Obamas Wahlsieg

Kampf zwischen „Vergangenheit und Zukunft“

Von Klaus-Dieter Frankenberger

Glücklicher Sieger

Glücklicher Sieger

27. Januar 2008 Dass Hillary Clinton so eilig das Weite suchte, so wie sie schon nach der Eröffnungsrunde in Iowa getan hatte, verrät den Grad der Demütigung und die Enttäuschung: Süd-Carolina wurde zum Schauplatz einer vernichtenden Niederlage und dies nach einer Woche, in der ihr Mann Bill Clinton jedwede „Elder Statesman“-Pose abgelegt hatte und den Kampf Mann gegen Mann suchte. Zeigte sich das Objekt der doppelten Clinton-Attacke zunächst irritiert von deren Schärfe und Skrupellosigkeit, so triumphierte er doch zuletzt: Der junge schwarze Senator errang einen spektakulären Erfolg; Frau Clinton wurde bitter, ja vernichtend geschlagen.

Der Grund dieses Sieges ist leicht zu erkennen: Die schwarzen Wähler entschieden sich in einem überwältigenden Maße für den Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur der Demokratischen Partei, der der erste schwarze Präsident der Vereinigten Staaten werden könnte; seine Chance ist jedenfalls um ein Vielfaches größer als die früherer schwarzer Möchtegernpräsidenten. In einem Wahlkampf, in dem „Rasse“ keine Rolle spielen sollte und in dem Obama sich bisher als eine Art Post-Rasse-Kandidat präsentierte, spielte die Hautfarbe zu ersten Mal die entscheidende Rolle.

Kein Kapital geschlagen

Frau Clinton konnte kein Kapital aus der ihrem Mann zugeschriebenen Beliebtheit bei den schwarzen Wählern schlagen, es schlug noch nicht einmal bei schwarzen Wählerinnen wie erhofft zu Buche. Auch in anderen Südstaaten, in denen schwarze Wähler einen großen Teil der demokratischen Wählerkoalition bilden und in denen die Clintons generell nicht die Skala der beliebtesten Politiker anführen, wird die Symbolfigur Obama erfolgreich sein. Das wiederum könnte seine Rivalin dazu treiben, ihn als Kandidat der Minderheit mit einer begrenzten Basis darzustellen - im politisch korrekten Amerika könnte diese Taktik schnell zum Bumerang werden.

Eine Lektion bietet das Ergebnis von Süd-Carolina, welche vor allem für die Clinton-Kampagne recht unerfreulich ist: Wenn der frühere Präsident in die Arena steigt und die Auseinandersetzung zu dominieren beginnt, dann kann das in das Gegenteil des Erhofften umschlagen; dann ziehen die Erinnerungen an die neunziger Jahre wieder auf; und dann bekommt jede Abstimmung auch den Anstrich eines Clinton-Referendums.

Kein Selbstläufer

Und das ist ein kein Selbstläufer. Selbst viele Demokraten - von den Republikanern zu schweigen - denken an die Jahre Bill Clintons im Weißen Haus nicht mit nostalgischer Rührung. Sie sind auch nicht rundherum überzeugt von der Dynastisierung der amerikanischen Politik. Hillary Clinton schleppt einiges Gepäck mit sich - es ist dieses Gepäck, welches Obama scheinbar unschuldig mit dem nicht eben originellen, aber jedermann verständlichen Wort meint, das Ausleseverfahren bei den Demokraten sei ein Kampf zwischen „Vergangenheit und Zukunft“.

In jedem Fall handelt es sich um einen Zweikampf - der ehemalige Senator Edwards kommt für den Sieg nicht in Frage. Auf absehbare Zeit wird dieses Rennen nicht entschieden sein. Ein eindeutiger Favorit hat sich nicht herauskristallisiert. Am sogenannten „Super-Dienstag“, am 5. Februar, werden sowohl Frau Clinton als auch Obama einige Bundesstaaten gewinnen; aber vermutlich wird weder die eine noch der andere dann so viele Delegiertenstimmen auf dem Konto haben, dass die Sache vorentschieden wäre.

Je länger sich das Rennen hinzieht, desto größer wird die Gefahr, dass Verunglimpfungen und Angriffe auf Integrität und Charakter der Kandidaten Spuren hinterlassen. Jetzt allerdings, nach der Vorwahl in Süd-Carolina, glänzt wieder Barack Obama im Licht der Scheinwerfer: Das Momentum ist mit ihm, und Frau Clintons Erlebnis der Vermenschlichung ist Vergangenheit.

Text: FAZ.NET
Bildmaterial: dpa

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