Mit Obama zu Olympia 2016

Rückenwind für Windy City

Chicago dankt und hofft auf Barack Obama

Chicago dankt und hofft auf Barack Obama

07. November 2008 In Chicago, der Heimatstadt von Barack Obama, freuen sich die Macher der Olympia-Kandidatur für 2016 über einen dringend benötigten Rückenwind für „Windy City“ und träumten bereits von einem spektakulären Obama-Auftritt bei der Vergabe im Oktober 2009 auf der IOC-Session in Kopenhagen. „Wir haben“, sagte Chicagos Bewerbungschef Patrick Ryan inzwischen, „allen Grund zur Hoffnung, dass Obama, wenn nicht andere Ereignisse seine Anwesenheit erfordern, uns in Kopenhagen unterstützen kann.“

Eine Ansprache des neuen mächtigsten Mannes der Welt an die Mitglieder des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) kann dem Kandidaten Chicago, der sich gegen die Rivalen Tokio, Madrid und Rio de Janeiro behaupten muss, kaum schaden. Zumal Obama aus derzeitiger Sicht sicher mehr Sympathien aus dem Auditorium zufliegen dürften als seinem noch bis Januar 2009 amtierenden Vorgänger George W. Bush.

Eine Linie von Schröder über Blair bis Putin

Der sportliche Präsident: Obama beim Basketball spielen

Der sportliche Präsident: Obama beim Basketball spielen

Ryan und seine Mitstreiter, die 2016 Gastgeber der ersten Sommerspiele in den Vereinigten Staaten seit Atlanta 1996 sein wollen, haben sehr wohl einen Trend registriert: Ob der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder für die Fußball-WM 2006 in Deutschland, Großbritanniens ehemaliger Premier Tony Blair für Olympia 2012 in London oder Russlands Staatspräsident Wladimir Putin für die Winterspiele 2014 in Sotschi - immer sind erfolgreiche Bewerbungen um sportliche Großereignisse zuletzt auch mit dem persönlichen Einsatz von Staats- und Regierungschefs verbunden gewesen.

Obamas Popularität ist Chicagos Trumpf schlechthin. „Als Obamas Heimat ist Chicago jetzt bedeutsamer als bisher. Die Menschen auf der ganzen Welt werden mehr über unsere Stadt erfahren. Das ist sehr vorteilhaft“, sagt Ryan und kalkuliert mit zusätzlicher Aufmerksamkeit für die Millionen-Metropole am Lake Michigan.

Sorge beim Konkurrenten Tokio

Alleine die Fernseh-Bilder von Obamas Rede als Wahlsieger vor Hunderttausenden im Grant Park mit Chicagos Skyline im Hintergrund bescherte höchst willkommene Publicity. Ryan: „Die Augen der Welt ruhten auf Barack Obama und damit auch auf Chicago. Dadurch hatten die Menschen die Chance, unsere Stadt zu sehen und zu erleben, wie es bei den Olympischen Spielen sein würde.“

Auch sportpolitisch könnte der „Obama-Faktor“ für Chicago entscheidend sein. Zum einen können Obamas kenianische Wurzeln bei den afrikanischen IOC-Mitglieder wichtige Sympathien für den Kandidaten Chicago wecken. Zum anderen trauen viele Beobachter dem künftigen amerikanischen Präsidenten die Überwindung der außenpolitischen Gräben der Ära Bush zu, so dass das Ansehen Amerikas nach der längst auch unter den Olympiern spürbar gewordenen Isolation wieder steigen könnte.

Obama will „Lasst die Spiele beginnen!“ rufen

Chicagos Rivalen beobachten den globalen Hype um Obama mit Sorge. In Tokio sehen die Lenker des japanischen Olympischen Komitees (JOC) die Kräfteverhältnisse unter den Olympia-Kandidaten durch Obamas Wahl zumindest anders verteilt. „Obama ist ein hervorragender Redner und sehr populär. Das könnte zu einem Problem werden“, meinte JOC-Vorstandsmitglied Tomiaki Fukuda bereits. Obwohl Tokio bei einer Bewertung aller Kandidaten durch eine IOC-Arbeitsgruppe vor rund fünf Monaten die besten Noten vor Madrid und Chicago erhielt, fürchtet offenbar auch JOC-Chef Tsunekazu Takeda Bauchentscheidungen in Kopenhagen: „Ich frage mich, wie die IOC-Mitglieder reagieren, wenn Obama auftritt.“

Eine Frage der Sympathie dürfte ein solches Ereignis jedenfalls nicht werden, hat Obama doch schon im vergangenen Juni nach Chicagos Sprung in die Endausscheidung für 2016 aus einer seiner Visionen kein Hehl gemacht: „Ich kann mir nichts Größeres vorstellen als zum Ausklang meiner zweiten Amtszeit als Präsident der Vereinigten Staaten der Welt zuzurufen: 'Lasst die Spiele beginnen!'“

Text: FAZ.NET mit sid
Bildmaterial: AP, dpa

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