Clinton ein „Monster“ genannt

Obamas Beraterin vergreift sich im Ton - und geht

Nicht zu halten: Harvard-Professorin Samantha Power

Nicht zu halten: Harvard-Professorin Samantha Power

07. März 2008 Der Ton im Rennen um die demokratische Präsidentschaftskandidatur wird immer schärfer. Einen Tag vor der nächsten Vorwahl an diesem Samstag im Bundesstaat Wyoming trat die außenpolitische Beraterin des schwarzen Senators Barack Obama Samantha Power am Freitag zurück, nachdem sie dessen Rivalin Hillary Clinton ein „Monster“ genannt hatte. Obama geht Umfragen zufolge als Favorit in die Kandidatenkür in Wyoming, nachdem Clinton ihrerseits am vergangenen Dienstag drei wichtige Vorwahlsiege errungen hatte.

In einem Interview mit der schottischen Tageszeitung „The Scotsman“ hatte die Harvard-Professorin Power zu Beginn der Woche über Obamas Gegenkandidatin Clinton gesagt: „Sie ist ein Monster, und - das bleibt jetzt unter uns - sie lässt sich zu allem herab.“ Sie fügte hinzu: „Man schaut sie nur an und denkt: 'Pfui!'“

Der Senator aus Illinois selbst distanzierte sich am Freitag von der Äußerung seiner Beraterin, die sich auf Clintons Wahlkampftaktiken bezogen hatte. Obamas Sprecher Bill Burton erklärte dazu, der Senator verurteile derartige Charakterisierungen scharf. Sie hätten im Wahlkampf nichts zu suchen.

Clinton ihrerseits hatte Obama postwendend dazu aufgefordert, Frau Power zu entlassen. Nach Angaben aus Obamas Wahlkampflager gehörte sie zu den unbezahlten Mitarbeitern des Teams. In einer am Freitag veröffentlichten Erklärung entschuldigte sich Power selbst bei Clinton wie auch Obama und nannte ihre Bemerkungen „unentschuldbar“. Sie stünden im Widerspruch zum „Geist, Tenor und Ziel des Obama-Wahlkampfs“.

Eine Expertin für Menschenrechtsfragen

Frau Power hatte Obama mehr als ein Jahr lang in der Außenpolitik beraten. Als Expertin für Menschenrechtsfragen hatte sich die Professorin hohes Ansehen verschafft, ihre Studie über die Politik der Vereinigten Staaten gegenüber den Völkermorden des 20. Jahrhunderts fand auch außerhalb des Wissenschaftsbetriebs große Aufmerksamkeit und wurde 2003 mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet. Sie galt für den Fall von Obamas Wahlsieg als Anwärterin auf einen hohen außenpolitischen Posten in seiner Regierung.

Bei den parteiinternen Abstimmungen in Wyoming sind nur 12 an das Ergebnis gebundene Delegierte für den Nominierungsparteitag im Spätsommer in Denver zu gewinnen. Obama hofft, mit einem Erfolg am Samstag wie auch bei der Vorwahl am Dienstag in Mississippi seinen Vorsprung von derzeit insgesamt etwa 140 Delegierten wieder ausweiten zu können.

Clinton hatte mit Vorwahlsiegen in Ohio, Texas und Rhode Island am 4. März Obamas Serie von elf Abstimmungssiegen in Folge unterbrochen und seinen Vorsprung verringert. Beide Bewerber können wegen des anhaltend engen Rennens rechnerisch nicht mehr die magische Zahl von 2045 Delegierten erreichen, die für die Nominierung als Spitzenkandidat für die Präsidentschaftswahl am 4. November eigentlich nötig sind. Es gilt daher als möglich, dass eine Entscheidung erst auf dem Parteitag der Demokraten Ende August fällt. Die nächste „große“ Vorwahl findet am 22. April in Pennsylvania statt. Dort geht es um gut 160 Delegierte. In Umfragen liegt Clinton hier mit etwa 15 Prozentpunkten vor Obama.

Text: dpa, AFP
Bildmaterial: AP

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