07. Juni 2008 Die frühere First Lady Hillary Clinton hat ihre Niederlage bei den Vorwahlen der Demokraten in Amerika öffentlich eingestanden und dem Sieger Barack Obama demonstrativ ihre volle Unterstützung zugesagt. Um den Kampf nun fortzusetzen, um unsere Ziele zu erreichen, müssen wir alle unsere Energie, Leidenschaft und Stärke einsetzen, um dabei mitzuhelfen, dass Barack Obama gewählt wird, sagte die 60-Jährige am Samstag in der Hauptstadt Washington vor tausenden Anhängern. Sie rief ihre Unterstützer auf, für ihn genauso hart zu arbeiten wie für mich. Zugleich dankte sie in einer emotionalen Rede ihren Anhängern für die Hilfe in dem eineinhalbjährigen Wahlkampf.
Heute setze ich meinen Wahlkampf aus, ich gratuliere ihm zu seinem Sieg und zu dem außerordentlichen Wahlkampf, den er führte, sagte Clinton. Nun sei es an der Zeit, wieder zusammenzufinden. Wir streben alle dasselbe Ziel an (...), (bei der Präsidentenwahl) im November zu gewinnen und unser Land herumzureißen, weil so viel auf dem Spiel steht. Mehrfach sagte sie: Deshalb müssen wir helfen, dass Barack Obama unser Präsident wird.
Obama begrüßte die Unterstützungserklärung seiner bisherigen Rivalin und ihre eine wesentliche Rolle im Wahlkampf zugesprochen. Niemand weiß besser als Senatorin Clinton, wie verzweifelt Amerika und das amerikanische Volk einen Wandel brauchen, und ich weiß, dass sie bei diesem Kampf in vorderster Front bleiben wird - in diesem Herbst und in den kommenden Jahren, sagte Obama. Er sei begeistert und geehrt über Senator Clintons Unterstützung. Mehr noch, ich ehre sie heute für den tapferen und historischen Wahlkampf, den sie geführt hat.
Wendepunkt in der amerikanischen Geschichte
Clinton mahnte ihre Anhängerschaft, am 4. November für Obama zu stimmen. Wir dürfen diesen Moment nicht verpassen. Die Wahl sei ein Wendepunkt in der amerikanischen Geschichte. Nach den mitunter scharfen Angriffen während des Vorwahlkampfes rief sie dazu auf, sich auf die Zukunft zu konzentrieren. Jeder Moment, den wir mit Rückschau verschwenden, hält uns davon ab, noch vorne zu blicken.
Es ist nicht ganz die Party, die ich mir vorgestellt habe, aber ich freue mich über Eure Gesellschaft, sagte Clinton an ihre Zuhörer gerichtet. Die Senatorin war vor Beginn ihrer Rede mit ihrer Mutter, Ehemann Bill und Tochter Chelsea auf die Bühne gegangen.
Viel Lob für Abschiedsrede
Senator Obama hatte sich am Ende der Vorwahlen am Dienstag die nötigen Delegiertenstimmen gesichert, um im Spätsommer zum Präsidentschaftskandidaten der Demokraten nominiert zu werden. Clinton hatte zunächst ihre Niederlage nicht eingestanden.
Fernsehkommentatoren zollten Clinton höchstes Lob für ihre Rede. Das war ein ganz starker Versuch, ihre Anhänger in das Lager Obamas zu bringen, sagte ein Moderator des Senders MSNBC. Eine vorbildhafte Rede, in der jemand seine Niederlage eingesteht, urteilte ein anderer. Auch Parteifreunde applaudierten. Eine großartige Rede, sagte ein demokratischer Politiker. Clinton hat uns daran erinnert, dass diese Wahl wichtiger ist als sie selbst und Senator Obama.
30 Millionen Dollar Schulden
Bei ihren eigenen Zukunftsplänen blieb sie jedoch vage. Sie werde weiterhin tun, was sie schon seit langem mache: Dafür arbeiten, dass jeder Amerikaner die Chancen bekommt, die ich selbst hatte.
Clinton beendete ihren Wahlkampf offiziell nicht völlig, sondern setzte ihn aus. Das gibt ihr rechtlich die Möglichkeit, bis zum Nominierungsparteitag der Demokraten im Spätsommer in Denver noch Spenden zu sammeln. Während des Wahlkampfs hatte sie rund 30 Millionen Dollar (19,6 Millionen Euro) Schulden aufgehäuft.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AFP, dpa, REUTERS