Von Ben Steverman
18. März 2008 Viele Jahre lang sah es so aus, als wären amerikanische Aktien auf der Kriechspur unterwegs, während ihre internationalen Pendants angetrieben durch boomende Volkswirtschaften mühelos vorbeizogen. Trotz eines globalen Baissemarktes für Aktien mehren sich nun jedoch Anzeichen, dass amerikanische Aktien Anschluss finden - insofern, als ihre Kursverluste mit jenen internationaler Aktien gleichziehen.
Im bisherigen Jahresverlauf 2008 haben amerikanische Aktien gegenüber Indizes ausländischer Papiere sogar leicht die Nase vorn. Der S&P-500 als marktbreiter Aktienindex amerikanischer Standardwerte verbuchte bis zum 13. März ein Minus von 10,4 Prozent, während der MSCI EAFE als führender Index für internationale Aktien entwickelter Länder ohne die Vereinigten Staaten und Kanada 10,5 Prozent einbüßte und der Schwellenländerindex MSCI Emerging Market 11,7 Prozent an Wert verlor.
In den zurückliegenden Jahren haben wir eine starke Outperformance internationaler Aktien gesehen, sagt Alec Young, Aktienstratege bei Standard & Poor's. Da ist es schon erstaunlich, dass sie in diesem Jahr Kopf an Kopf liegen.
Die Kursentwicklungen amerikanischer Aktien fallen noch besser aus, wenn man die Auswirkungen des sinkenden Dollars berücksichtigt. Im Ausland investierende Amerikaner haben bislang profitiert, da in Auslandswährung gehandelte Investments gegenüber dem Dollar an Wert zulegten. Währungsbereinigt beträgt der Rückgang des MSCI EAFE in Landeswährung 16,1 Prozent und jener des MSCI Emerging Market Index 12,2 Prozent.
Probleme scheren sich nicht um Ländergrenzen
Diese Outperformance amerikanischer Aktien ist vor dem Hintergrund der gegenwärtigen wirtschaftlichen Realität der Vereinigten Staaten durchaus beachtlich. Die Kreditkrise begann auf dem dortigen Hypothekenmarkt und wurde durch die Abschwächung auf dem Häusermarkt und Probleme mit Subprime-Hypotheken ausgelöst. Während die Vereinigten Staaten mit einer konjunkturellen Abkühlung (und vielleicht mit einer Rezession) zu kämpfen haben, glänzen Volkswirtschaften in der übrigen Welt mit nach wie vor robustem Wachstum.
Der weltweite Rückgang der Aktienkurse beweist erneut, wie leicht sich Finanzturbulenzen heutzutage über Ländergrenzen hinweg ausbreiten können. Man kann der amerikanischen Rezession [und] Kreditmarktproblemen nicht entgehen, indem man internationale Aktien kauft, sagt Young.
Die globale Ausrichtung eines Unternehmens hat nur wenig mit dem Standort seines Hauptsitzes zu tun. Morningstar-Chefanalyst Pat Dorsey verweist darauf, dass etwa Siemens und 3M über eine ähnliche Zusammensetzung in- und ausländischer Erlösbeiträge verfügen, obwohl sich die Hauptverwaltung des einen Unternehmens in München und jene des anderen in St. Paul (Minnesota) befindet.
Konsumabschwächung in den Vereinigten Staaten
Die Kreditkrise ist ebenfalls ein weltweites Phänomen. Am Anfang standen zwar Amerikaner, die ihren Hypothekenzahlungen nicht mehr nachkommen konnten, mittlerweile traf es jedoch auch asiatische Banken, europäische Hedge-Fonds und amerikanische Investmenthäuser wie Bear Stearns.
Wenn die Vereinigten Staaten niesen, dann bekommt der Rest der Welt einen Schnupfen, lautet ein weitverbreitetes Investment-Klischee. Geht also eine Rezession in Amerika automatisch mit einer globalen Abschwächung einher? Der amerikanische Verbraucher kaufte jahrelang einen Großteil der im Ausland hergestellten Produkte, sagt Gary Anderson, Fondsmanager beim UMB Scout International Fund. Wenn sich amerikanische Verbraucher infolge steigender Benzinpreise, rückläufiger Immobilienwerte und einer schwierigeren Arbeitsmarktlage in Konsumzurückhaltung üben, dann könnte hierunter auch der Rest der Welt leiden.
Anderson und andere Marktbeobachter sehen diesmal allerdings Grund für Optimismus. Die Vereinigten Staaten holen sich vielleicht eine Erkältung, während der Rest der Welt mit einem leichten Schnupfen davonkommen könnte, so Anderson.
Schwellenländer auf stärkerem Fundament
Das Wachstum in boomenden Schwellenländern wird sich vielleicht abschwächen, aber nicht schrumpfen. In aufstrebenden Volkswirtschaften wie China und Indien entstehen eigene Verbraucherschichten, während sich die Währung und die Finanzsituation dieser Länder in deutlich stärkerer Verfassung zeigen als in früheren konjunkturellen Schwächephasen, weshalb sie einer globalen Finanzkrise besser widerstehen können. Die Schwellenländer stehen heute auf einem stärkeren Fundament, konstatiert Dorsey.
Zu den zwei Stärken aufstrebender Volkswirtschaften zählen steigende Rohstoffpreise und Investitionen in Infrastruktur wie Straßen, Brücken und Stromnetze. Bislang deutet sich keine Verlangsamung dieser Entwicklung an. Als Beispiel nennt Anderson Brasilien, das aufgrund umfangreicher landwirtschaftlich nutzbarer Flächen vom enormen Preisanstieg bei Agrarrohstoffen wie Weizen, Kaffee und Sojabohnen profitiert. Dorsey zufolge verzeichnen Unternehmen bislang keinen Rückgang der globalen Nachfrage nach der für den weltweiten Infrastrukturausbau benötigten Ausrüstung.
Wo also sollen Anleger ihre verfügbaren Gelder investieren? In amerikanische Aktien, in Schwellenmärkte wie Brasilien, China und Asien, oder in entwickelte internationale Märkte wie Europa und Japan?
Proaktive Entscheidungsträger in den Vereinigten Staaten
Zum ersten Mal seit langem wetten Marktbeobachter auf die Vereinigten Staaten. Anderson verfolgt in den kommenden sechs bis neun Monaten zwar eine defensive Strategie, sagt jedoch: Wenn wir hier nicht in eine tiefe Rezession abrutschen, dann könnten die [amerikanischen] Märkte jene sein, die uns [aus dem globalen Baissemarkt] herausführen. Die amerikanische Wirtschaft könnte im späteren Jahresverlauf zur Erholung ansetzen, während der Rest der Welt schwächelt.
Robert Jukes, Aktienstratege bei Collins Stewart, ist der gleichen Meinung. Eine mögliche Outperformance der Vereinigten Staaten wäre der extrem proaktiven Vorgehensweise der dortigen politischen und geldpolitischen Entscheidungsträger zu verdanken, die mit der raschen Verabschiedung eines Konjunkturpakets und mit massiven Zinssenkungen gegensteuerten.
In Großbritannien, Kontinentaleuropa und Japan könnten ähnliche Abschwächungen bevorstehen. Nach Ansicht von Jukes gehen die dortigen Regierungen und Zentralbanken im Unterschied zu den Vereinigten Staaten bislang jedoch wesentlich zurückhaltender vor.
Möglicher Comeback des Dollars
Ein zentraler Punkt ist die zukünftige Entwicklung des amerikanischen Dollars. Der Greenback könnte weiter an Wert verlieren und so die Attraktivität ausländischer Aktien erhöhen. Nach Einschätzung von Dorsey ist ein weiterer Dollarrückgang jedoch keine ausgemachte Sache. Wenn sich abzeichnet, dass die Abschwächung von geringerer Intensität und kürzerer Dauer ist, dann wird der Dollar wieder an Stärke gewinnen, so Jukes.
Nach Ansicht von Young warten Aktienanleger weltweit gespannt auf Anzeichen einer Stabilisierung des Häusermarktes und der Wirtschaft der Vereinigten Staaten. Solange sich die Dinge nicht merklich verschlechtern, ist dies eine gute Gelegenheit zum Kauf, meint Young.
Wann auch immer die Erholung eintreten wird: Die Vereinigten Staaten könnten international ganz vorn dabei sein - zum ersten Mal seit langem.
Ben Steverman ist Reporter für den Business Week Investing Channel.
Text: BusinessWeek Online
Bildmaterial: FAZ.NET
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| STOXX 50 | 3.387,50 | +1,84 |
| Nikkei 225 | 13.312,93 | +0,97 |
| S&P 500 Zert. | 12,80 | +2,40 |
| Euro/Dollar | 1,57 | +0,08 |
| Bund Future | 110,11 | +0,03 |
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