Schwellenländer

Gute Nachrichten schieben Rumänien-Anleihen nicht weiter nach oben

14. März 2005 Binnen weniger Tage sind gleich zwei gute Nachrichten für rumänische Anleihen auf den Markt gekommen. Zum einen ist die Ratingagentur Standard&Poor´s ihren Konkurrenten Moody´s und Fitch gefolgt und hat die Kreditwürdigkeit des Landes hochgestuft. Diese bewertet sie nun mit BB+, das ist die beste Note unterhalb des begehrten Investment-Grad. Zwar bleibt Rumänien mithin noch auf „Ramsch“-Niveau, doch läßt der positive Ausblick auf eine weitere Hochstufung hoffen. Die Analysten der WGZ-Bank rechnen mit einem solchen Schritt durch S&P und Moody´s noch für dieses Jahr, wie sie in einer neuen Studie schreiben.

Die zweite gute Nachricht: Die rumänische Notenbank hat angesichts einer gedämpften Inflation am Sonntag ihren Leitzins gleich um 125 Basispunkte auf 14,50 Prozent gesenkt. Der Hintergrund: Der Verbraucherpreisindex stieg im Februar um 0,6 Prozent gegenüber dem Vormonat, während im Januar noch eine Steigerung um 0,8 Prozent verzeichnet worden war. Die Jahresteuerung betrug in beiden Monaten 8,9 Prozent. Rumänien will in der ersten Jahreshälfte Ausländern den Zugang zu Konten in der Landeswährung ermöglichen. Um den Zufluß von spekulativen Geldern zu begrenzen oder zu verhindern, muß die Notenbank nach Ansicht von Beobachtern die Leitzinsen senken.

Verunsicherung nach Wahlen

Ein solcher Schritt nützt gemeinhin den Kursen von Anleihen. Die rumänischen Euro-Anleihen reagieren allerdings kaum auf die jüngste gute Nachricht, nachdem sie schon von der Hochstufung durch S&P nicht nachhaltig hatten profitieren können. Die 2010 und 2012 fälligen Titel liegen sogar leicht im Minus. Die WGZ-Bank führt als möglichen Grund an, daß Marktteilnehmer angesichts des Wahlausgangs in Rumänien verunsichert sein könnten. Der liberal-konservative Traian Basescu hat überraschend die Präsidentschaftwahl gewonnen, während dessen Partei ebenso wie die sozialdemokratische PSD, die Partei des früheren Präsidenten Adrian Nastase, über genug Sitze für eine parlamentarische Mehrheit verfügt und deshalb mit bisherigen PSD-Partnern koalieren muß.

„Um den (für 2007 geplanten) EU-Beitritt nicht zu verzögern, ist es somit entscheidend, daß es zu einer unproblematischen Zusammenarbeit zwischen den Koalitionsparteien kommt.“ Denn es müßten weiter Subventionen in bestimmten Industrien gesenkt sowie die öffentliche Verwaltung und Justiz reformiert werden; zudem müsse der Staat gegen Korruption vorgehen und den Energiesektor privatisieren, führt die WGZ-Bank an. Als Pluspunkt verbucht sie aber die erklärte freundliche Haltung aller Parteien gegenüber der EU, die Rumänien schon im Herbst den Status einer „funktionierenden Marktwirtschaft“ zuerkannt hat.

Wachstum fast wie in China bei sinkender Inflation

Dabei kann das noch vor 15 Jahren fast stalinistisch geführte Land mit einer sehr schönen Entwicklung aufwarten. Das Bruttoinlandsprodukt ist 2004 um acht Prozent nach knapp fünf Prozent im Vorjahr gewachsen und hat mithin fast chinesisches und indisches Tempo vorgelegt. Zwar wird für dieses Jahr lediglich ein Plus von fünf bis sechs Prozent erwartet, aber auch diese Rate wäre beachtlich. Der Preisauftrieb, der zuletzt im Jahresvergleich von 14,1 Prozen auf neun Prozent gesunken ist, soll weiter zurückgehen; die WGZ-Bank rechnet mit einer Inflationsrate von sieben Prozent.

Zudem will Rumänien das Haushaltsdefizit von zuletzt 1,2 Prozent weiter zurückführen, auf 0,4 bis 0,5 Prozent. Um die Finanzkraft zu verbessern, sollen Kapitalertragssteuern von einem Prozent auf sechs Prozent angehoben werden. Nicht zuletzt ist vorgesehen, die Energiepreise und Verbrauchssteuern anzuheben. Der Internationale Währungsfonds votiert auch für höhere Mehrwertsteuern und gleichbleibende Renten. „Diese Maßnahmen stellen die größte Herausforderung dar“, meint die WGZ-Bank.

Wohin geht die Reise am Rentenmarkt?

Gleichwohl sind die Analysten unter dem Strich rumänischen Euro-Anleihen gegenüber positiv eingestellt. Sie empfehlen, die Titel zu halten. Das 2010 fällige Papier, das mit 5,75 Prozent verzinst ist und bei einem Kurs von 109,80 Prozent mit 3,65 Prozent rentiert, ist ihnen sogar einen Kauf wert. Begründung: Das Kursniveau ist niedriger als bei den 2008 und 2012 auslaufenden Anleihen des Landes und hat eine kürzere Laufzeit als letztgenannte - ein Umstand, der bei steigenden Renditen am Kapitalmarkt günstig ist, denn Zinstitel mit kürzerer Laufzeit leiden in der Regel weniger als Langläufer, wenn der Rentenmarkt unter Druck gerät.

Und dies ist derzeit der Fall. Auch deshalb dürften die rumänischen Anleihen nicht von den guten Nachrichten profitiert haben. Denn bei steigenden Renditen am Kapitalmarkt leiden Papiere mit „Ramsch“-Status in aller Regel mehr als Zinstitel mit Investment-Grad, weil diese eben besser bewertet sind und ein geringeres Risiko aufweisen. Vor diesem Hintergrund scheinen Anleger gut beraten zu sein, von einem Neueinstieg in rumänische Euro-Anleihen derzeit zumindest solange abzusehen, bis klar ist, wohin am Rentenmarkt die Reise geht. Und die Überrendite des 2010 fälligen Papiers von 0,6 Prozent gegenüber einer Bundesanleihe gleicher Laufzeit ist nicht die Welt.

Der Chart zeigt den Kursverlauf der 2010 fälligen Euro-Anleihe von Rumänien.
Der Chart zeigt den Kursverlauf der 2010 fälligen Euro-Anleihe von Rumänien.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @thwi

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