Staatsanleihen

Exportschwäche setzt philippinischen Anleihen zu

Präsidentin Arroyos Fiskalpolitik stützt den Rentenmarkt

Präsidentin Arroyos Fiskalpolitik stützt den Rentenmarkt

14. November 2006 Schwellenländeranleihen erfreuten sich in den vergangenen Monaten erneut großer Beliebtheit. Ob Brasilien, Uruguay, Jamaika - die Staatspapiere verzeichneten hohe Kursgewinne. Mit dabei sind auch die Anleihen der Philippinen, die einen der stabilsten Aufwärtstrends aufweisen.

Seit Juli ist die 2016 fällige und mit 6,25 Prozent verzinste Euro-Anleihe um nicht weniger als acht Prozent geklettert. Noch besser haben sich die Dollar-Anleihen entwickelt. Das 2015 fällige und mit 8,875 Prozent verzinste Papier stieg um neun Prozent, der 2019 fällige und mit 9,875 Prozent verzinste Bond um zwölf Prozent und der 2030 fällige Langläufer mit einem Kupon von 9,5 Prozent um 16 Prozent.

Starkes Wachstum von Handel und Wirtschaft

Diese beeindruckende Wertentwicklung dürfte zwar in erster Linie auf den Renditehunger der Investoren zurückgehen, die sich in den vergangenen Jahren immer mehr bereit zeigten, aufgrund verdrängter und vergessener Ausfallrisiken für höhere Kupons auch höhere Risiken in Kauf zu nehmen.

Indes zeigen sich einige der Schwellenländer derzeit auf deutlichem Liberalisierungs- und Stabilisierungskurs, der sich auch in solidem Wachstum und verbesserten Finanzkennziffern widerspiegelt. Doch auch dieses Wachstum hängt nicht zuletzt an der Konjunktur der Industrieländer.

Das ist auch auf den Philippinen der Fall. Die Wirtschaft des Inselstaates soll im laufenden Jahr um 5,5 Prozent nach fünf Prozent im vergangenen Jahr wachsen. Im Zuge dessen soll auch das Handelsvolumen stärker zulegen als bisher angenommen.

Werkbank für Computerteile und Elektronik

2007 sollen die Exporte um 10,4 Prozent wachsen statt wie bisher angenommen um zehn Prozent, während die Importe um zwölf Prozent statt wie bislang prognostiziert um 11,7 Prozent zunehmen dürften. Damit soll sich das Handelsbilanzdefizit nicht ganz so stark ausweiten wie ursprünglich vorhergesagt. 2008 sollen die Importe um 13,9 und die Exporte um zwölf Prozent wachsen.

Das chronische Defizit resultiert zum einen aus dem erhöhten Importbedarf an Rohstoffen aufgrund der steigenden Exporte, die 80 Prozent zum Wirtschaftswachstum beitragen. Rund zwei Drittel der Exporte bestehen aus Computerteilen, Festplatten und anderen Elektronikprodukten, die für Texas Instruments oder Toshiba hergestellt werden. Zum anderen treibt eine dynamische Binnenkonjunktur das Importwachstum.

Auf der Ausfuhrseite dämpft die anhaltende Aufwertung des Peso die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der Exporte. Die Peso-Aufwertung ist wiederum ein Resultat einer positiven Leistungsbilanz. Deren Plus ist zum größten Teil dem hohen Überschuß in der Übertragungsbilanz zu verdanken, die von den transferierten Ersparnissen der Auslands-Filipinos herrührt.

Haushaltsentschuldung treibt Rentenmarkt

Diese beliefen sich 2005 auf knapp elf Milliarden Dollar und in den ersten acht Monaten des laufenden Jahres auf 8,1 Milliarden Dollar. Sie sind eine wichtige Stütze der Wirtschaft - und auch des einheimischen Bonds-Markts, auf dem ein Großteil der Gelder auf der Suche nach hohen Renditen angelegt wird. Das wiederum erleichtert auch die Finanzierung der Verschuldung der öffentlichen Hand, die bei rund 90 Prozent des Bruttoinlandsprodukts liegt.

Derzeit liegen die Renditen der Peso-Bonds auf einem Rekordtief. Die zehnjährige Anleihe, die mit 9,125 Prozent verzinst wird, rentiert derzeit bei 6,411 Prozent und nach Angaben der Finanznachrichtenagentur Bloomberg damit so niedrig wie seit Beginn der Datenerhebung im Oktober 1998 nicht.

Das Vertrauen in den Rentenmarkt wird im allgemeinen vom Vertrauen in die Fiskalpolitik der Präsidentin Gloria Arroyo getragen, der es gelang, gegen zahlreiche Widerstände im vergangenen Jahr Steuererhöhungen durchzusetzen, die in diesem Jahr wirksam geworden sind. Die Neuverschuldung des Staates soll 2006 mit 390,7 Milliarden Peso (6,1 Milliarden Euro) nach Aussagen des Finanzministeriums um 27 Prozent niedriger ausfallen als im Vorjahr. Das könnte das Rentenangebot verknappen und die Nominalzinsen senken, zumal sich auch die Inflation im Rückwärtsgang befindet.

Rückkauf von Brady-Bonds geplant

Das Neun-Monats-Defizit fiel gegenüber dem Vorjahr um rund die Hälfte auf 50,4 Milliarden Peso (787 Millionen Euro), ein Resultat weniger der Steuererhöhungen als von Sparmaßnahmen. Im kommenden Jahr soll das Defizit auf 63 von 125 Milliarden Peso fallen, 2008 zur Gänze beseitigt sein. Die günstige Situation auf dem Rentenmarkt will das Land auch dazu nutzen, 165,3 Millionen oder 57 Prozent der sogenannten Brady-Bonds zurückzukaufen. Bereits im Juni hatte das Land 410 Millionen Dollar zurückgekauft.

Alles in allem scheinen die Vorzeichen für die Philippinen günstig zu sein. Andererseits hängt Wohl und Wehe des Landes eben zum Großteil an der Konjunktur der Industrieländer. Und die zeigt in den vergangenen Tagen und Wochen doch erhebliche Schwächezeichen. Sollten sich diese verstärken, dürfte das in den kommenden Jahren auch auf das Wachstum der Philippinen zurückschlagen.

Wie das aussehen kann, zeigte sich schon in der vergangen Woche, als ein überraschend stärkeres Nachlassen des Exportwachstums im September vermeldet wurde, was auf eine nachlassende Nachfrage nach Elektronikprodukten in den Vereinigten Staaten und Japan zurückgeführt wird.

Einbruch des Exportwachstums im September ein böses Omen?

Die Exporte stiegen im September nur noch um 13,2 Prozent nach 21,4 Prozent im August. Erwartet worden waren aber 19,7 Prozent. Und so sind auch nicht alle überzeugt, daß das Exportwachstum im kommenden Jahr die prognostizierten Werte erreichen wird. „Die Philippinen werden im kommenden Jahr fühlen, daß der Konsum auf ihren Exportmärkten nachläßt“, sagt Luz Lorenzo, Volkswirt bei ATR-Kim Eng Capital Partners. Er rechnet mit nicht mehr als zehn Prozent Wachstum.

Insbesondere eine Schwäche der Halbleiterindustrie wirkt sich aus. Das Exportwachstum in diesem Bereich fiel von 15 Prozent im August auf 6,5 Prozent im September. Während die Ausfuhren in die Vereinigten Staaten weiter stiegen, schrumpften die nach Japan im September um 1,6 Prozent, nachdem sie im August um 27 Prozent gestiegen waren.

Unter diesen Umständen vermag nicht so recht zu überraschen, daß der Kursanstieg der Bonds in der vergangenen Woche ebenso deutlich nachgelassen hat wie der Anstieg des PHS-Index der Börse in Manila, der seit Freitag um 1,6 Prozent nachgegeben hat.

Große Bedeutung kommt damit den Exportzahlen für Oktober zu, die Anfang des kommenden Monats veröffentlicht werden. Sollten diese weitere Schwächen zeigen, dürfte endgültig der Zeitpunkt für Gewinnmitnahmen gekommen sein.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @mho
Bildmaterial: FAZ.NET, picture-alliance/ dpa

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