Reaktionen

„Ein großartiger Wahlsieg“

Zusammentreffen im Juli in Berlin: Barack Obama und Frank-Walter Steinmeier (l.)

Zusammentreffen im Juli in Berlin: Barack Obama und Frank-Walter Steinmeier (l.)

05. November 2008 Bundespräsident Horst Köhler hat dem neugewählten amerikanischen Präsidenten Barack Obama zum Wahlsieg gratuliert. Köhler hob in einem Glückwunschtelegramm am Mittwoch die gemeinsamen Werte zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten hervor. Diese würden beide Länder fest miteinander verbinden. Köhler versicherte, Obama könne bei seinen großen Herausforderungen auf Deutschland „als verlässlichen Partner und langjährigen Freund“ zählen.

„Sie stehen vor großen Herausforderungen, für Ihr Land, aber auch für unsere Welt insgesamt“, schrieb der Bundespräsident. Er sprach sich zugleich für eine „kooperative Weltpolitik“ aus. Die Staaten der Welt seien zunehmend aufeinander angewiesen. Daraus ergebe sich die Verantwortung der Staatengemeinschaft, gemeinsam für Frieden, Freiheit, gegen die Armut und für den Schutz des Planeten einzutreten.

„Ein Politiker, der zusammenführen kann“

Gemeinsam die Krise überwinden: José Manuel Barroso in Brüssel

Gemeinsam die Krise überwinden: José Manuel Barroso in Brüssel

Auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) gratulierte Obama zu seinem „großartigen Wahlsieg“. Er freue sich auf die enge Zusammenarbeit mit dem künftigen amerikanischen Präsidenten, sagte Steinmeier am Mittwoch in Berlin. Er habe Obama in seinen bisherigen Gesprächen als Politiker erlebt, der zusammenführen und am Ende besonnen und souverän handeln könne. Obama habe es im Wahlkampf auch geschafft, wieder Begeisterung für Politik zu wecken.

Dies zeige auch die hohe Wahlbeteiligung. Mit Obamas Wahl hätten die Vereinigten Staaten in der Innen- und Außenpolitik den Wechsel gewählt. Steinmeier erwartet, dass das transatlantische Verhältnis nun wieder enger wird. Er verwies auf die Ankündigungen Obamas zum Klimaschutz, zur Abrüstung und über die Zusammenarbeit mit den internationalen Organisation.

Barroso hofft auf „New Deal“

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso sagte, er hoffe, dass sich die Vereinigten Staaten unter der Führung Obamas mit Europa verbünden würden, um „die Welt zu einem ,New Deal'“ zu führen. Die derzeitige Krise müsse in eine Gelegenheit umgewandelt werden, sagte Barroso in Brüssel. „Wir brauchen einen ,New Deal' für eine neue Welt.“ Er hoffe aufrichtig, dass Amerika unter Obama zusammen mit Europa diesen 'New Deal' erreichen werde, „zum Wohl unserer Gesellschaften und der ganzen Welt“. Der „New Deal“ war ein wirtschafts- und sozialpolitisches Maßnahmenpaket von Präsident Franklin Delano Roosevelt als Reaktion auf die Weltwirtschaftkrise der dreißiger Jahre.

Der Präsident des EU-Parlaments, Hans-Gert Pöttering, lud den künftigen amerikanischen Präsidenten ein, eine Rede vor der europäischen Volksvertretung zu halten. In einem Gratulationsschreiben schlug Pöttering als Termin den April, wenn der Nato-Gipfel in Straßburg tagt. „Es wäre eine großartige Botschaft für die Menschen in der Europäischen Union, wenn Barack Obama bei seinem ersten Besuch in Europa eine Rede vor dem Europäischen Parlament halten und sich damit an alle 500 Millionen Bürgerinnen und Bürger in der Europäischen Union wenden würde“, schrieb Pöttering.

Einladungen nach Europa

Der französische Staatspräsident Sarkozy beglückwünschte Obama in einem Schreiben zu seinem „brillanten Sieg“. „Ihre Wahl weckt in Frankreich, in Europa und darüber hinaus in der Welt gewaltige Hoffnung“, schrieb Sarkozy. Der britische Premierminister Brown lobte Obamas „energiegeladene Politik, seine fortschrittlichen Werte und seine Visionen für die Zukunft“. Der französische Außenminister Bernard Kouchner schrieb: Frankreich, Europa, die internationale Gemeinschaft brauchen seine Energie, sein Zurückweisen von Ungerechtigkeit und seine Entschlossenheit voranzugehen, um eine sicherere, gerechtere und stabilere Welt zu schaffen“.

“Brillianter Sieg“: Glückwünsche von Nicolas Sarkozy

"Brillianter Sieg": Glückwünsche von Nicolas Sarkozy

Der tschechische Ministerpräsident Mirek Topolanek gratulierte Obama und sagte, von besonderem Interesse sei nun dessen Position zur weltweiten Finanzkrise und den Problemen des Klimawandels. Topolanek fuhr am Mittwoch in Prag fort, er hoffe auf eine enge Zusammenarbeit mit Obama während der EU-Ratspräsidentschaft der Tschechisch Republik im ersten Halbjahr 2009. Topolanek lud Obama zu einem baldigen Besuch nach Prag ein.

Der italienische Regierungschef Silvio Berlusconi wünschte Obama viel Glück bei den anstehenden Aufgaben. „Wir sind absolut sicher, dass die Freundschaft und Zusammenarbeit zwischen unseren Ländern weiter wachsen und sich verstärken wird“, schrieb der konservative Ministerpräsident am Mittwoch an Obama. Dieser habe einen „schwierigen Wahlkampf mit einem hochrangigen Gegner“ hinter sich.

Vatikan: Gläubige beten um Erleuchtung

Karzai gratuliert: Sieg Obamas ist Beginn einer neuen Ära

Karzai gratuliert: Sieg Obamas ist Beginn einer neuen Ära

Der Vatikan wünschte dem künftigen amerikanischen Präsidenten Erfolg im Bemühen um Frieden und Gerechtigkeit auf der ganzen Welt. Vatikansprecher Federico Lombardi äußerte am Mittwoch die Hoffnung, dass der Wahlsieger „die Erwartungen und Hoffnungen erfüllt, die sich auf ihn richten“. Die Gläubigen beteten für ihn, „damit Gott ihn erleuchtet und ihn bei seiner großen Verantwortung unterstützt“. Als Hauptaufgabe des künftigen Präsidenten bezeichnete Lombardi den Einsatz für Recht, Gerechtigkeit, Frieden und Achtung der Menschenwürde. Mit Joe Biden wird ein Katholik das Amt des Vize-Präsidenten übernehmen.

Karzai: „Eine neue Ära“

Auch der Irak und Afghanistan reagierten auf den anstehenden Einzug eines Demokraten ins Weiße Haus: Der Wahlsieg Obamas werde „keinen raschen amerikanischen Abzug mit sich bringen“, sagte der irakische Außenminister Hoschjar Sebari in Bagdad. Er rechne diesbezüglich nicht mit einem „brüsken politischen Wandel“ in Amerika. Obama hatte im Wahlkampf angekündigt, die amerikanischen Truppen im Irak binnen 16 Monaten weitgehend abzuziehen.

Der afghanische Präsident Hamid Karzai erklärte, mit der Wahl Obamas beginne eine neue Ära. Die Vereinigten Staaten sind seit Ende 2001 mit der Regierung Karzai verbündet und haben rund 33.000 Soldaten in dem Land stationiert. Soldaten des größten amerikanischen Militärstützpunkts in Afghanistan erklärten, Obamas Sieg ändere nichts an ihrem Ziel, die Taliban zu besiegen. Dass so viele Menschen ihre Stimme abgegeben hätten, gebe ihm das Gefühl, „dass das, was ich hier mache, es wert ist“, sagte ein Major.

Auch aus Asien kamen Reaktionen: Der chinesische Präsident Hu Jintao erklärte, er hoffe in „dieser neuen historischen Phase“ auf die unermüdliche Stärkung des Dialogs und des gegenseitigen Vertrauens. Der japanische Regierungschef Taro Aso kündigte an, sich für eine Stärkung der Allianz zwischen den Vereinigten Staaten und seinem Land einzusetzen.

Livni: Ehrenorden für die Demokratie

Israel hofft nach dem Wahlsieg Obamas auf eine Fortsetzung der Sonderbeziehungen zwischen beiden Ländern. Israel erwarte, dass die enge strategische Partnerschaft mit dem künftigen Präsidenten, der neuen Regierung und dem Kongress fortgesetzt werde, hieß es in einer Erklärung von Außenministerin Zipi Livni vom Mittwoch. Frau Livni bezeichnete die Wahl des ersten schwarzen amerikanischen Präsidenten als einen „Ehrenorden“ für die Demokratie in den Vereinigten Staaten. Angesichts vieler Vorbehalte gegen Obama in Israel sagte Frau Livni, sie habe den Eindruck gewonnen, dass sich der neue Präsident der Sicherheit und dem Wohlergehen Israels verpflichtet fühle.

Text: FAZ.NET mit AFP/ddp
Bildmaterial: AFP, AP, REUTERS

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