17. Januar 2007 Trotz des Renditeanstiegs der Staatsanleihen auf nun 4 Prozent sind viele Zinsanleger bei der Neuanlage immer noch auf der Suche nach einem Extraertrag. Die Möglichkeiten mit normalen Unternehmensanleihen sind wegen der geringen Risikoprämien begrenzt. Deshalb gewinnen Hybridanleihen allmählich an Bedeutung.
Die Schuldtitel werden verzinst, haben aber zugleich Elemente einer Aktie. Die im Vergleich zu normalen Anleihen höheren Risiken - im Insolvenzfall kommen erst alle anderen Gläubiger zum Zuge - werden mit höheren Zinsen bezahlt. Je nach Emittent sind sie bei Hybridanleihen im Vergleich zu Bundesanleihen um 1 bis zu 4 Prozentpunkte höher. So sind zum Beispiel die Hybridtitel von TUI mit einem Kupon von 8,65 Prozent ausgestattet. Herkömmliche TUI-Anleihen kommen - sofern alles gutgeht - nur auf einen erwarteten jährlichen Ertrag von gut 6 Prozent.
Wienerberger ist der jüngste Kandidat
Die Plazierung von Nachrangkapital auf dem Anleihemarkt ist eine Domäne der Banken, die über Genussscheine und neuerdings vor allem über sogenannte Tier-1-Anleihen ihre Ausstattung mit Eigenkapital steuern. Auf diesem Weg lässt sich die Emission von neuen Aktien vermeiden. Inzwischen emittieren aber auch Versicherer verstärkt Nachrangkapital, darunter auch Generali und Allianz, und seit etwa zwei Jahren bedienen sich auch Industrieunternehmen mit Hybridemissionen, so dass eine rasch wachsende Nische entstanden ist.
Es gibt bereits Industrie-Titel im Wert von mehr als 15 Milliarden Euro. Jüngster Kandidat ist der österreichische Ziegelhersteller Wienerberger. Auch EADS und Eon haben ihr Interesse angemeldet. Für die Emittenten haben die Hybridanleihen den Vorteil, dass sie zu 50 bis 75 Prozent als Eigenkapital angerechnet werden; zugleich sind die Zinsen - im Unterschied zu Dividenden - bei der Steuerbemessung der Unternehmen abzugsfähig.
Risiken nicht aus dem Blick verlieren
Für die Anleger sind vor allem die höheren Zinsen attraktiv. Doch sie sollten die Risiken nicht aus dem Blick verlieren, warnt Rolf Schäffer, Analyst der Landesbank Baden-Württemberg. Meist haben die Titel eine Laufzeit von mindestens zehn Jahren. Dann können sie vom Emittenten gekündigt und zum Nennwert getilgt werden.
Die Unternehmen müssen das aber nicht tun. Sie können die Anleihen ebenso gut weiterlaufen lassen, häufig ohne feste zeitliche Begrenzung. Dann wandelt sich die anfänglich feste jährliche Verzinsung in eine variable. Referenz ist meist der Euribor, ein Zins, den sich Banken untereinander für die kurzfristige Geldleihe berechnen. Er liegt derzeit bei etwa 3,7 Prozent, kann aber wie zuletzt weiter steigen oder fallen, je nachdem, wie die Europäische Zentralbank ihre Leitzinsen festsetzt. Zusätzlich zum Euribor versprechen die Unternehmen einen häufig attraktiven Zinsaufschlag, der zwischen 2 und 7 Prozent betragen kann.
Große Unterschiede bei der Ausgestaltung
Ob die Zinsen wirklich fließen, ist allerdings alles andere als sicher. Die Zinsen können gestrichen werden, wenn sich das Unternehmen schlecht entwickelt und auch keine Dividenden an die Aktionäre überweist. Wie hoch die Risiken sind, hängt von der Bonität der Unternehmen ab, aber auch von der Ausgestaltung der Hybridanleihen, erläutert Schäffer.
Bei den TUI-Titeln müssen gestrichene Zinsen nachgeholt werden, wenn das Unternehmen wieder Dividenden zahlt. Bei der Hybridanleihe von Thomson ist das dagegen nicht der Fall. Im Falle einer Sanierung können also die Erträge von einigen Jahren verlorengehen. Dafür verpflichten sich die Franzosen in ihren Anleihebedingungen zur Tilgung, falls die Gesellschaft unter die Kontrolle eines neuen Eigentümers geraten sollte (change of control). Das ist besonders wichtig für den Fall einer kreditfinanzierten Übernahme.
Hybridanleihen gelten als Finanzinnovationen
Wegen dieser Details ist es auch für Privatanleger ratsam, zumindest die wichtigsten zusammenfassenden Seiten der Prospekte zu lesen. Im Internet lassen sie sich meist auf den Seiten der Emittenten oder denen der Wertpapierbörsen finden. Das junge Segment hat im vergangenen Jahr eine durchwachsene Wertentwicklung verzeichnet. Im ersten Halbjahr fielen die Kurse zum Teil um mehr als 10 Prozent. Danach holten die Hybridanleihen parallel zum Aufschwung der Aktien ihre Verluste aber wieder auf und schnitten um rund 2 Prozent besser ab als der Markt für Staatsanleihen. Die Kurse der meisten Hybridtitel der Industrieunternehmen liegen wieder auf dem Niveau, zu dem sie emittiert worden waren.
Für Privatanleger ist auch die Besteuerung der Hybridanleihen wichtig. Sie gelten als Finanzinnovationen. Das hat zur Folge, dass nicht nur die Zinserträge steuerpflichtig sind, sagt Hartmut Preiss, Analyst der DZ Bank. Anders als bei normalen Anleihen gelten auch Kursgewinne als steuerpflichtiges Einkommen, egal wie lange die Hybrid-Titel gehalten wurden. Umgekehrt dürfen - anders als bei Aktien und normalen Anleihen - etwaige Kursverluste verrechnet werden, auch mit anderen Einkommensarten wie zum Beispiel dem Angestelltenlohn.
Text: ruh., F.A.Z., 18.01.2007, Nr. 15 / Seite 17
Bildmaterial: F.A.Z., FAZ.NET
| Name | Kurs | in % |
| DAX | 5.874,57 | +0,74% |
| TecDAX | 818,73 | +0,42% |
| MDAX | 7.450,60 | +0,77% |
| SDAX | 3.554,73 | −0,02% |
| REX | 378,74 | +0,12% |
| Eurostoxx 50 | 2.891,07 | +0,69% |
| Dow Jones | 10.328,90 | +0,20% |
| Nasdaq 100 | 1.807,36 | +1,64% |
| S&P500 | 1.102,47 | +0,58% |
| Nikkei225 | 10.183,50 | +0,41% |
| EUR/USD | 1,4293 | −0,15% |
| Rohöl Brent Crude | 73,90 $ | +0,05% |
| Gold | 1.104,50 $ | −1,12% |
| Bund Future | 123,25 € | −0,15% |
| Gesamt- Index |
Durchschnitt 90 Tage |
Durchschnitt 200 Tage |
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Aktien-Index18.12.2009 13:00 |
1384,62 | 1346,64 | 1292,33 |
Performance-Index18.12.2009 17:35 |
304,19 | 297,54 | 282,83 |
Euro-Aktien-Index18.12.2009 17:35 |
141,85 | 140,95 | 129,84 |
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