Vorwahlen in Amerika

Umfragen sehen Obama in Texas vorn

29. Februar 2008 Wenige Tage vor möglicherweise entscheidenden Vorwahlen in Texas und Ohio hat Hillary Clinton ihre Führungsposition laut Umfragen in den Bundesstaaten weitgehend eingebüßt. Barack Obama, ihr Konkurrent um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten, zog demnach in Texas an ihr vorbei und führt nun mit sechs Prozentpunkten Vorsprung. In Ohio lag er fast gleichauf.

Der schwarze Senator aus Illinois erreichte zudem in beiden Staaten einen großen Vorsprung bei Wählern, die sich erst in den vergangenen vier Wochen entschieden haben. „Es läuft im Moment alles auf Obama zu“, sagte Meinungsforscher John Zogby am Freitag. „Es ist offen, ob Clinton sich gegen diese Welle stemmen kann.“ Nach Niederlagen in elf Vorwahlen ist die New Yorker Senatorin am Dienstag auf einen Sieg angewiesen, um sich eine Chance auf die Nominierung als demokratische Präsidentschaftskandidatin zu wahren.

„Amerika und Großbritannien machen die Drecksarbeit“

In der für Reuters, C-Span und den „Houston Chronicle“ erstellten Umfrage führte Obama in Texas mit 48 Prozent vor 42 Prozent für Clinton. In Ohio liegt er bei 42 Prozent. Clinton erreichte zwar 44 Prozent; die Umfrage hat aber eine Fehlertoleranz von 3,8 Prozentpunkten. Auch andere Umfragen wiesen eine Annäherung der beiden Kandidaten aus.

Unterdessen hat Obama die Europäer abermals und in deutlichen Worten zu einem stärkeren militärischen Engagement in Afghanistan aufgefordert. „Ich habe sehr klar gesagt, dass wir von ihnen mehr Unterstützung brauchen“, sagte er am Donnerstag. „Wir müssen vielleicht einige der Beschränkungen aufheben, die sie ihren Truppen dort auferlegt haben.“ (Siehe auch: Wie stellt sich Barack Obama Amerikas Außenpolitik vor?) Zugleich lobte Obama den britischen Prinzen Harry, auf dessen lange geheimgehaltenen Kampfeinsatz an vorderster Front in Afghanistan das britische Volk sehr stolz sein könne. (Siehe auch: Prinz Harry im Kampfeinsatz in Afghanistan)

Untragbar nannte Obama die derzeitige Situation, in der „von den Vereinigten Staaten und Großbritannien verlangt wird, die Drecksarbeit zu machen, und niemand sonst sich tatsächlich Feuergefechte mit den Taliban liefern will“. Namen einzelner Staaten nannte er nicht. Zudem erwähnte Obama nicht Kanada und die Niederlande - sie zählen ebenfalls zu jenen Ländern, die die Hauptlast der Kämpfe mit den Taliban tragen.

Bush kritisiert Obama und Clinton

Deutschland, Italien und Spanien beschränken ihre Truppeneinsätze dagegen auf die vergleichsweise ruhigen Teile des Landes. Die Bundesregierung hat wiederholt einen Einsatz der Bundeswehr im umkämpften Süden Afghanistans abgelehnt.

George W. Bush kritisierte den jungen Senator für dessen außenpolitische Pläne scharf. Grund war Obamas Aussage, er wäre nach einem Wahlsieg bereit, mit Iran, Syrien, Kuba, Venezuela und Nordkorea Gespräche ohne Vorbedingungen aufzunehmen. Bush sagte, ein solches Verhalten sende das falsche Signal. „Jetzt ist nicht die Zeit, mit (dem neuen kubanischen Staatschef) Raúl Castro zu sprechen“, sagte der Präsident. Raúl Castro führe nur die Arbeit seines Bruders fort, der das Land in den Ruin getrieben und Menschen wegen ihrer politischen Einstellung inhaftiert habe. Mit solchen Staatschefs zu sprechen, verwirre die Verbündeten und stärke das Ansehen von Regimen, die Menschenrechte verletzten.

Außerdem kritisierte Bush Obama und Frau Clinton für ihre Vorbehalte gegenüber dem Freihandelsabkommen Nafta. Das Abkommen trage dazu bei, besser bezahlte Arbeitsplätze für Amerikaner zu schaffen, sagte Bush. Clinton und Obama haben erklärt, sie wollten das Freihandelsabkommen mit Kanada und Mexiko neu verhandeln.



Text: FAZ.NET
Bildmaterial: dpa, Reuters

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