09. März 2008 Mit einem Sieg in Wyoming hat der demokratische Präsidentschaftsbewerber Barack Obama seine Erfolge bei den Parteiversammlungen (caucuses) im Vorwahlkampf fortsetzen können. Für Hillary Clinton zerschlugen sich mit ihrer Niederlage in Wyoming Hoffnungen, dass ihre Siege bei den Vorwahlen in Texas und Ohio in der vergangenen Woche den Durchbruch bedeuteten. Es war Obamas dreizehnter Sieg bei caucuses.
Clinton hat nur drei dieser Abstimmungen für sich entscheiden können. Im Gegensatz zu früheren caucuses hatte sie jedoch in Wyoming kräftig Wahlkampf betrieben. Doch kam sie dort nur auf 38 Prozent der Stimmen im Vergleich zu 61 für Obama. Für den Kampf um die Delegiertenstimmen spielt Wyoming indes rechnerisch keine große Rolle, da der bevölkerungsarme Bundesstaat nur zwölf Delegierte, die an das Votum der Wähler gebunden sind, und fünf Superdelegierte, die sich frei für einen der beiden Kandidaten entscheiden können, zum Nominierungsparteitag Ende August nach Denver schickt. Sieben der an das Wählervotum gebundenen Delegiertenstimmen entfielen auf Obama, fünf auf Clinton. Von den Superdelegierten haben zwei Unterstützung für Obama bekundet, die anderen drei sind noch unentschieden.
Obama als Clintons running mate?
Weiterhin scheint es jedoch unwahrscheinlich, dass einer der beiden Kandidaten bei den noch kommenden Vorwahlen und caucuses die Zielmarke von 2025 Delegierten erreicht, die für die Nominierung erforderlich sind. Der Wahlkampfberater von Obama, David Plouffe, wertete den Sieg des Senators in dem stark republikanisch geprägten Wyoming, dem Heimatstaat von Vizepräsident Dick Cheney, als Beweis dafür, dass Barack Obama mehr Chancen als Hillary Clinton habe, gegen den republikanischen Präsidentschaftskandidaten John McCain zu gewinnen.
Frau Clinton hat jedoch bislang in den bevölkerungsreichen Bundesstaaten gewonnen. Auch in Pennsylvania, wo am 22. März Vorwahlen stattfinden, liegt sie in Umfragen vorn, wenngleich ihr Vorsprung dort in den vergangenen Wochen zusammengeschmolzen ist. Bill Clinton bekräftigte bei einem Wahlkampfauftritt in Mississippi, wo am Dienstag Vorwahlen stattfinden, seine Frau könne sich Obama als Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten vorstellen. Hillary als Präsidentschaftskandidatin und Obama als ihr running mate wären im Kampf um das Weiße Haus eine nicht zu stoppende Kraft. Von Obama wurde dieser Vorschlag jedoch als verfrüht zurückgewiesen.
Clinton hatte angesichts des knappen Rennens am Mittwoch erstmals eine Zusammenarbeit mit Obama an der Staatsspitze ins Gespräch. Auf die Frage nach einer möglichen Aufteilung der Posten des Präsidenten und Vize-Präsidenten zwischen dem Senator aus Illinois und ihr hatte sie gesagt: Das könnte die Richtung sein, in die wir uns bewegen. Allerdings hatte sie klargestellt, dass sie an der Spitze eines solchen gemeinsamen Tickets stehen sollte.
Kampfkandidatur auf Parteikongress denkbar
Sollte das Rennen weiter knapp bleiben, ist eine Kampfkandidatur auf dem Parteikongress der Demokraten im August in Denver wahrscheinlich. Dabei könnten dann die Stimmen der sogenannten Super-Delegierten, die wegen ihrer Parteiämter ein Stimmrecht besitzen, ausschlaggebend sein. Die nächsten Vorwahlen in einem großen Bundesstaat finden am 22. April in Pennsylvania statt. Bereits am kommenden Dienstag kämpfen Clinton und Obama in Mississippi um 33 Delegiertenstimmen.
Das zähe Duell zwischen Clinton und Obama zehrt in beiden Lagern zunehmend an den Nerven. So verzichtete die bisherige außenpolitische Beraterin von Obama, die Harvard-Professorin Samantha Power, am Freitag darauf, weiter für den Senator aus Illinois tätig zu sein, nachdem sie Hillary Clinton in einem Interview mit der schottischen Zeitung The Scotsman ein Monster genannt hatte, und entschuldigte sich.
Text: FAZ.NET mit gel.
Bildmaterial: REUTERS