Kritik an Obamas Personenkult

„Geschmacklos, überheblich und dumm“

Von Matthias Rüb, Washington

Barack Obama mit Kandidatensiegel: „Vero Possumus”!

Barack Obama mit Kandidatensiegel: „Vero Possumus”!

24. Juli 2008 So leicht lässt John McCain Barack Obama nun doch nicht davonkommen: Was der demokratische Präsidentschaftskandidat möglichst unauffällig begraben wollte, hat der republikanische Gegenkandidat nun wieder hervorgeholt. Es geht um das Präsidenten-, oder genauer, um das Präsidentschaftskandidatensiegel, das sich Obamas Wahlkampfteam im Juni ausgedacht und nach nur eintägiger Verwendung wieder verworfen hatte.

Das abgewandelte Kandidatensiegel ähnelt dem richtigen Präsidentensiegel fast vollständig. Nur das Adlerbild und das lateinische Zitat unterscheiden sich. Dort, wo es im richtigen Siegel schlicht heißt: „Siegel des Präsidenten der Vereinigten Staaten“, da steht im abgewandelten Kandidaten-Siegel: „Obama für Amerika“, dazu ist die Internet-Adresse der Wahlkampf-Webseite Obamas zu lesen.

Personenkult Orwellschen Zuschnitts

Obamas Wahlkampfsiegel

Obamas Wahlkampfsiegel

Wo der Weißkopfseeadler mit den Pfeilen und den Olivenzweigen in den Krallen im Original ein Schild in den Nationalfarben vor sich trägt, prangt auf der Adlerbrust der Kopie das Obama-Logo: eine stilisierte aufgehende Sonne in der Form eines „O“ wie in Obama. Vor allem aber ist aus dem lateinischen Originalzitat „E Pluribus Unum“ (etwa: Aus der Vielheit das Eine) bei Obama „Vero Possumus“ geworden. Es soll wohl die direkte Übersetzung des amerikanischen Obama-Slogans „Yes, We Can“ sein.

Das Kandidatensiegel sollte nach einmaliger Verwendung am 20. Juni gleich wieder verschwinden, denn der Aufschrei des Entsetzens war groß und das spöttische Gelächter ebenfalls. Das Siegel sei Ausdruck der Arroganz, Überheblichkeit oder auch Dummheit des Kandidaten, der einen Personenkult Orwellschen Zuschnitts um sich aufbaue, lauteten die schärferen Urteile.

Andere wollten Geschmacklosigkeit als mildernden Umstand gelten lassen, fragten sich aber, ob Obamas Mitarbeiter demnächst Uniformen mit Rangabzeichen - je nach Ergebenheitsgrad - tragen würden. Rechtskundige wussten, dass es sogar verboten und mithin strafbar sei, amtliche Symbole solchermaßen zu Privatzwecken umzunutzen. Bisher hat aber wohl noch niemand Anzeige erstattet.

Trostpflaster für „zurückgelassene Berichterstatter“

Jedenfalls wollte John McCain die Sache mit dem Siegel nicht auf sich beruhen lassen. Sein Wahlkampfteam versorgte jene Journalisten, die nicht mit Obama auf seine Nahost- und Europareise mitreisen konnten, mit besonderen Presseausweisen für „Zurückgelassene Berichterstatter“ als Trostpflaster. Vor allem aber ließ er eine 17 Seiten umfassende gefälschte Broschüre mit dem Titel „Barack Obama - Offizielle Reiseanweisung“ verbreiten. Darauf prangt das wiederbelebte Kandidatensiegel.

In der Broschüre gibt es natürlich keine offiziellen Reiseanweisungen, sondern Fragen an den Präsidentschaftskandidaten auf Nahosttour. Unter anderem wird Obama mit seiner Forderung vom 13. Mai zitiert, wonach man neben amerikanischen Soldaten auch „Übersetzer aus dem Irak abziehen und nach Afghanistan schicken“ solle: „Sind Sie sich darüber im Klaren, dass Iraker Arabisch sprechen, Afghanen aber Farzi, Paschto und andere Sprachen?“, lautet eine Frage aus der „Offiziellen Reiseanweisung“. Vero Possumus!

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP

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