Amerikanischer Wahlkampf

Obama distanziert sich nochmals von Pastor Wright

30. April 2008 Der einstige Pastor des demokratischen Präsidentschaftskandidaten hat bei mehreren öffentlichen Auftritten der vergangenen Tage zahlreiche seiner umstrittenen Äußerungen bekräftigt und damit Barack Obama abermals in Bedrängnis gebracht. Der Senator distanzierte sich nun nochmals von Jeremiah Wright aus Chicago mit den Worten, einige von dessen Bemerkungen hätten ihn verletzt und er „verstehe, dass sie das amerikanische Volk verletzt haben“.

Bei einem Auftritt vor dem Nationalen Presseclub in Washington hatte Wright am Montagabend auf Nachfrage bekräftigt, dass er die Anschläge vom 11. September 2001 als eine Art Vergeltung für die amerikanische Außenpolitik betrachte: „Man kann nicht andere Völker terrorisieren und erwarten, dass das nicht irgendwann zurückschlägt.“

Wright wollte sich auch nicht ausdrücklich von der Verschwörungstheorie distanzieren, wonach die Regierung in Washington das Aids-Virus entwickelt habe, um die Schwarzen zu dezimieren. „Wenn ich sehe, was den Afroamerikanern in diesem Lande alles geschehen ist, traue ich der Regierung alles zu“, sagte Wright. Die Vereinigten Staaten sollten wegen der Unterdrückung der Schwarzen verdammt sein.

„Er hat eine Karikatur aus sich gemacht“

Die radikalen Äußerungen des Geistlichen zu Rassismus und Terrorismus haben Obamas Kampf um die Präsidentschaftskandidatur der Demokratischen Partei - vor allem bei weißen Wählern - erheblichen Schaden zugefügt. „Er hat eine Karikatur aus sich gemacht. Das macht mich wütend, und es macht mich traurig“, sagte Obama am Dienstag nach dem vielbeachteten Auftritt Wrights.

In aller Form wies er die Ansichten des Seelsorgers zurück, der Obama getraut und seine zwei Töchter getauft hatte. Wright war 20 Jahre lang Obamas Pastor, bevor er vor ein paar Wochen in den Ruhestand ging. Obama hatte sich schon früher von den politischen Äußerungen Wrights distanziert, als diese zuerst im Internet verbreitet wurden. Wright sagte dazu, das sei eben das, „was Politiker tun müssen“. Obama entgegnete, diese Andeutung, er habe sich nur zum Schein und des politischen Erfolges Willen distanziert, habe ihn besonders zornig gemacht.

Umfrage: Clinton hat bessere Chancen gegen McCain

Unterdessen muss Obama auch Rückschläge an der demoskopischen Front verkraften. Nach den Ergebnissen einer aktuellen Umfrage der Nachrichtenagentur AP und des Meinungsforschungsinstituts Ipsos hat Hillary Clinton bessere Chancen als Obama, den Republikaner John McCain bei der Präsidentenwahl im November zu schlagen.

Die demokratische Senatorin kommt in der jüngst veröffentlichten Erhebung im direkten Vergleich mit McCain auf 50 Prozent. 41 Prozent der Befragen sprachen sich bei dieser Konstellation für McCain aus. Obama liegt dagegen im direkten Vergleich mit dem republikanischen Senator aus Arizona praktisch Kopf-an-Kopf. 46 Prozent der Befragten sprachen sich bei diesem hypothetischen Duell für Obama aus und 44 Prozent für McCain.

Die nächsten Vorwahlen der Demokratischen Partei finden am 6. Mai in Indiana und in North Carolina statt. In North Carolina, wo 115 Delegiertenstimmen zu holen sind, gilt Obama als Favorit. In Indiana mit 72 Delegierten liegen er und seine Konkurrentin Hillary Clinton Kopf an Kopf. Am Dienstag stellte sich der Gouverneur von North Carolina, Mike Easley, auf die Seite Clintons. Die Senatorin Clinton sei diejenige Kandidatin, die „die Herausforderungen versteht, denen wir in diesem Land gegenüberstehen“, sagte Easley.



Text: rüb/F.A.Z
Bildmaterial: AFP, AP, REUTERS

FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche