Nach dem Rückzug Clintons

Die große Koalition der Wähler

Von Matthias Rüb, Washington

Kommt bei Frauen gut an: Obama mit Baby im Wahlkampf

Kommt bei Frauen gut an: Obama mit Baby im Wahlkampf

08. Juni 2008 Was soll nun aus all den Frauen werden? Und aus den Latinos? Und aus den weißen Männern der mittleren bis unteren Einkommensschichten? Sie alle hatten in den Vorwahlen landauf, landab in deutlicher Mehrheit für Hillary Clinton gestimmt und eben nicht für Barack Obama.

Gerade bei Frauen der mittleren und älteren Generation, die sich mit den politischen und persönlichen Leiden und Kämpfen der Kandidatin identifizieren konnten, hinterließen die sexistischen Anfeindungen gegen Hillary, die anrüchigen Anspielungen tiefe Spuren. „Dann stimmen wir am 4. November eben für den Republikaner McCain!“, schallt es seit Hillarys Niederlage drohend aus Frauenmund.

Solidarität mit Obama

Hätten lieber Clinton gewählt: Die Clintons am Samstag in Washington

Hätten lieber Clinton gewählt: Die Clintons am Samstag in Washington

Das muss so nicht kommen. Am Ende könnte der heiße Wunsch, die Republikaner unter Präsident Bush nach acht Jahren endlich aus dem Weißen Haus zu werfen, stärker sein als die Solidarität der gekränkten Geschlechtsgenossinnen. Aber halbwegs treue Stammwähler gibt es für Demokraten wie Republikaner ohnehin immer weniger, und schon eine geringfügige Verschiebung des Wahlverhaltens bei einer demographischen Gruppe kann wahlentscheidend sein.

Am sichersten sind für die Demokraten noch die Stimmen der Schwarzen: Seit 1964 haben es republikanische Kandidaten bei Präsidentenwahlen laut Wählerbefragungen auf durchschnittlich gerade einmal 11,7 Prozent der Stimmen der Schwarzen gebracht. Man darf sicher sein, dass in diesem Jahr der schwarze Kandidat Obama bei den schwarzen Wählern abräumt wie nie: McCain hat kaum eine Chance, auch nur ein zweistelliges Ergebnis bei den Schwarzen zu erzielen.

Anders sieht es bei den Latinos aus. Die hatten im Jahre 2000 zu 35 Prozent für Bush gestimmt, 2004 waren es schon 42 Prozent - in besonders umkämpften Bundesstaaten wie Florida ein wahlentscheidender Zuwachs. Es gibt eine tiefsitzende Konkurrenz zwischen den beiden Minderheiten, um Arbeitsplätze, um Aufstiegschancen, um den Status schließlich, welche denn nun die größte Minderheit sei.

Probleme mit den Latinos

Obama wird es schwer haben, die Hillary-Wähler unter den Latinos für sich zu gewinnen, zumal McCain im Streit um die Einwanderungspolitik eine gemäßigte Position eingenommen hat: Er will den etwa zwölf Millionen illegalen Latino-Immigranten im Land den Weg zur schrittweisen Einbürgerung ebnen. Doch ein entsprechender Gesetzentwurf ist vorerst am Widerstand des konservativen Flügels der Republikaner gescheitert. Stimmen die Latinos in bedeutender Zahl lieber für den weißen Republikaner als für den schwarzen Demokraten?

Und die Frauen? Sie haben vor acht Jahren zu 54 Prozent und vor vier Jahren zu 52 Prozent für die demokratischen Kandidaten Al Gore beziehungsweise John Kerry gestimmt. Wie viele wird der Zorn über die Demütigung Hillarys tatsächlich zu McCain treiben? Und was machen die weißen Arbeiter, die kleinen Angestellten und Handwerker? Viele von ihnen vertrauen Obama nicht, haben noch die antiamerikanischen Hasspredigten seines ehemaligen Pastors Jeremiah Wright im Ohr.

Weil sich amerikanische Präsidentschaftskandidaten ihre eigene Koalition zusammensuchen müssen aus lauter verschiedenen Wählergruppen, muss sich ein Bewerber an diese mit vielen Stimmen wenden - ohne dabei seine eigene zu verlieren. rüb.

Text: F.A.S.
Bildmaterial: dpa, Reuters

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