Amerikanische Vorwahlen

Finanzspritze statt „harter Wahrheiten“

Von Katja Gelinsky, Washington

Romney: “Sieg des Optimismus über Pessimismus im Stile Washingtons“

Romney: "Sieg des Optimismus über Pessimismus im Stile Washingtons"

16. Januar 2008 Die Wähler in Michigan haben dem republikanischen Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney den Sieg verschafft, auf den der frühere Gouverneur von Massachusetts bei den beiden früheren, wichtigen Vorwahlen in Iowa und New Hampshire vergeblich gehofft hatte. Romney siegte in Michigan mit 39 Prozent der Stimmen klar vor seinem schärfsten Widersacher Senator John McCain aus Arizona, der 30 Prozent der Stimmen erhielt. (Siehe auch: Mitt Romney gewinnt Vorwahl in Michigan)

Auf den dritten Platz kam der Baptistenprediger und frühere Gouverneur von Arkansas Mike Huckabee mit 16 Prozent. Der Schauspieler und frühere Senator aus Tennessee Fred Thompson und der ehemalige New Yorker Bürgermeister Rudy Giuliani landeten mit vier beziehungsweise drei Prozent der Wählerstimmen noch hinter dem konservativ-libertären Kongressmitglied Ron Paul aus Texas, der sechs Prozent der Wählerstimmen erhielt. Bei den Demokraten gewann erwartungsgemäß Hillary Clinton. Sie hatte jedoch keine ernsthafte Konkurrenz, da die anderen beiden Kandidaten des Führungstrios, der schwarze Senator Barack Obama und der frühere Senator John Edwards, wegen eines Streits über den Wahltermin in Michigan nicht angetreten waren.

Heimvorteil für Romney

“Dieser Abend markiert den Beginn eines Comebacks - eines Comebacks für Amerika“

"Dieser Abend markiert den Beginn eines Comebacks - eines Comebacks für Amerika"

Auf Seiten der Republikaner zeigt sich nach dem Wahlgang in Michigan mehr denn je, wie offen das Nominierungsrennen unter den Kandidaten der „Grand Old Party“ noch ist: In Iowa hatte Mike Huckabee gewonnen, in New Hampshire hatte McCain sein Comeback erlebt, und in Michigan proklamierte nun Romney einen „Sieg des Optimismus über Pessimismus im Stile Washingtons“. Nur jemand von außen könne erreichen, was „die Insider“ in Washington bislang versäumt hätten, sagte er mit einem Seitenhieb auf den langjährigen Senator McCain.

Dieser hatte nach seinem Erfolg in New Hampshire gehofft, den Sieg wiederholen zu können, den er vor acht Jahren in Michigan beim erfolglosen Anlauf auf das Weiße Haus errungen hatte. Wie Romney hatte auch McCain mit einem Programm zur Belebung der Wirtschaft des „Autostaates“ Michigan geworben, der unter einer Konjunkturflaute und hoher Arbeitslosigkeit leidet. Sein Ansatz stand jedoch in starkem Kontrast zu dem seines Hauptrivalen.

Während der geschmeidige Romney eine gewaltige Finanzspritze aus Washington und gesetzliche Erleichterungen für die Autoindustrie beim Umweltschutz versprach, verfolgte der kantige Vietnamveteran McCain die riskante Strategie, „harte Wahrheiten“ zu verkünden. Jeder Kandidat, der sage, dass die traditionellen Jobs in der Autoindustrie zurückkommen würden, sei entweder naiv oder rede nicht Klartext, hatte er im Wahlkampf verkündet, in der Hoffnung damit die Stimmen von parteilosen Wählern zu gewinnen. Deren Unterstützung für McCain fiel jedoch deutlich geringer aus als 2000. Der in Michigan aufgewachsene Romney dagegen erhielt breite Zustimmung von traditionellen republikanischen Wählern.

South Carolina - Hauptkampfplatz der Republikaner

Das nächste Kräftemessen findet am kommenden Samstag in Bundesstaaten statt, in denen sich zeigen wird, wie die Präsidentschaftskandidaten bei hispanischen und schwarzen Wählern ankommen. Zum Hauptkampfplatz haben die republikanischen Kandidaten South Carolina erkoren; die am gleichen Tag stattfindenden Parteiversammlungen in Nevada werden dagegen von ihnen vernachlässigt. Dort richtet sich die Aufmerksamkeit auf die demokratischen Präsidentschaftsbewerber, die sich erst eine Woche später um die Stimmen der Wähler in South Carolina bewerben. Als klare Favoritin unter hispanischen Wählern in Nevada und anderen Bundesstaaten gilt Hillary Clinton.

Das Duell gegen sie wird für Barack Obama dadurch erschwert, dass der schwarze Senator auch gegen die Vorurteile zu kämpfen hat, die unter Latinos gegenüber Schwarzen verbreitet sind. Fast jeder vierte Einwohner in dem am schnellsten wachsenden Bundesstaat ist hispanischer Abstammung. Von den eingetragenen Wählern dort sind allerdings nur 15 Prozent Latinos. Ungleich größer ist die Rolle, die die schwarzen Wähler in South Carolina spielen werden. Bei den Vorwahlen der Demokraten dort am 26. Januar wird voraussichtlich rund die Hälfte der Stimmen von der schwarzen Bevölkerung kommen. Noch im Dezember hatte Hillary Clinton in Meinungsumfragen unter Schwarzen einen Vorsprung von mehr als zwanzig Prozentpunkten. Aber der Sieg ihres schwarzen Konkurrenten im lilienweißen Iowa brachte die Wende. Mittlerweile würden laut Umfragen die meisten schwarzen Amerikaner für Obama stimmen.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AFP, AP, dpa, REUTERS

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