Von Katja Gelinsky, Washington
12. März 2008 Barack Obama hat im Kampf um die demokratische Präsidentschaftskandidatur erwartungsgemäß die Vorwahlen in Mississippi gewonnen. Der Senator aus Illinois erhielt 61 Prozent der Stimmen, Hillary Clinton 37 Prozent. Obama konnte seinen Vorsprung bei den Delegiertenstimmen damit leicht ausbauen. Nachdem er in dem Südstaat 19 der 33 zu vergebenden Delegiertenstimmen gewann, hat er nun 1385 der Delegierten, die an das Wählervotum gebunden sind, beim Nominierungsparteitag Ende August auf seiner Seite, während Frau Clinton 1237 Stimmen hat.
Obamas Vorsprung ist aber so dünn, dass die Entscheidung vermutlich von den Superdelegierten abhängen wird, die nicht an das Votum der Wähler gebunden sind. Die nächsten Vorwahlen finden am 22. April in Pennsylvania statt. Dort werden Frau Clinton gute Chancen gegeben, da der Bundesstaat demographisch Ohio ähnlich ist, wo sie Anfang März gewann. Obama setzt auf Siege in Indiana und North Carolina am 6. Mai, wo er auf die Stimmen vieler schwarzer Wähler hoffen kann.
Heimtückische Bemerkungen
Wie bei anderen Vorwahlen im Süden hat Obama auch seinen Sieg in Mississippi den schwarzen Wählern zu verdanken, die zu mehr als 90 Prozent für ihn stimmten. Er erhielt jedoch nur etwa ein Viertel der Stimmen weißer Wähler. Vor der Wahl in Mississippi hatte eine Beraterin Frau Clintons mit Bemerkungen zum Thema Hautfarbe die Spannungen zwischen den Lagern der beiden demokratischen Bewerber weiter verschärft. In einem Interview mit der kalifornischen Zeitung Daily Breeze hatte Geraldine Ferraro, die der damalige demokratische Kandidat Walter Mondale 1984 zur Vizepräsidentin machen wollte, gesagt: Wenn Obama ein weißer Mann wäre, wäre er nicht in dieser Position.
Obamas Wahlkampfchef David Axelrod forderte Clintons Team auf, Ferraro wegen ihrer heimtückischen und beleidigenden Bemerkungen zu entlassen. Die Finanzberaterin Clintons empörte sich ihrerseits am Mittwoch darüber, dass Obamas Mannschaft versuche, sie als Rassistin zu brandmarken. Clintons Wahlkampfchefin Maggie Williams sagte, Ferraros Äußerungen seien bedauerlich, doch seien beide Wahlkampfteams übereingekommen, dass man sich auf inhaltliche Fragen konzentrieren solle.
Grundstücksgeschäft im Visier
Frau Clinton hatte allerdings vor kurzem selbst versucht, Obamas Integrität in Frage zu stellen, indem sie ihm seine Beziehungen zu dem Chicagoer Geschäftsmann Tony Rezko vorhielt, der sich gegenwärtig vor einem Bundesgericht wegen Geldwäsche und anderer Finanzstraftaten verantworten muss. Rezko ist seit Jahren mit Obama befreundet und hat dessen Bemühungen, Senator zu werden, finanziell unterstützt.
Frau Clintons Team hat vor allem ein Grundstücksgeschäft im Visier: Obama habe sich beim Kauf seiner Villa in Chicago von Rezko helfen lassen. Gegen Rezko wurde damals schon wegen des Verdachts auf Bestechung ermittelt. Auch wenn Obama kein strafbares Verhalten zur Last gelegt wird, wertet er das Geschäft inzwischen selbst als hirnrissig.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AFP, AP