Vorwahlen in Amerika

In Texas nur Sieger und keine Verlierer

Von Katja Gelinsky, Washington

Es kann noch eine ganze Weile dauern, bis das endgültige Ergebnis der „caucuses” feststeht

Es kann noch eine ganze Weile dauern, bis das endgültige Ergebnis der „caucuses” feststeht

06. März 2008 Das Duell zwischen Hillary Clinton und Barack Obama um die Nominierung für die Präsidentschaftswahl wird dadurch verschärft, dass beide demokratischen Bewerber am Dienstag im hart umkämpften Bundesstaat Texas Siege errungen haben. Hillary Clinton siegte bei den Vorwahlen. Bei den „caucuses“, die in Texas zusätzlich zu den „primaries“ stattfanden, siegte indes nach ersten Auszählungen Obama. Wird sein Vorsprung bei den „caucuses“ durch das endgültige Ergebnis bestätigt, erhält der Senator in Texas insgesamt mehr Delegiertenstimmen als Hillary Clinton.

Damit würde der Vorsprung untermauert, den Obama bei der Gesamtzählung der Delegiertenstimmen hat. Der Senator kommt auf 1567 Stimmen im Vergleich zu 1462 für Frau Clinton. Da Obama in Texas wahrscheinlich mehr Delegiertenstimmen gewinnen konnte, verliert außerdem Clintons Argument an Überzeugungskraft, ihr Gegner habe keinen der bevölkerungsreichen „Schlachtfeldstaaten“ für sich entscheiden können, in denen sich der Ausgang der Präsidentschaftswahlen im November entscheiden wird.

In Texas existiert ein kompliziertes Hybridsystem

Gewöhnlich ist es so, dass Staaten entweder Wahlgänge mit Urnen und Stimmzetteln (“primaries“) oder basisdemokratische Wahlversammlungen (“caucuses“) abhalten. In Texas existiert jedoch ein kompliziertes Hybridsystem, um die Vorteile beider Verfahren zu nutzen. Wie das gespaltene Vorwahlergebnis bei den Demokraten zeigt, hat das System allerdings seine Tücken.

Dass Hillary Clinton am Dienstag in Texas als Siegerin gefeiert wurde, liegt daran, dass die Ergebnisse der Vorwahlen früher bekannt waren und dass es dabei fast doppelt so viele Delegiertenstimmen wie bei den „caucuses“ zu gewinnen gab, die erst nach Schließung der Wahllokale am Dienstagabend um 19.15 Uhr texanischer Zeit begannen. Bei den „primaries“ siegte die New Yorker Senatorin mit 51 Prozent der Stimmen, während der Senator aus Illinois auf 47 Prozent der Stimmen kam. Von den insgesamt 126 Delegiertenstimmen, die es bei den Vorwahlen zu gewinnen gab, entfielen 65 auf Clinton und 61 auf Obama. Dieser Vorsprung Clintons wurde dann jedoch durch die Gewinne Obamas bei den „caucuses“ zunichte gemacht.

Endgültiges Ergebnis der „caucuses“ steht noch nicht fest

Nach den ersten Auszählungen sieht es so aus, als könne der Senator von den 67 Delegiertenstimmen, die bei den basisdemokratischen Wahlversammlungen vergeben werden, 37 verbuchen, im Vergleich zu 30 für Frau Clinton. Rechnet man die Ergebnisse der texanischen „primaries“ und „caucuses“ zusammen, so hat Obama dort 98 Delegiertenstimmen gewonnen, drei mehr als Frau Clinton. Doch kann es noch eine ganze Weile dauern, bis das endgültige Ergebnis der „caucuses“ feststeht. Ein Sprecher der Demokratischen Partei in Texas sagte, womöglich werde man erst am 29. März Klarheit haben, wenn das Verfahren zur Entsendung von Delegierten zum Nominierungsparteitag mit Parteiversammlungen auf Bezirksebene fortgesetzt werde.

Diese Unsicherheit hängt mit der Mehrstufigkeit des „caucus“-Verfahrens und der relativ großen Freiheit der „caucus“-Delegierten zusammen. Welcher Präsidentschaftsbewerber letztlich die meisten Stimmen der 67 „caucus“-Delegierten erhält, hängt unter anderem davon ab, ob die Delegierten, die Obama und Clinton am Dienstag bei den Wahlversammlungen gewannen, tatsächlich bei den Parteiversammlungen am 29. März erscheinen. Dort werden die Delegierten für die Parteiversammlung Anfang Juni in Austin bestimmt, bei der dann endgültig festgelegt wird, welche texanischen Delegierten der Demokratischen Partei zum Nominierungsparteitag in Denver Ende August reisen werden.

Clinton will sich rechtliche Schritte offenhalten

Auch die texanischen Republikaner entscheiden in einer Mischung aus „caucuses“ und „primaries“ über die Präsidentschaftsbewerber. Aber ihr Verfahren ist weniger kompliziert und hatte für das laufende Rennen weniger praktische Bedeutung, da McCain ohnehin als Kandidat der Republikaner feststeht. Bei den Demokraten kam es bei den „caucuses“ zum Teil zu chaotischen Szenen, da weit mehr Bürger daran teilnehmen wollten, als die Veranstalter gedacht hatten. In früheren Vorwahlkämpfen waren lediglich Dutzende von Texanern zu den Wahlversammlungen erschienen. Aber damals hatte Texas auch kaum eine Rolle im Vorwahlkampf gespielt. Dieses Mal erschienen Hunderte oder sogar Tausende zu den „caucuses“ der Demokraten, so dass überforderte Wahlhelfer nicht wussten, wo sie die Menschenmengen unterbringen sollten.

Im Wahlkampfbüro von Hillary Clinton klingelte angeblich unablässig das Telefon, weil sich Bürger über die Verletzung ihrer Wahlrechte bei den Wahlversammlungen beschwerten. Ein juristisches Nachspiel, in dem Clinton die Gültigkeit von Obamas wahrscheinlichem Sieg bei den „caucuses“ anficht, ist nicht ausgeschlossen. Die Berichte über den Verlauf der Wahlversammlungen seien derart verstörend, dass man sich juristische Schritte offenhalte, sagen Clintons Rechtsanwälte.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa

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