Obama wird Präsident der Vereinigten Staaten

„Der Wandel hat Amerika erreicht“

Obama lässt sich mit seiner Familie in Chicago feiern

Obama lässt sich mit seiner Familie in Chicago feiern

05. November 2008 Mit einem historischen Wahlsieg hat der 47 Jahre alte Barack Obama eine neue Ära in den Vereinigten Staaten eingeleitet. Erstmals wird mit dem demokratischen Senator aus Illinois ein Schwarzer die Geschicke des mächtigsten Landes der Erde lenken. Rund 140 Jahre nach der Abschaffung der Sklaverei in den Vereinigten Staaten bescherten die Wähler Obama einen überwältigenden Sieg und damit ein Mandat für seinen von ihm versprochenen Wechsel in der Politik. Sein republikanischer Rivale John McCain gratulierte Obama und versprach eine parteiübergreifende Zusammenarbeit. Auch bei den parallel abgehaltenen Kongresswahlen konnten die Demokraten punkten und ihre Mehrheit ausbauen. Hundertausende Amerikaner feierten bis spät in die Nacht den Sieg Obamas.

Die Wähler präsentierten dem noch bis zum 20. Januar 2009 amtierenden Präsidenten George W. Bush damit auch die Rechnung für eine Politik, die von einer großen Mehrheit der Amerikaner nicht mehr mitgetragen wurde. Politiker aus aller Welt gratulierten dem designierten Präsidenten schon kurz nach dessen Wahlsieg zum Teil überschwänglich. In fast allen Erklärungen klang die Hoffnung an, dass sich die Zusammenarbeit mit Amerika in Zukunft wieder verbessern möge.

„Den amerikanischen Traum wiederbeleben“

„Der Wandel hat Amerika erreicht“, sagte Obama in seiner Siegesrede vor Hunderttausenden jubelnder Menschen in seiner Heimatstadt Chicago (Die Siegesrede von Barack Obama im Wortlaut). Dies „ist unsere Zeit, (...) um den amerikanischen Traum wieder zu beleben“. „Der Weg vor uns wird lang sein. Unser Aufstieg wird steil sein. Wir werden nicht alles in einem Jahr oder in einer Amtszeit erreichen. Aber Amerika, ich hatte nie mehr Hoffnung als heute Nacht, dass wir es schaffen werden.“

Obama sagte, das Land stehe angesichts zweier Kriege im Irak und Afghanistan sowie der gravierenden Finanzkrise vor enormen Herausforderungen. Es werde einige Zeit brauchen, die Wirtschaft anzukurbeln und „Allianzen zu reparieren“. Aber er werde es schaffen. Die Wahl habe bewiesen, dass es die Vereinigten Staaten von Amerika gebe, über alle sozialen und ethnischen Grenzen hinweg. Es sei „ein Beweis der Macht der Demokratie“, sagte ein strahlender Obama. (Weitere Reaktionen und Glückwünsche Obama: Gratulationen aus aller Welt)

McCain: Der Fehler liegt bei mir

McCain hatte die Niederlage kurz zuvor in Phoenix im Bundesstaat Arizona eingestanden: „Das amerikanische Volk hat gesprochen und es hat klar gesprochen.“ McCain rief seinen enttäuschten Anhängern zu: „Der Fehler liegt bei mir - nicht bei Euch.“ Der 72-Jährige unterbrach mehrfach Buh-Rufe, die ertönten, wenn er von Obama sprach. „Senator Obama hat Großes für sich und für sein Land erreicht.“ McCain und Präsident Bush gratulierten dem Sieger telefonisch und nannten die Wahl historisch.

Obama profitierte nach dem längsten und teuersten Wahlkampf in der Geschichte der Vereinigten Staaten offensichtlich vom Vertrauen seiner Landsleute, er könne die schwere Finanzkrise in den Griff bekommen. Dem Demokraten gelang auch eine beispiellose Mobilisierung der Wähler.

Allerorten spontane Jubelfeiern

In vielen Städten Amerikas gab es spontane Jubelfeiern. Viele Menschen weinten vor Freude, nachdem die Fernsehsender den Sieg Obamas kurz nach 23 Uhr (Ortszeit Ostküste) verkündet hatten. Auch vor dem Weißen Haus in Washington feierten tausende Amerikaner den frisch gewählten Präsidenten. Obamas Wahlkampfslogan „Yes we can“ (etwa: Wir schaffen das) verwandelten die feiernden Massen in „Yes we did“ (zu deutsch: Wir haben es geschafft).

Die Entscheidung für Obama als 44. Präsidenten der Vereinigten Staaten fiel, nachdem sein Sieg in den drei Westküstenstaaten Kalifornien, Washington und Oregon nach Hochrechnungen und ersten Auszählungsergebnissen feststand. Obama entschied nach Angaben der Sender ABC, Fox News und CNN auch das Rennen in den besonders umkämpften Staaten Florida, Ohio und Pennsylvania für sich. Vor allem Ohio und Florida galten als Schlüsselstaaten für den Sieg. Auch in der Republikaner-Hochburg Virginia setzte er sich durch.

Obama führte am Mittwochmorgen (Ortszeit) nach Prognosen des Senders CNN bei der Zahl der Wahlmänner mit 338 zu 163 Stimmen vor McCain. Für die Wahl zum Präsidenten sind 270 Wahlleute notwendig. Rein nach Stimmen der Wähler gerechnet kam Obama nach Auszählung von über 80 Prozent der Stimmzettel auf 52 Prozent. Für McCain stimmten demnach 47 Prozent der Wähler.

Demokratische Mehrheit im Parlament wächst

Die Demokraten konnten bei der Wahl zum Senat und zum Repräsentantenhaus ihre Mehrheit ausbauen. Laut CNN kamen die Demokraten bis zum frühen Morgen auf 56 Senatorensitze, die Republikaner auf 40. Das Rennen um vier Sitze war noch offen. Im Repräsentantenhaus konnten die Demokraten über zehn Sitze hinzugewinnen und kamen auf 251, die Republikaner auf 171, wobei am frühen Morgen nach 13 Rennen offen waren.

Bei der Wahl wurde eine Rekordbeteiligung von bis zu 130 Millionen Wählern erwartet. An der Präsidentenwahl vor vier Jahren hatten sich lediglich rund 121 Millionen Bürger beteiligt.

In den Vereinigten Staaten wird der Präsident nicht direkt, sondern durch ein Wahlmännergremium gewählt, das sich aus Vertretern der einzelnen Bundesstaaten zusammensetzt. Die Wahlmänner stimmen am 15. Dezember ab, der neue Präsident wird schließlich am 20. Januar ins Amt eingeführt.

Merkel lädt Obama ein

Viele Politiker weltweit stellten in ihren Glückwünschen das Thema Zusammenarbeit heraus. So schrieb Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU): „Ich bin überzeugt, dass wir in enger und vertrauensvoller Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten Staaten und Europa den neuartigen Gefahren und Risiken entschlossen begegnen (...).“ Merkel lud Obama zu einem baldigen Besuch nach Deutschland ein.

Der amtierende EU-Ratspräsident, Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy, erklärte: „In einer Zeit, in der wir uns alle immensen Herausforderungen gegenüber sehen, weckt Ihre Wahl in Frankreich, Europa und darüber hinaus weltweit große Hoffnung.“ Frankreich und Europa schöpften neue Energie, um mit Amerika zusammenzuarbeiten.

Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AFP, AP, ddp, dpa, REUTERS

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