15. Mai 2008 Kaum eine Wertpapierform ist mit der Finanzkrise so eng verbunden wie Collateralized Debt Obligations, kurz CDOs. Diese Papiere sind durch einen Pool von Vermögensgegenständen besichert, bestehend aus Anleihen, Krediten oder Kreditversicherungen. Diese sind in Tranchen mit unterschiedlicher Bonität und damit unterschiedlichen Aufteilrisiken aufgeteilt und werden an Investoren wie Hedgefonds oder Pensionsfonds verkauft.
Aufgrund der Bündelung sind die Papiere sehr intransparent und dies führt zu einem geringen Handelsvolumen. Im Zuge der Finanzkrise brach dieser dann völlig zusammen, weil niemand den Wert der Papiere mit Sicherheit zu bestimmen wusste.
Es finden wieder Verkäufe statt
Mittlerweile scheint sich ein Comeback abzuzeichnen. Schon im April hatte die Deutsche Asset Management ein CDO von Brevan Howard Asset Management übernommen. Außerdem berät die Deutsche-Bank-Tochter Gläubiger von CDOs und anderen forderungsunterlegten Wertpapieren, berichtet Jörn Wasmund, Leiter CDOs Europa
und Asien bei Deutsche Asset Management.
Der Finanzinvestor Blackstone hat im April drei CDOs im Wert von 1,3 Milliarden Dollar verkauft. Babson Capital Management erwarb in diesem Monat ein 680 Millionen Dollar schweres CDO von der Hartford Financial Services Group, im Februar löste die Gesellschaft die WestLB-Tochter Brightwater Capital Management bei der Überwachung eines CDO ab.
Viele Verwalter stehen vor dem Ruin
Die Vermögensverwalter sind an den mehr als 2 Milliarden Dollar an jährlichen Gebühren interessiert, die die Verwaltung der CDOs einbringt. Die Jahresgebühren liegen zwischen 0,15 Prozent und 0,65 Prozent, sagt Wasmund. Wir sind absolut der Auffassung, dass der Markt ein Comeback erleben wird, erklärt Matthew Natcharian, Managing Director strukturierte Produkte bei Babson, einer Tochter von MassMutual Financial Group. Wir suchen aktiv nach Möglichkeiten.
Gefragt sind Unternehmen, die über genügend Ressourcen verfügen, um die Kreditkrise auszusitzen. Denn jedem fünften CDO- Manager drohen finanzielle Schwierigkeiten oder der Ruin, warnt die Rating-Agentur Fitch. Ein Manager muss mindestens drei CDOs von insgesamt 600 Millionen Dollar verwalten, um schwarze Zahlen zu schreiben, schätzt Fitch.
Zahlreiche Banken haben sich die Finger an den Subprime-CDOs verbrannt. So trugen bei der Schweizer UBS CDOs zu den Verlusten von 18,7 Milliarden Dollar, die die Bank im Zusammenhang mit der Subprimekrise verbucht hat, rund 50 Prozent bei. Dabei
handelte es sich bei den 50 Milliarden Dollar an Subprime-CDOs in den Büchern der UBS um sogenannte Super-Senior-Tranchen, die bei Verlusten als letzte Tranche betroffen sind. Insgesamt haben Banken im Zuge der Subprimekrise 323 Milliarden Dollar abgeschrieben oder als Verlust verbucht.
Hypotheken immer noch unbeliebt
Entsprechend ist der Markt für neue hypothekenbasierte CDOs seit der Subprimekrise im vergangenen Jahr praktisch tot. Neue Verkäufe gibt es bisher nur im Untersegment der CLOs (Collateralized Loan Obligations), die mit Krediten aus Übernahmen unterlegt sind.
Natcharian rechnet allerdings damit, dass die Investoren die CLOs wesentlich kritischer beurteilen werden als früher die hypothekenbasierten CDOs.
Seit Jahresanfang sind CDOs im Volumen von 23,3 Milliarden Dollar auf den Markt gekommen, ein Bruchteil der 207 Milliarden Dollar im Vergleichszeitraum des Vorjahres, zeigen Daten von Morgan Stanley. Immerhin sammelte Avoca Capital vergangene Woche für
ein mit Buyoutkrediten unterlegtes CDO rund 300 Millionen Euro bei Investoren ein. Die Private-Equity-Gesellschaft Carlyle Group verkauft ein auf Krediten basierendes CDO für 500 Millionen Dollar.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: Bloomberg
Bildmaterial: ddp
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