Von Katja Gelinsky, Washington
15. Januar 2008 Für Hillary Clinton ist Michigan ein Kinderspiel. Denn ihre Konkurrenten Barack Obama und John Edwards treten bei den dortigen Vorwahlen an diesem Dienstag gar nicht an. Die beiden schärfsten Rivalen der früheren First Lady im amerikanischen Präsidentenwahlkampf gehörten zu jenen, die ihre Kandidatur in Michigan im Oktober unter Protest zurückzogen. Michigan hatte nämlich den Wahltermin unter Missachtung des Reglements der nationalen Organisation der Demokratischen Partei auf den 15. Januar vorverlegt.
Peinlich enden würde Michigan“ für Frau Clinton nur dann, wenn Scharen von Wählern ihr Kreuz bei unentschlossen“ machen sollten. Denn dazu haben Aktivisten aus den Lagern Obamas und Edwards’ die Basis in Michigan aufgefordert. Die demokratische Gouverneurin von Michigan, Jennifer Granholm, und andere namhafte Clinton-Unterstützer haben bereits an die Wähler appelliert, ihren Ärger über das schmale Kandidatenfeld nicht an Hillary Clinton auszulassen.
Duell zwischen McCain und Romney
Bei den Republikanern kämpft Mitt Romney darum, das Image des ewigen Zweiten loszuwerden, das ihm seit dem Caucus“ von Iowa und der Vorwahl in New Hampshire zusetzt. Sollte der frühere Gouverneur von Massachusetts im Duell mit seinem derzeit schärfsten Konkurrenten, Senator John McCain (Arizona), auch in Michigan unterliegen, wäre das für Romney bitter. Denn er setzt auf einen gewissen Heimvorteil: Er ist in Michigan geboren und aufgewachsen und sein Vater war in den sechziger Jahren drei Amtszeiten lang Gouverneur des Bundesstaates.
Andererseits hat McCain die Vorwahlen in Michigan vor acht Jahren gegen George W. Bush gewonnen. Der Senator will demonstrieren, dass sein Sieg vergangene Woche in New Hampshire kein Strohfeuer war. Seit seinem Comeback in Neuengland ist McCain, den viele im vergangenen Sommer schon fast abgeschrieben hatten, in nationalen Umfragen wieder der Favorit unter den republikanischen Bewerbern, vor Romney.
Die konservative Basis ist unentschlossen
Dagegen ist Rudy Giuliani, der in nationalen Umfragen vom vergangenen Jahr die meiste Zeit führte, hinter den früheren Gouverneur von Arkansas, den Baptistenprediger Mike Huckabee auf Platz vier abgerutscht. Neue Zweifel an der Strategie des früheren New Yorker Bürgermeisters, mit einem Sieg bei den Vorwahlen in Florida Ende des Monats nach vorn zu preschen, weckten zudem Meldungen, dass ein Dutzend wichtiger Wahlkampfhelfer Giulianis für den laufenden Monat auf ihre Bezahlung verzichten. Aber noch ist die Unentschlossenheit der konservativen Basis groß. Fast drei Viertel der als Republikaner registrierten Wähler sagen, es sei zu früh, sich festzulegen.
In Michigan liegt in einigen Umfragen McCain knapp vorn, in anderen Romney. Während Romey im Establishment unterstützt wird, hofft man im Lager McCain auf die Stimmen von Demokraten und parteilosen Wählern, die in Michigan ebenfalls an den Vorwahlen der Republikaner teilnehmen können. Huckabee wirbt unter anderem um die Stimmen evangelikaler Christen, deren Anteil unter den Republikanern in Michigan fast 40 Prozent beträgt. Schwerpunkt des Wahlkampfes in dem Staat, der unter hoher Arbeitslosigkeit leidet, war jedoch die Wirtschaft, die den ganzen Präsidentenwahlkampf immer stärker prägt.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: REUTERS