Rede in Berlin vor mehr als 200.000 Zuhörern

Obama wirbt für transatlantischen Neuanfang

Vor der Siegessäule

Vor der Siegessäule

25. Juli 2008 Bei seiner Rede an der Berliner Siegessäule hat sich Präsidentschaftskandidat Barack Obama eine der berühmtesten Reden der Stadt zum Vorbild genommen. Der demokratische Senator rief vor zehntausenden Besuchern aus: „Völker der Welt, schaut auf Berlin.“ Mit diesen Worten erinnerte er an die historische Rede des einstigen Berliner Bürgermeisters Ernst Reuter, der während der Berlin-Blockade 1948/1949 vor mehr als 300. 000 Menschen vor dem Reichstag sprach. Mit seinen bewegenden Worten „Ihr Völker der Welt...schaut auf diese Stadt und erkennt, dass ihr diese Stadt und dieses Volk nicht preisgeben dürft, nicht preisgeben könnt“ half der SPD-Bürgermeister, dass die Luftbrücke gegen anfängliche alliierte Bedenken durchgesetzt wurde.

Obama sprach nur eine knappe halbe Stunde. Anders als die amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy, Ronald Reagan und Bill Clinton verzichtete er darauf, einen Satz auf Deutsch zu sagen. Er erklärte, er spreche auch nicht als Kandidat, sondern als Bürger. Er benutzte die Luftbrücke zur Rettung der Stadt 1948/1949 und die Berliner Mauer als Leitmotiv seiner Rede, was an die Berliner Freiheitsrede Kennedys 1963 anzuknüpfen schien.

„Amerika darf sich nicht einigeln“

Die Gefahren in der Welt wachsen nach den Worten Obamas schneller, als sie sich eindämmen lassen. Er erwähnte den Terrorismus, Drogen, Aids, Verelendung und Folter: „Deshalb dürfen wir uns nicht spalten lassen.“ In der Globalisierung müssten diejenigen mitgenommen werden, die bisher zurückgelassen worden seien. Obama mahnte zugleich, dass wahre Partnerschaft und Freundschaft lange und anhaltende Arbeit und Opfer bedeuteten. Dazu bedürfe es „Verbündeter, die einander zuhören, voneinander lernen und vor allem, die einander trauen“.

Deshalb dürfe Amerika sich nicht einigeln. Der demokratische Senator räumte ein, dass es auf beiden Seiten des Atlantiks Vorbehalte gegeneinander gebe. Er forderte: „Amerikaner und Europäer werden mehr tun müssen in diesem Jahrhundert.“ Mauern könnten eingerissen werden, das wisse Berlin. Dies sei der einzige Weg zum Schutz der gemeinsamen Sicherheit und Fortentwicklung der Beziehung. Russland müsse einbezogen werden.

Botschaft an den Iran

Obama erklärte, die Welt müsse die Atomwaffenarsenale zurückfahren und ohne Nuklearwaffen auskommen. „Wir müssen den Frieden der Welt anstreben ohne Atomwaffen“, sagte er. Europa und die USA müssten deswegen auch eine gemeinsame Botschaft an den Iran schicken, dass dieser seine Atompläne aufgebe.
Den Kindern müsse auch „die Welt zurückgegeben“ werden. In dem Zusammenhang forderte er eine markante Begrenzung von CO2-Emissionen. Vor seiner Landung am Morgen in Berlin hatte er im Flugzeug von einer Reduktion um 80 Prozent bis 2050 gesprochen.

Vor seiner Rede hatte er die Hoffnung ausgedrückt, dass sie zu Hause als Leitbild für das Verhältnis angesehen werde, „das ich zwischen den USA und Europa sehen möchte“.

Nach seiner Ankunft sprach Obama etwa je eine Stunde mit Bundeskanzlerin Angela Merkel sowie mit Außenminister Frank-Walter Steinmeier. Bei seinem ersten Zusammentreffen mit der Kanzlerin standen außenpolitische Themen im Mittelpunkt. „Es war ein sehr offenes und in die Tiefe gehendes Gespräch in sehr guter Atmosphäre“, berichtete Regierungssprecher Ulrich Wilhelm. Beide hätten dabei die große Bedeutung von engen und freundschaftlichen deutsch-amerikanischen Beziehungen hervorgehoben.

Merkels führende Rolle im Klimaschutz gewürdigt

Auch Obamas Chefberater Robert Gibbs betonte die freundschaftliche Atmosphäre in beiden Gesprächen. Obama habe einen Überblick über seine bisherige Reise gegeben, die ihn durch Afghanistan, den Irak und Nahost führte. Außerdem habe Obama die führende Rolle Merkels beim internationalen Klimaschutz gewürdigt. Der Berliner Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit suchte Obama im Hotel Adlon am Brandenburger Tor auf, wo der Senator logiert.

Dort sorgte am Vormittag ein Fehlalarm wegen eines verdächtigen Päckchens kurzzeitig für Aufregung. Es stellte sich als harmlose Buchsendung heraus. Obama sollte das Buch offenbar signieren.

Bei einem Zwischenfall am Vortag hatte ein Mann am vorgesehenen Kundgebungsort an der Siegessäule mit seinem Auto die Absperrung durchbrochen und rote Farbe vergossen. Der Mann kam laut Polizei in psychiatrische Behandlung.

Obama, der am Freitag nach Paris und dann nach London weiterreist, verzichtete auf eine Stadtbesichtigung. Er tauchte aber überraschend in einem Trainingsanzug im Hotel Ritz-Carlton am Potsdamer Platz auf und benutzte das Sportstudio. Angebliche Pläne, am Freitag auch ein Lazarett der amerikanischen Truppen in Landstuhl und den US-Luftwaffenstützpunkt Ramstein zu besuchen, werden nach Sprecherangaben nicht umgesetzt.

Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AFP, AP, AP , ddp, dpa, picture-alliance/ dpa, REUTERS

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Vor der Siegessäule

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