Finanzagentur

Der Bund wirbt um Privatanleger

Von Stefan Ruhkamp, Düsseldorf

08. September 2007 Der Bund will sich vom kommenden Jahr an wieder verstärkt direkt bei Privatanlegern verschulden. Zu diesem Zweck würden neue Produkte geschaffen, die besser auf die Bedürfnisse der Sparer zugeschnitten seien, sagte Gerhard Schleif, Geschäftsführer der Finanzagentur, über die die Bundesrepublik jedes Jahr mehr als 200 Milliarden Euro an Schuldtiteln auf den Kapitalmärkten plaziert. In den kommenden vier bis fünf Jahren soll der Anteil der privaten Anleger bei der Aufnahme von Bundesschulden von derzeit rund 2 auf 5 Prozent wachsen. Dafür müsste die Agentur Titel im Wert von gut 10 Milliarden Euro an private Anleger verkaufen.

Um die privaten Gläubiger besser erreichen zu können, plant die Agentur unter anderem einen Sparplan und ein Produkt für die kurzfristige Geldanlage, das ähnliche Eigenschaften hat wie Tagesgeldkonten der privaten Banken. Genauere Angaben wollte Schleif nicht machen, weil das Finanzministerium dies noch nicht genehmigt habe. Über das tagesgeldähnliche Sparprodukt wird Geld in sehr kurzfristige Schuldtitel des Bundes investiert. Bei Fälligkeit werden die Mittel jeweils auf einen neu begebenen Titel übertragen, ohne dass der Anleger das veranlassen müsste.

Das Konzept mit den Privatanlegern ist nicht neu

Die Verzinsung werde sich jeweils am aktuellen Marktzins für kurzfristige Anlagen orientieren, erläuterte Schleif. Die Finanzagentur sei keine Bank und dürfe deshalb keine Tagesgeldkonten anbieten. Allerdings lässt sich aus der vagen Beschreibung, die Schleif vor Journalisten gab, schließen, dass Konkurrenz für private Anbieter von Tagesgeldkonten entsteht. Der angekündigte Sparplan wäre ein Konkurrenzprodukt für Anleihefonds, die ebenfalls in Form von Sparplänen - also mit kleinen monatlichen Einzahlungen von zum Beispiel 50 oder 100 Euro - angeboten werden.

Das Konzept, private Kleinanleger als Gläubiger zu gewinnen, ist nicht neu. In den neunziger Jahren hatten die Sparer schon einmal einen Anteil von 15 Prozent als Geldgeber des Bundes. Doch in den darauffolgenden Jahren sind die Zinsen stark gefallen und viele Sparer haben die Lust auf Bundesschatzbriefe und Bundesobligationen verloren. Seitdem die Anleihezinsen wieder höher liegen, ist auch das Interesse zurückgekehrt.

Missstände sollen beim neuen Produkt behoben sein

Absatzrenner ist traditionell der Bundesschatzbrief, der eine allmählich steigende feste Verzinsung bietet und zugleich das Recht, die Titel nach Ablauf eines Jahres ohne Kursrisiko zurückgeben zu dürfen. In den vergangenen Jahren ist aber auch der Verkauf von Finanzierungsschätzen mit einem und zwei Jahren Laufzeit stark gestiegen. Die Möglichkeit, regelmäßig kleine Summen in Bundesschatzbriefe anzulegen, gibt es schon jetzt. Doch das sei bisher für Privatanleger mit einiger Unbequemlichkeit verbunden, erläuterte Schleif.

So erhalte der Anleger zum Beispiel immer neue Serien von Bundesschatzbriefen. Das führe zu ärgerlich langen Standmitteilungen, weil über die Jahre Dutzende von verschiedenen Wertpapieren zusammenkämen. Derartige Missstände sollen mit dem neuen Produkt behoben werden. Auch in die Qualität der Dienstleistung will die Agentur investieren, die bereits 20 Telefonisten in einem Callcenter beschäftigt. So solle zum Beispiel sichergestellt werden, dass fällig werdendes Geld rascher zum Kunden zurückfließt. Heute könne das bis zu 5 Tage dauern.

Keine Gebühren der Agentur, aber auch nicht kostenlos

Unmittelbarer Kunde der Finanzagentur und damit Gläubiger der Bundesrepublik kann jeder werden. Derzeit sind es rund 450 000 Kunden, die Titel im Wert von 16 Milliarden Euro halten. Der Sparer eröffnet ein Schuldenkonto bei der Agentur, das dem bei privaten Banken üblichen Wertpapierdepot ähnelt. Die Verwahrung der Wertpapiere ist kostenlos, allerdings können auch nur Titel des Bundes gekauft werden. Das Verfahren ähnelt dem der Direktbanken; zum Beispiel identifiziert sich der Kunde per Post.

Die Agentur nimmt zwar keine Gebühren für Depot, Kauf und Verkauf, aber kostenlos ist auch diese Form der Geldanlage nicht. Die erforderlichen Mittel würden über eine im Vergleich zum Marktzins verringerte Rendite erwirtschaftet. Schließlich sei es die Aufgabe der Agentur, nachhaltig wirtschaftlich zu handeln und die Kosten der Verschuldung für den Bund zu reduzieren.

Sparplan und die Kurzfristanlage haben Vorrang

Für Privatanleger soll künftig auch eine Variante der inflationsgeschützten Anleihen begeben werden. Solche Titel sind bisher der institutionellen Kundschaft vorbehalten. Sie bieten eine niedrige feste Verzinsung. Dafür steigen Zins und Tilgung in dem Maß wie das Geld wegen der allgemeine Teuerung an Kaufkraft verliert. Maßstab ist bisher der europäische Inflationsindex. Bei einer Variante für Privatanleger sei zum Beispiel denkbar, dass der deutsche Inflationsindex zugrunde gelegt wird. Dieses Produkt werde sicher nicht mehr in der ersten Hälfte des kommenden Jahres auf den Markt kommen. Vorrang hätten Sparplan und die Kurzfristanlage für Privatanleger.

Noch für dieses Jahr ist dagegen mit einer neuen inflationsgeschützten Anleihe für institutionelle Anleger zu rechnen. Der Bund hat bereits eine im Jahr 2016 fällige Anleihe, die nach zwei Aufstockungen ein Volumen von 11 Milliarden Euro hat. Da nun eine andere Laufzeit besetzt werden soll, ist mit einer Laufzeit von 5 oder 30 Jahren zu rechnen. Zu erwarten sei ein für den Markt der Inflationsanleihen übliches Volumen, erläuterte Schleif. Üblich sei eine Größenordung von eher 3 als 5 Milliarden Euro.



Text: F.A.Z., 08.09.2007, Nr. 209 / Seite 19
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa

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STOXX 50 2.421,87 -7,86
Nikkei 225 8.276,43 -9,62
S&P 500 Zert. 8,83 -10,45
Euro/Dollar 1,34 +0,00
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Gold 847,40 +0,00
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