Von Katja Gelinsky, Washington
18. Dezember 2008 Der designierte amerikanische Präsident Barack Obama komplettiert allmählich sein Kabinett: Neuer Innenminister soll Senator Ken Salazar (53) werden. Der frühere Gouverneur Tom Vilsack (58) ist für den Posten des Landwirtschaftsministers vorgesehen. Damit sind nur noch die Posten des Arbeitsministers, des Verkehrsministers sowie des amerikanischen Handelsbeauftragten offen. Die Nominierung für diese Posten wird noch diese Woche erwartet.
Wir bilden das beste Basketball spielende Kabinett in der Geschichte Amerikas“, verkündete Obama, als er diese Woche seinen designierten Bildungsminister Arne Duncan vorstellte. Andere Basketballspieler in der Mannschaft von Barry O’Bomber“, wie der gewählte amerikanische Präsident an der Punahou High School in Honolulu genannt wurde, wenn er auf Korbjagd ging, sind der ehemalige General James Jones, der Nationaler Sicherheitsberater wird, sowie der designierte Justizminister Eric Holder und Susan Rice, die die Obama-Regierung bei den UN in New York vertreten soll.
Frischer Wind für Washington
Historiker, die sich mit den amerikanischen Präsidenten beschäftigen, weisen darauf hin, dass frühere Regierungen wegen der spielerischen Ambitionen ihrer Präsidenten zwar als Golfkabinett“ (William Howard Taft) oder Pokerkabinett“ (Warren Harding) bespöttelt worden seien, ein Basketballkabinett sei jedoch ein Novum. Sportlich betrachtet, hat Obama sein Versprechen nach Wandel also eingelöst.
Die Forderung, frischen Wind nach Washington zu bringen, ist jedoch nur eine von vielen, die Obama bei der Zusammenstellung seiner Mannschaft zu berücksichtigen hat. Alle Wählergruppen, die ihm zum Sieg verholfen haben – Frauen, Schwarze, Latinos, Umweltschützer –, pochen darauf, im Washingtoner Mikrokosmos vertreten zu sein. Ferner spielen bei der Ordnung des Personaltableaus geographische Kriterien und Verbindungen zum Kongress eine Rolle. Überdies gilt es, mögliche Widersacher in der eigenen Partei zu neutralisieren – Stichwort Hillary Clinton – und das Fundament für ein einigermaßen auskömmliches Verhältnis mit den Republikanern im Kongress zu schaffen. Auf beiden Seiten des politischen Spektrums wird Obama bescheinigt, im Großen und Ganzen gute Arbeit bei der Bildung seiner Regierungsmannschaft geleistet zu haben.
Junge Mannschaft des künftigen Präsidenten
In Wirtschaft und Außenpolitik setzt der gewählte Präsident auf ideologisch moderate, erfahrene Fachleute. Bei der Bewältigung der Wirtschafts- und Finanzkrise sollen vor allem Schwergewichte aus der Clinton-Regierung helfen. Dazu gehört der künftige Leiter des Wirtschaftsrates im Weißen Haus, Lawrence Summers. Der frühere Chefvolkswirt der Weltbank hat lange Jahre unter Clinton dessen Wirtschafts- und Finanzpolitik mitgeformt, zuletzt als Finanzminister. Wie Summers zählt auch Timothy Geithner, der unter Obama das Finanzministerium führen soll, zu den Protegés von Clintons erstem Finanzminister Robert Rubin.
In diese Riege gehört auch Obamas Kandidat für den Posten des Budgetdirektors im Weißen Haus, Peter Orszag. Mit erst 39 Jahren ist der Ökonom das Nesthäkchen in der ohnehin recht jungen Mannschaft des künftigen Präsidenten. In der Außen- und Sicherheitspolitik hat der auf diesen zentralen Gebieten relativ unerfahrene Nachfolger von George Bush sich allerdings für ältere, erfahrene Semester entschieden. Der gegenwärtige und künftige Verteidigungsminister Robert Gates gehört mit 65 Jahren zu den Senioren im Kabinett, ebenso der frühere Nato-Oberbefehlshaber und künftige Sicherheitsberater Jones, der diese Woche 65 Jahre alt wird. Auch die designierte Außenministerin Hillary Clinton hat die Altersgrenze von 60 Jahren überschritten.
Nach Obamas Wahlsieg hatte John Podesta, der Leiter des Übergangsteams, versichert, Obama werde nicht nur einen Alibirepublikaner“ in sein Kabinett aufnehmen. Vielmehr würden in der ganzen Administration“ Republikaner zu finden sein. Bislang ist jedoch Robert Gates der einzige Republikaner in Obamas Team. Genau genommen ist Gates nicht einmal Republikaner. Zwar fühlt er sich als solcher, auch hat Gates bisher nur republikanischen Präsidenten gedient. Aber registriertes Mitglied der Republikanischen Partei ist der Verteidigungsminister nicht. Wichtiger als diese Formalität ist aber, dass das konservative Lager mit einem der wichtigsten Ämter bedient wurde.
Obamas Kabinett eines der akademisch elitärsten

Frauen sind unterrepräsentiert: Obama mit Susan Rice (UN-Botschafterin) und Hillary Clinton (Außenministerin)
Unterrepräsentiert werden in der neuen Regierungsmannschaft weiterhin Frauen sein. Bislang hat Obama mit Hillary Clinton (Außenministerin), Susan Rice (UN-Botschafterin), Janet Napolitano (Heimatschutzministerin) und Lisa Jackson (Leiterin der Umweltschutzbehörde) vier Kandidatinnen für Kabinettsposten nominiert, ebenso viele George Bush. Zugleich repräsentieren Jackson und Rice zusammen mit dem designierten Justizminister Eric Holder die drei schwarzen Kabinettsmitglieder, die der erste schwarze Präsident nominiert hat. Die Hispanics, die auch in großer Zahl für Obama gestimmt haben, sind dagegen bislang nur durch den designierten Wirtschaftsminister Bill Richardson aus New Mexiko repräsentiert. Wie Napolitano (Arizona) und der designierte Landwirtschaftsminister Tom Vilsack (Iowa) gehört Richardson zu den amtierenden oder ehemaligen Gouverneuren, die Obama ins Kabinett holen will.
Geographisch wird die neue Regierungsmannschaft von der Ostküste dominiert. Zu Obamas Chicagoer Beratern aus dem Wahlkampf und den Kandidaten aus dem Washingtoner Establishment kommen die designierten Regierungsmitglieder, die wie der Präsident selbst einen Abschluss an einer der renommierten Privatuniversitäten an der Ostküste erworben haben. Während ihr Anteil im Kabinett des Yale- und Harvard-Absolventen George W. Bush mit 26 Prozent ungewöhnlich niedrig war, wird das Obama-Kabinett mit einem Ivy-League-Anteil von 40 Prozent eines der akademisch elitärsten der jüngeren Geschichte sein.
Viele Junge, drei Schwarze, ein halber Republikaner und vier Leute, die gut Körbe
treffen – seine Mannschaft
hält weitgehend, was Obama versprach. Frauen sind
allerdings unterrepräsentiert.
Von Katja Gelinsky
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AFP, AP, dpa, REUTERS