Clinton will Niederlage eingestehen

„Zeit, die Partei zusammenzuführen“

05. Juni 2008 Die frühere First Lady Hillary Clinton will nach Informationen amerikanischer Medien am Samstag offiziell aus dem Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten aussteigen und ihre Niederlage eingestehen. Dies berichteten zahlreiche amerikanische Medien am Mittwochabend (Ortszeit) übereinstimmend. Zuvor war von mehreren Fernsehsendern der Freitag als Datum des Ausstiegs Clintons genannt worden.

Wie die „New York Times“ in ihrer Internetausgabe unter Berufung auf Clintons Berater Howard Wolfson und andere Mitarbeiter der 60 Jahre alten Senatorin berichtete, wolle sie an diesem Tag auch ihre Unterstützung für Barack Obama ankündigen. Ein anderer Berater Clintons sagte laut „New York Times“ weiter, die ehemalige First Lady werde Obama als offiziellen Kandidaten der Demokraten für die Präsidentenwahlen im November benennen.

„Zwei Flügel in der Partei“

Hillary Clinton wolle Obama zugleich versichern, sie werde alles für seinen Sieg über den Republikaner John McCain tun. Clinton habe in der Schaltung mit 20 demokratischen Mitgliedern des Repräsentantenhauses erklärt, es sei „an der Zeit, die Partei zusammenzuführen“, berichtete FoxNews. Es gebe „zwei Flügel in der Partei“, und es sei nun ihre Verpflichtung, sie „zu vereinen“.

Den meisten ihrer Wahlkampfmitarbeiter sei bereits gesagt worden, dass sie nach Freitag nicht mehr zur Arbeit erscheinen müssten, meldete der Fernsehsender ABC. Clinton habe ihre Unterstützer für Samstag nach Washington eingeladen. Die offizielle Ankündigung ihres Rückzugs sei um einen Tag verschoben worden, damit mehr ihrer Anhänger zu dieser Versammlungen kommen könnten, hieß es in amerikanischen Medien.

Ausstieg auf Drängen der Berater

Ihr Rivale Barack Obama hatte am Dienstag die nötige Zahl Delegiertenstimmen erreicht, um sich die Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten zu sichern. Der 46-Jährige hatte sich daraufhin zum Sieger des Vorwahlkampfes erklärt. Unmittelbar danach hatte Clinton gesagt, sie wolle über ihre nächsten Schritte zunächst nachdenken.

Den ABC-Informationen zufolge führte sie inzwischen mit ihrem engsten Beraterkreis und hohen Parteivertretern Gespräche. Immer mehr ihrer Unterstützer hatten sie zuletzt öffentlich gedrängt, sie solle aus dem Rennen offiziell aussteigen. Die Senatorin aus New York hatte am Dienstag erklärt, sie sei für eine Kandidatur für das Amt des Vizepräsidenten an der Seite Obamas offen.

Spekulationen über Vizepräsidentschaft

Das wird im Lager des schwarzen Senators jedoch mit Skepsis gesehen, weil ein zu großer Einfluss Bill Clintons befürchtet wird.

Amerikanische Wahlbeobachter betonen jedoch, dass die Unterstützung Obamas durch Hillary Clinton im Rennen gegen den Republikaner John McCain möglicherweise entscheidend sein könnte. Clinton hatte im Wahlkampf stark unter älteren Frauen, der weißen Arbeiterschaft und Latinos punkten können, die dem Senator aus Illinois zurückhaltend gegenüberstehen.

Die 60-Jährige hatte bereits vor einiger Zeit im Wahlkampf erklärt, sich für Obama einsetzen zu wollen, sollte er die Nominierung sicher haben. Der designierte Präsidentschaftskandidat der Demokraten stellte nach amerikanischen Medienberichten derweil ein dreiköpfiges Team zusammen, das nach einem geeigneten Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten suchen soll. Mitglied sei auch Caroline Kennedy, Tochter des 1963 ermordeten amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy.



Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AFP, AP, F.A.Z.-Mohr

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