06. Februar 2008 Die Parole für die Vorwahlen in zwei Dutzend Bundesstaaten am Super Tuesday laute Kalifornien, Kalifornien, Kalifornien!. Das hatte Tim Russert, der Bürochef des Fernsehsenders NBC in Washington und Gastgeber der politischen Sonntagstalkshow Meet the Press, schon vor der Öffnung der ersten Wahllokale an der Ostküste gesagt. Und so wurde gewartet und jeder erste Minitrend festgehalten.
Bei den Republikanern zeichnete sich bald ab, dass von einem Zweikampf zwischen dem Spitzenreiter John McCain, Senator aus Arizona, und dem ehemaligen Gouverneur von Massachusetts, Mitt Romney, keine Rede mehr sein konnte. Klar wie erwartet gewann McCain in den wichtigen Staaten im Nordosten - in New York, New Jersey und Connecticut. Diese drei Staaten konnte er gleichsam vom früheren New Yorker Bürgermeister Rudy Giuliani als Geschenk entgegennehmen. Denn dort hätte der Hausherr Giuliani sicher gewonnen, wenn er nicht nach dem enttäuschend schwachen Abschneiden in Florida hätte aufgeben müssen, um sich hernach in die prominenten Unterstützer des 71 Jahre alten eigenwilligen Senators McCain einzureihen.
Der Bibelgürtel wählt Huckabee
Im Süden entwickelte sich dann für Romney ein Drama, mit dem er gewiss nicht gerechnet hatte: Mike Huckabee gewann im stark christlich geprägten Bibelgürtel einen Südstaat nach dem anderen. Er entschied naturgemäß seinen Heimatstaat Arkansas für sich, setzte sich aber auch in Alabama, Georgia und Tennessee deutlich gegen Romney durch, der sich gerade aus jener Region eine Stärkung seiner Position gegen McCain erhofft hatte.
Als gutes Omen für Huckabee und böses für Romney erwies sich schon der Ausgang der ersten entschiedenen Vorwahl vom Dienstag in West Virginia: Dort hatte McCain, der ihm ersten Durchgang des Caucus auf den dritten Rang hinter Romney und Huckabee gekommen war, seine Anhänger dazu aufgefordert, in der Stichwahl für Huckabee zu stimmen, der Romney denn doch noch überrunden konnte.
Die Siege in seinem Heimatstaat Massachusetts, im Mormonenstaat Utah sowie in Colorado, North Dakota, Montana und Minnesota waren für Romney nicht genug, weil ein starkes Abschneiden im Süden fehlte, um die Rede vom Zweikampf mit McCain zu rechtfertigen. Die Regionen und die Religionen hielten jeweils zu ihren Kandidaten: die evangelikalen Christen im Süden zum einstigen Baptistenprediger Huckabee, die Mormonen im Westen zu ihrem Glaubensbruder Romney.
Obama stemmt sich Clinton entgegen
Der Kampf sollte dann aber in Kalifornien entschieden werden, wo sich bald eine Tendenz zugunsten McCains abzeichnete, der schließlich den Golden State an der Westküste für sich entschied und sich zudem im Süden überraschend achtbar schlug. Da bei den Republikanern in etwa der Hälfte der Staaten - nicht jedoch in Kalifornien - die Regel Winner Takes All gilt, wonach dem Wahlsieger nach dem Mehrheitswahlrecht alle in dem Staat zu vergebenden Delegiertenstimmen zufallen, neigte sich die Waagschale rasch zugunsten McCains. Romney sah den Abstand zu McCain wachsen und seinen Vorsprung auf Huckabee dahinschmelzen.
Bei den Demokraten zeigten sowohl Hillary Clinton wie auch Barack Obama ihre regionalen Stärken. Und sie zeigten, auf welche Wählerschichten sie sich verlassen konnten. Clinton gewann in ihrem Heimatstaat New York rund 60 Prozent der Stimmen. Mit einem Anteil von 37 Prozent sammelte aber auch Obama in diesem bevölkerungsreichen Staat wichtige Delegiertenstimmen, denn bei den Demokraten wurden in allen Staaten die Delegiertenstimmen nach dem Verhältniswahlrecht anteilmäßig vergeben.
Die Siege Clintons in den benachbarten Ostküsten-Staaten New Jersey und Massachusetts - obwohl dort die beiden Senatoren Ted Kennedy und John Kerry sowie der Gouverneur Deval Patrick Obama unterstützt hatten -, dazu in Oklahoma, Tennessee und Arkansas im Süden ließen zunächst einen Erdrutsch für die ehemalige First Lady erwarten. Doch dem stemmte sich Obama mit Triumphen in seinem Heimatstaat Illinois, dazu in Delaware und Connecticut an der Ostküste, in den Südstaaten Alabama, Georgia und Kansas, dazu im Westen in Colorado, Idaho, Minnesota, North Dakota und Utah entgegen.
Nach der Wahl ist vor der Wahl
Obamas Stimmenanteil bei den Schwarzen war überragend, bei jungen und auch älteren Weißen war er sehr gut. Dabei profitierte Obama deutlich mehr vom Ausstieg des populistischen Senators John Edwards aus dem Rennen. Hillary Clinton hielt bei älteren Wählern, zumal Frauen, und bei den Stimmen der Latinos dagegen. Die deutliche Spaltung zwischen den Generationen und den Volksgruppen verfestigte sich, so dass es am Ende auf Kalifornien ankommen sollte, wo sich Clinton schließlich doch deutlich gegen Obama durchsetzen konnte.
Der behielt dafür in der Mehrzahl der zur Entscheidung stehenden Staaten die Oberhand. Doch anders als bei den Republikanern, wo sich der Spitzenreiter McCain im Laufe der Nacht allmählich von seinen Verfolgern Romney und Huckabee absetzen konnte, blieb das Rennen zwischen Clinton und Obama offen. Die beiden bereiteten sich schon in der Wahlnacht innerlich auf die nächsten Vorwahlen vor.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: REUTERS