Anschlagspläne gegen Obama

Amerikanische Polizei verhaftet Neonazis

Daniel Gregory C. (20)

Daniel Gregory C. (20)

28. Oktober 2008 Eine Woche vor der amerikanischen Präsidentenwahl hat die Polizei möglicherweise ein Attentat auf den schwarzen Kandidaten Barack Obama vereitelt und zwei junge Skinheads im Alter von 18 und 20 Jahren festgenommen. Die beiden hätten zudem insgesamt 88 schwarze Schüler erschießen oder enthaupten wollen, hieß es in Gerichtsakten, die am Montag freigegeben wurden. Demnach wollten die Männer im Staat Tennessee einen Waffenladen ausrauben und dann eine vor allem von schwarzen Jugendlichen besuchte Schule überfallen.

Ihr letztes Ziel nach dem Blutbad wäre Barack Obama gewesen. „Sie erklärten, das sei ihr letzter, finaler Akt, dass sie versuchen würden, Senator Obama zu töten,“ sagte Jim Cavanaugh, ein Spezialagent der für Waffen, Sprengstoff und Alkohol zuständigen Bundespolizeibehörde, der Nachrichtenagentur AP. „Sie glaubten nicht, dass sie das schaffen würden, aber dass sie bei dem Versuch selbst getötet würden.“ Laut Gerichtsakten planten die zwei Neonazis, „ihr Fahrzeug so schnell, wie sie können, in Richtung Obama zu fahren und aus den Fenstern heraus auf ihn zu schießen“. Cavanaugh sagte, die Behörden hätten die Drohungen sehr ernst genommen. Bislang gebe es keine Hinweise darauf, dass sich weitere Personen an der Tatvorbereitung beteiligt hätten.

Hatten Sie „Fähigkeiten und Mittel“?

Paul Michael S. (18)

Paul Michael S. (18)

Eric Zahren, Sprecher des Secret Service, der den Personenschutz für ranghohe amerikanische Politiker stellt, sagte, es habe möglicherweise noch keinen konkreten Attentatsplan gegeben. „Ob sie die Fähigkeit und die nötigen Mittel hatten, einen Anschlag auszuführen, muss man erst noch sehen.“

Zahren zufolge kam ein mögliches Attentat auf Obama erst bei der Vernehmung der Männer ans Licht. Obama wird seit Mai 2007 vom Secret Service beschützt - so früh, wie nie ein Präsidentschaftskandidat zuvor. Der charismatische Schwarze gilt als besonders gefährdet. Ein Sprecher Obamas wollte zu dem Zwischenfall zunächst nicht Stellung nehmen.

88 wie „Heil Hitler“

Der Agent Cavanaugh berichtete, die beiden Männer hätten geplant, 88 Schwarze zu töten. 14 davon sollten enthauptet werden. Die Zahlen 88 und 14 haben für weiße Rassisten in den Vereinigten Staaten eine große symbolische Bedeutung: 14 ist die Zahl der Worte in einem bekannten Satz, der einem inhaftierten Rassisten zugeschrieben wird; die Zahl 8 steht für den achten Buchstaben im Alphabet, das „H“. 88 steht damit für „Heil Hitler“.

Bei den Neonazis wurden laut den Ermittlern ein Gewehr, eine abgesägte Schrotflinte und drei Pistolen entdeckt. Die beiden in Haft sitzenden Männer werden wegen des Besitzes unregistrierter Waffen, Verschwörung zum Diebstahl von Feuerwaffen und der Bedrohung eines Präsidentschaftskandidaten angeklagt.

Die beiden Verdächtigen hatten zudem Nylonseil und Skimasken gekauft, mit denen sie offenbar Raubüberfälle zur Finanzierung ihres Vorhabens planten, wie es in den Gerichtsakten hieß. Der 20 Jahre alte Daniel C. aus dem Bundesstaat Tennessee und der 18 Jahre alte Paul S. aus Arkansas wurden bereits am vergangenen Mittwoch festgenommen. Daniel C. lebte Polizeiangaben zufolge zuletzt in einem relativ armen Bezirk bei seinen Großeltern. Er habe keinen höheren Schulabschluss, hieß es. Er und Paul S. hatten sich übers Internet kennengelernt.

Text: FAZ.NET
Bildmaterial: dpa, REUTERS

© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2009.
Alle Rechte vorbehalten.
Vervielfältigungs- und Nutzungsrechte erwerben