Nicht zu vergessen: Yes we can

Amerikas Zukunft

Das Land der unmöglichen Begrenztheiten

George W. Bush wurde zweimal gewählt, aber niemand will es gewesen sein. Das ist bei der Wahl Barack Obamas anders. Der Autor Richard Ford beschreibt sie als „konzertierten, wenn auch verzweifelten bürgerlichen Akt“, der in vielen ganz unerwartet ein Verantwortungsgefühl für das eigene Land erzeugt hat.

Lesermeinungen zum Beitrag

21. Dezember 2008 13:10

a) Einmal Kiffer, immer Kiffer und b) beispiellose Tyrannei

thomas schulz (peanutbutter)

a) Nun, da werfe ich mal "einmal Alkoholiker, immer Alkoholiker" in den Ring. Wie hinreichend bekannt, war Bush junior ein Alkoholiker, bevor er bei einem reborn christian AA-Programm trocken wurde. Beide Behauptungen kommen aus der untersten Schublade und entbehren jeglicher Realität. Ich verwette Haus und Hof, daß, quer durch beide Parteien, mindestens jedes zweite Mitglied im Senat und Repräsentantenhaus irgenwann in ihrer Vergangenheit beiden Lastern gefrönt haben. Beide, sowohl Bush als auch Obama, haben dunkle Flecken in ihrer Vergangenheit. Entscheidend für ihre "Legacy" ist, ob es den US-Amerikanern am Ende ihrer jeweiligen Amtszeit besser geht als bei deren Amtsantritt. b) Da fallen mir gleich ein Dutzend Despoten der letzten 50 Jahren ein, wo Hussein als einer unter vielen im Vergleich moderat gequält oder gemordet hat. Wenn man von Menschenrechtsorganisationen absieht, hat sich da irgend jemand darüber aufgeregt und konsequenterweise Truppen eingesetzt ? Nein, man griff klugerweise nur dann ein, wenn nationale Interesse bedroht waren oder ein Flächenbrand drohte. Den irakischen Diktator zu stürzen, war im nationalem Interesse, nicht mehr, aber auch nicht weniger.

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21. Dezember 2008 12:45

Verzerrung der Realität

Hermes September (hermesimseptember)

Obama verdankt seinen Wahlsieg nicht einem verzweifelten "bürgerlichen" Akt sondern einer beispielhaften Mobilisierung derjenigen Bevölkerungskreise, die sonst nie zu Wahl gehen- der Schwarzen, der Hispanics und der Jungwähler. Bei ihnen hat die Change- Rhetorik die Hoffnung erweckt, die USA würden sich in Richtung sozialdemokratischem Umverteilungssstaat entwickeln. Erst die nächsten Jahre werden zeigen, ob es Obama eine derartige für die USA fast revolutionäre Politik wirklich verfolgen will und kann. Im Kongress wird er dafür nur schwer eine Mehrheit finden. Wenn er die Change- Hoffnungen seiner Wähler jedoch nicht erfüllt, wird er sie bei der nächsten Wahl wieder verlieren. Wenn er jedoch erfolgreich die Finanz- und Wirtschaftskrise überwindet, wird er die nächste Wahl mit Hilfe der bürgerlichen weissen Mittelschicht gewinnen. Seine bisherigen Ernennungen für die Adminstration deuten daruf hin, dass sich Obama sich nicht als Weltverbesserer sondern als pragmatischen Realpolitiker erweist.

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21. Dezember 2008 10:27

Mir war vorher schon schlecht

Gerhard Kemme (gerhard_kemme)

Wenn genügend viele Wortführer sagen, dass eine rote Mauer grün sei, dann wäre es nur eine Frage des publizistischen Aufwandes, bis alle Welt sagt, dass die Backsteinhäuser alle grün wären aber rote Autos rot. Nach diesem ideologischen Konzept zur Konstruktion von "Wahrheit" hat der derzeitige Präsident George W. Bush also eine schlechte Amtszeit absolviert - wer das glaubt, der wird durch die Amtszeit des Barack Obama sicherlich gestraft werden. Richtig wäre es zu sagen, dass es den USA unter G. W. Bush gelungen ist, eine beispiellose Tyrannei unter Saddam Hussein in die Schranken zu weisen. Wirtschaftlich hat es keine Katastrophen gegeben. Ein zukünftiger Präsident Barack Obama wird keine Unterstützung von maßgeblichen Kräften bekommen, die wären für McCain oder H. Clinton gewesen - keinesfalls für jemanden, der darüber sinniert, dass auch eine Drogenkarriere in Aussicht gestanden habe, die er aber für einen bürgerlichen Weg aufgegeben habe. Über Dinge dieser Art hätte geredet werden müssen, denn die Erfahrung besagt: Einmal Kiffer, immer Kiffer. So gründet sich die Präsidentschaft Obamas auf leichthin gesagte Worte und nicht auf Substanz, die in einem Wertesystem wurzelt.

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21. Dezember 2008 09:37

'Das Land braucht eine verantwortungsbewusste Öffentlichkeit'

Rolf Joachim Siegen (rolfS2)

Von diesem Verantwortungsbewusstsein ist die amerikanische Gesellschaft weit entfernt, wenigstens aus dem Blickwinkel Suedkaliforniens. Von Aufbruchstimmung ist nichts zu spueren. Das Beste, was sich z. Zt. sagen laesst, ist, dass die Amerikaner darauf warten, von einer anspornenden Persoenlichkeit gefuehrt zu werden. Individualismus und Eigensinn bleiben weiter ausgepraegt, jedenfalls beim weissen Teil der Bevoelkerung. Wie die Nation gegenueber der Konkurrenz aus Asien bestehen will, erscheint mir noch raetselhaft. Es ist gut moeglich, dass Obama scheitern wird, weil seine Initiativen von seinen Landsleuten draussen im Land hintertrieben werden moegen. In den Clinton Jahren war die Bundespolitik aus Washington praktisch kaum wahrnehmbar. Erst mit Bush wurde spuerbar, was es fuer eine Nation mit schwachen Foederalismus bedeutet, wenn der Mann an der Spitze der Falsche ist und die Anderen duldsam folgen oder wenigstens nicht wiedersprechen. Von New York City bis Seattle bis San Diego bis Miami der Einheitstrott in die verkehrte Richtung. Es wird gluecklicher Zufaelle und ausfuettelnder Ereignisse beduerfen, um die Amerikaner aus ihrer momentanen Lethargie zu reissen. Hoffen wir fuer Obama und die Welt das Beste. Rolf, San Diego

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21. Dezember 2008 09:00

naiv-ideologischer alter Mann

Matthias Hühn (matthiashuehn)

Der Kommentar ist nur in einem richtig: wenn Obama scheitert, dann ist die Sache, fuer die er vorgeblich steht (das diffuse Bessersein als die boesen Bushianer/Republikaner) fuer lange Zeit diskreditiert. Ich kann all die Liberalen in Amerika gut verstehen; fuer sie ist nun ein achtjaehriges Martyrium vorueber und sie koennen sich nun wieder zuhause in Amerika fuehlen, weil die dummen Bush-/McCain-Waehler in der Minderheit sind. Aber man muss sich immer eines vor Augen halten: Obama hat mit einem winzigen Vorsprung gesiegt: er hat nur 51% der abgegebenen Stimmen gewonnen. Das hat Ford gesehen und konsequent ignoriert, weil natuerlich der Unterschied zur letzten Wahl nahezu nicht existent ist. Damals hatte George Bush weniger als die Haelfte der abgegebenen Stimmen bekommen. Ford ist nicht dumm, aber naiv und ideologisch. Unbequeme Wahrheiten (Amerika ist nicht anders als unter Bush) werden einfach ignoriert und dann umgedreht. Solche Artikel zeigen nur eins: wie gestoert die Psyche der amerikanischen Liberalen ist. Ich hoffe sehr, dass Obama ein guter Praesident wird, aber wie Ford sagt: der Druck ist massiv und es wird schwierig werden.

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21. Dezember 2008 06:40

Amerika ?

Holger Muschal (Holly01)

Man darf nicht übersehen, das Ford zum linken intellektuellen Amerika zählt. Amerika ist aber extrem in der Ausbildung von politischen Fraktionen. Die Arbeiter und die Armen, die religiösen und die Untergangspropheten waren die Wähler von Bush. Sie alle wollten der Welt zeigen was eine Harke ist. Sie waren und sie sind damit einverstanden (nein eher zufrieden) das ihr Land mehr für Militär ausgibt als die neun folgenden Nationen im Ranking zusammen. Kosten zählen für diese Menschern ebenso wenig wie für Bush. Ein Dollar ist für einen Arbeitnehmer eine Menge, für einen Geschäftsmann eine Notwendigkeit und für einen Manager hat es keinen Wert mehr. Die Wähler von Bush haben nichts und erwarten nichts, außer das Amerika allen anderen zeigt wo es lang geht. Sogar der Weg ist egal (und das war bei Bush auch so, er brauchte nur Gegner und hatte seine persönliche -Hit-Liste-). Obama ist ein Zeichen gegen diesen Block und es bleibt abzuwarten, wann die Gewalt gegen ihn persönlich oder gegen seine Politk ausbricht. Im Übrigen ist Bush oder Obama für den Rest der Welt nur ein marginaler Unterschied. Obama wird die Gründe netter ausdrücken, aber die Lobby für Gewalt und Krieg ist groß und mächtig. Der Iran-Krieg ist wahrscheinlicher geworden

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21. Dezember 2008 00:01

Unglaublicher Glücksfall

Gerhard Dünnhaupt (dunnhaupt)

Man kann mit Ford ohne weiteres übereinstimmen, dass es bei vielen Amerikanern tatsächlich ein "konzertierter, wenn auch verzweifelter bürgerlicher Akt" war. Dennoch spielte auch der Zufall eine Rolle, der Obama gerade während der letzten Kampagnewochen noch die Finanzkrise in die Hand spielte, die bei vielen Wählern erst den Ausschlag gab. Auch McCains absurde Vizepräsidentschaftskandidatin mag ihm Stimmen gekostet haben.

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