Obama debattiert während des Wahlkampfs auf einem Forum der Saddleback Church

Religion im Wahlkampf

Eine verrückte, wilde Sache

Die Wahlentscheidung der Amerikaner hängt maßgeblich von moralischen und religiösen Werten ab. Barack Obama nahm das ernst und konnte, anders als vor ihm John Kerry, im gesamten religiösen Spektrum Stimmenzugewinne erzielen. Von Katja Gelinsky, Washington

Lesermeinungen zum Beitrag

20. November 2008 12:44

Was es je anders?

Harry LeRoy (Cimon)

Dass Religion und Politik in den USA kaum zu trennen sind gehört eigentlich zu den Grundkonstanten jenes Staates: Immerhin wurde er von frommen Pilgervätern gegründet und war danach ein Hort für religiös verfolgte Gruppen aus ganz Europa; daher wirkte sich auch die Religion niemals negativ aus: Durch die Pluralität war die Religionsfreiheit ein Diktum der Notwendigkeit, da es keine orthodoxe Mehrheitslehre geben konnte, musste man sich arrangieren, auch mit den Ketzern und Ungläubigen – was die großen Räume erleichterten. Ob dies so bleibt darf allerdings bezweifelt werden: Durch die massive Einwanderung aus Süd- und Mittelamerika steigt auch die Anzahl der Katholiken rapide an und die evangelikale Bewegung könnte so etwas wie eine protestantische Orthodoxie erschaffen; aber selbst dies dürfte noch etliche Jahrzehnte in Anspruch nehmen.

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17. November 2008 13:59

Obama hat gewonnen, weil traditionelle Dispute diesmal keine Rolle spielten

thomas schulz (peanutbutter)

Gesellschaftlich zentrale Themen wie abortion, same sex marriage, descency, gun ownership, moral values u.a., die normalerweise kontrovers diskutiert werden und seit geraumer Zeit den Republikanern zu Siegen verhalfen, liefen diesmal unter ferner liefen. Selbst das Pfund national security, mit dem die GOP normalerweise wuchern kann, wirkte sich aufgrund des mangelhaftem Krisenmanagement im Antiterrorkampf der Bush Administration negativ aus. Die These, daß die Distanzierung McCains von Bush ihm seinen Sieg gekostet hat, widerlegt die Tatsache, daß Palin, deren politisches, religiöses und gesellschaftliches Weltbild mit dem von Bush in weiten Teilen identisch ist, keine entscheidende Wende herbeigeführt hatte. Entscheidend war der Irakkrieg und der meltdown der amerikanischen Hochfinanz, in dessen Strudel auch die zahllosen, zur Mittelschicht gehörenden, Häuslebauer, die neben den religiös, konservativen Wählern das Rückrat der GOP sind, in eine existenzbedrohende Situation gerieten. Wie gut die Chancen für die GOP in vier Jahren sind, hängt davon ab, ob die traditionellen Themen wieder an Bedeutung gewinnen. Ironischerweise könnte man sagen, je erfolgreicher Obama die Probleme löst, desto höher die Chance, daß dies eintritt.

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17. November 2008 11:16

Obama hat nur gewonnen weil er farbig ist und links steht

Josef Bujtor (Mramorak)

Diese Urgewalt der Obama-Propaganda hat alle, auch die Clintons, überrast. Und die ihn an sein Ziel brachten, werden ihn das nicht vergessen lassen! Es ga viele verärgerte Christen, die mit McCain nicht einig waren. In viel Jahren wird es anders aussehen. Ich beobachte einige amerikanische Fernsehsehder. Und einige habe schon kurz vor der Wahl eingesehen, dass sie sich zu wenig auf die siete des McCain stellten. Selbst große Sender waren von der gewaltigen Obanma-Propaganda überrascht. Der McCain hätte sich nicht von Bush distanzieren sollen. Das mag dumm scheinen. Aber sehen Sie sich die Situation der SPD an. Die Umfragen sind vernichtend und dennoch trennt sie sich nicht von Steinmeier und Genossen, die zusammen mit Schröder den Absturz einleiteten. Der McCain hätte wissen müssen, dass er nicht gewinnen kann gegen die Stimmen, die immer noch für den Herrn Bush waren. Bei dieser Wahl hat die gewaltige Obama-Propaganda gewonnen. Aber die Christen in den USA - im Gegensatz zu denen in unserem Land - werden sich wieder zurechtfinden und die Medien nicht ganz den Obama-Leuten überlassen. Die Republikaner haben immer noch Ideen, die ankommen, wenn sie abgeschickt werden. Aber die Postwege freischaufeln müssen sie selbst

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17. November 2008 08:45

jenseits »ethnischer Zugehörigkeit« …

Stefan Pohl (friedrich_leipzig)

Citat: »Inwieweit die Verschiebungen im Wahlverhalten der Katholiken und anderer christlicher Gruppierungen nicht auf religiöse Gründe, sondern auf ethnische Zugehörigkeit und Hautfarbe zurückzuführen sind, das ist eine der zentralen Fragen, die man derzeit am Pew Center zu beantworten sucht.« – Da bei Weißen 55% für McCain und 43% für Obama, bei Schwarzen aber nur 4% für McCain und 95% für Obama gestimmt haben (Quelle: idea 46/08), muß man wohl nicht lange über »ethnische Gründe« spekulieren. Hätten umgekehrt 95% der Weißen für McCain und nur 4% für Obama gestimmt, wäre das Rassismus-Geschrei wohl groß gewesen. So aber scheint es nicht »politisch korrekt« zu sein, von einer rassistisch geprägten Wahl zu sprechen. Aber es fällt doch ein wenig schwer zu glauben, daß 95% der Schwarzen Obama einfach für kompetenter als McCain – jenseits »ethnischer Zugehörigkeit und Hautfarbe« halten sollten.

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17. November 2008 04:18

Keine Trennung von Kirche und Politik

Gerhard Dünnhaupt (dunnhaupt)

Das Land, das allen verfolgten religiösen Sekten der Welt Schutz und Zuflucht gewährte, kann noch immer mit Rekordzahlen sonntäglicher Kirchgänger aufwarten. Dass dieser Fakt auch immer wieder in die Politik hineinspielt, haben wir in den vergangenen Monaten im Fernsehen erneut miterlebt. Dennoch war es zuletzt wohl doch die verheerende Wirtschaftskrise, die sich entscheidend auswirkte.

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