06. November 2008 John David Podesta war, von 1998 bis 2001, der letzte Stabschef unter Präsident Bill Clinton im Weißen Haus, und eine seiner ersten Aufgaben als Chef des Übergangsteams des künftigen Präsidenten wird es sein, offiziell den Namen des ersten Stabschefs unter Barack Obama zu verkünden.
Dies wird Rahm Emanuel sein, seit 2003 Abgeordneter des 5. Wahlbezirks von Illinois, zu dem wesentlich die North Side von Chicago gehört. Emanuel und Podesta kennen sich gut aus den Zeiten, als beide im Weißen Haus arbeiteten. Sie werden im Washingtoner Polit-Jargon Clintonistas genannt, und es ist gewiss kein Zufall, dass Obama kurz nach seinem Wahlsieg zwei führende Vertreter dieser besonderen politischen Klasse in Schlüsselpositionen berief.
Visionen der New Deal-Politik
Anders als Emanuel wird Podesta, der ebenfalls aus Chicago stammt und dort am 15. Januar 1949 als Enkel italienischer und griechischer Einwanderer geboren wurde, jedoch nicht wieder im Weißen Haus arbeiten. Vielmehr will er nach seiner Arbeit im Übergangsteam zu jenem Projekt zurückkehren, das er seit 2003 mit beträchtlichem Erfolg geführt hat. Es heißt Center for American Progress (CAP) und ist neben der traditionsreichen Brookings Institution heute vielleicht der wichtigste und einflussreichste linke Think Tank in Washington. Zum CAP, dessen Führungsmannschaft sich wie eine Liste der wichtigsten, damals oft noch blutjungen Mitarbeiter der Clintons im Weißen Haus liest, gehört der gleichnamige Action Fund. Der Fund ist der Lobbyisten-Arm der Denkfabrik, mit dem dieser mittels Spendensammeln und Wahlwerbung noch direkter auf den politischen Prozess Einfluss nehmen kann als mit den Schriftstücken und Strategiepapieren des CAP.
Man kann nicht sagen, dass Podesta und das CAP zum zentristischen Flügel der Demokratischen Partei gehörten, der während der Clinton-Jahre stark wurde und auch heute wieder an Einfluss in den Fraktionen der Demokraten im Senat und im Repräsentantenhaus zu gewinnen scheint - vor allem durch neue Abgeordnete und Senatoren aus Staaten im Westen und im Süden des Landes. Vielmehr versteht sich das CAP als Versammlung links-progressiver Vordenker der Partei, und deren Vordenker ist Podesta selbst.
New Deal-Politik für die Epoche der Globalisierung
Man könnte die Visionen Podestas und anderer Chefdenker des CAP als Version der New Deal-Politik für die Epoche der Globalisierung bezeichnen, deren Chancen in den vergangenen zwei Jahrzehnten das erstaunliche Wirtschaftswachstum in zahlreichen Entwicklungsländern zumal Asiens gezeigt hat, deren Risiken aber auch durch den jüngsten, von der Wall Street ausgehenden Zusammenbruch der internationalen Finanzmärkte offenbar wurden. Neben seiner Arbeit für das CAP ist Podesta außerdem als Gastprofessor für Jura an der Georgetown University in Washington tätig. Seine eigene Zukunft sieht Podesta nicht in der praktischen Politik, sondern als einer der Chefdenker der beginnenden Obama-Epoche.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP