraftwerke mehr erteilt worden. Generell ist die Nutzung der Atomkraft in Amerika nicht unumstritten, zumal vielen der Unfall im Kernkraftwerk Harrisburg in Pennsylvania (1979) bis heute im Gedächtnis geblieben ist.

Obama vermied bislang klare Aussagen über neue Atomkraftwerke

Der demokratische Bewerber Barack Obama hat sich ebenfalls für die Nutzung der Atomkraft ausgesprochen, klare Aussagen über neue Kraftwerke aber bislang vermieden. Auf seiner Internetseite weist er aber auch das ungelöste Problem der atomaren Abfälle und die Gefahren der Weiterverbreitung von Atomwaffen hin.

Schlagzeilen machte Obama jüngst mit seinem Vorschlag zusätzliche Staatsausgaben zur Förderung neuer Techniken zur Energiegewinnung zu tätigen. Sein Plan sieht jährliche Ausgaben von 15 Milliarden Dollar über einen Zeitraum von zehn Jahren für diesen Zweck vor. Zur Finanzierung soll ein Handel mit Zertifikaten zur Emission klimaschädlicher Treibhausgase dienen. Die jährliche Versteigerung dieser Zertifikate könnte nach Obamas Angaben jeweils rund 100 Milliarden Dollar einbringen. Ein Großteil des Geldes soll an die Haushalte fließen als Hilfe für die hohen Stromrechnungen (siehe dazu auch: Obama will 100 Milliarden Dollar aus CO2-Rechten umverteilen).

Energiepolitik rückt in den Mittelpunkt des Wahlkampfes

Die Energiepolitik rückt - auch angesichts steigender Benzinpreise - immer stärker in den Mittelpunkt des amerikanischen Wahlkampfes. Erst am Mittwoch hatte sich Präsident George W. Bush dem Vorschlag McCains angeschlossen, die Ölförderung vor den Küsten der Vereinigten Staaten zuzulassen.

Damit wird Bush nun womöglich eine Verfügung aufheben, die sein Vater als Präsident im Jahr 1990 erlassen hat und die der Erschließung der Ölvorkommen vor den Küsten Floridas und Kaliforniens einen zusätzlichen Riegel vorgeschoben hat (siehe dazu auch: Bush will Öl vor der Küste fördern).



Text: FAZ.NET
Bildmaterial: REUTERS

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