09. Januar 2008 Mit einem unerwarteten Sieg bei der Vorwahl im amerikanischen Bundesstaat New Hampshire hat Senatorin Hillary Clinton ihren Anspruch auf die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten untermauert. Sie entschied das Kopf-an-Kopf-Rennen mit ihrem schärfsten Rivalen Barack Obama knapp am Dienstag mit 39 zu 37 Prozent für sich, wie aus der Auszählung von 96 Prozent der Wahlkreise hervorging. John Edwards folgte demnach abgeschlagen mit 17 Prozent auf Position drei. Bill Richardson konnte fünf Prozent der Stimmen auf sich vereinigen.
Bei den Republikanern errang Senator John McCain 37 Prozent der Stimmen, sein schärfster Konkurrent Mitt Romney kam auf 32 Prozent. Dritter wurde Mike Huckabee mit 11 Prozent, der vergangene Woche in Iowa noch klar gewinnen konnte. Der ehemalige New Yorker Bürgermeister Rudy Giuliani, der sich in Iowa und New Hampshire kaum engagiert hatte, kam auf neun Prozent, Ron Paul bekam acht Prozent der Stimmen.
Frauen für Clinton, Junge für Obama
Ihren Anhängern rief Clinton zu: Nun muss Amerika ein Comeback erleben, wie ich es eben in New Hampshire erlebt habe. Anders als in Iowa, wo sie sich Obama klar geschlagen geben musste, konnte Clinton einer Nachwahlbefragung des Senders Fox News zufolge vor allem die die weiblichen Parteianhänger von sich überzeugen. Knapp jede zweite Frau stimmte für sie, etwa jede dritte für Obama.
Ihr Kontrahent blieb jedoch auch in New Hampshire der Favorit der jüngeren Wähler. Von ihnen stimmte jeder Zweite für Obama, nur knapp 28 Prozent sprachen sich für Clinton als Präsidentschaftskandidatin der Demokraten aus.
Clinton: Ein Comeback
Obama, der nach Meinungsumfragen als klarer Favorit in New Hampshire angetreten war, gestand seine Niederlage ein und gratulierte Frau Clinton zu einem hart erkämpften Sieg. Der Senator von Illinois richtete seinen Blick gleichzeitig nach vorn: Wir wissen, dass der Kampf nach vorn hart sein wird, aber erinnert euch immer daran, dass der Kraft von Millionen von Stimmen, die einen Wechsel fordern, nichts im Weg stehen kann.
Frau Clinton zeigte sich optimistisch, nach der Präsidentenwahl am 4. November ins Weiße Haus einzuziehen. Wir sind hier in einem langen Rennen, sagte sie vor jubelnden Anhängern am Dienstagabend in Manchester, der Landeshauptstadt von New Hampshire. Ich möchte ein Präsident werden, der das Volk an die erste Stelle setzt ... Lasst uns zusammen Amerika zu einem Comeback verhelfen, so wie New Hampshire mir zu einem Comeback verholfen hat, sagte sie mit Blick auf die für sie schlechten Umfrageergebnisse vor dem Urnengang.
McCain ist von den Toten auferstanden
Bei den Republikanern erklärte sich McCain zum unangefochtenen Wahlsieger. Wir haben dem Land gezeigt, wie ein echtes Comeback aussieht, sagte er mit Blick auf sein schwaches Abschneiden in Iowa. Der Sieg in New Hampshire sei ein erster Schritt ins Weiße Haus.
McCains Sprecher Mark McKinnon sagte im Sender Fox News: Er ist von den Toten auferstanden, niemand hätte das gedacht, er hat es durch puren Mut geschafft. In den vergangenen Monaten war der Senator in Umfragen stark abgerutscht. Sein Wahlkampfteam stand vor der finanziellen Pleite, McCain musste viele Mitarbeiter entlassen. Im Jahr 2000 hatte er schon einmal in New Hampshire gesiegt, war dann aber im weiteren Nominierungsrennen George W. Bush unterlegen.
Hohe Wahlbeteiligung
Romney gestand seine Niederlage gegen McCain ein. Ich hätte lieber die Goldmedaille gehabt, nun ist es wieder Silber, sagte er. Auch bei der Vorwahl in Iowa am Donnerstag war Romney Zweiter geworden. Dort hatte der frühere Gouverneur Huckabee gesiegt, der in New Hampshire kaum Wahlkampf betrieben hatte. Huckabee setzt auf weitere Siege bei den anstehenden Vorwahlen im Süden der Vereinigten Staaten.
In New Hampshire zeichnete sich eine sehr hohe Wahlbeteiligung ab. Wie der Sender CNN berichtete, wurden bereits am frühen Dienstagnachmittag in mehreren Wahllokalen die Stimmzettel knapp, neue mussten nachgeliefert werden.
Die Gewinner der Vorwahl können auf weiteren Rückenwind bei den Wählern und auf großzügige Wahlkampfspenden hoffen. Doch Fachleute warnen davor, die Bedeutung der Wahl in New Hampshire zu überschätzen, denn das tatsächliche politische Gewicht des mit 1,3 Millionen Einwohnern recht kleinen Bundesstaates sei eher gering.
Text: FAZ.NET mit AFP/AP/dpa
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