19. Februar 2008 Anleihen von deutschen Landesbanken waren in früheren Zeiten eine feine Sache, boten sie doch etwas mehr Zins als die der Bundesländer und damit auch des Bundes und waren sie doch andererseits über die Haftung der öffentlichen Haushalte abgesichert. Dann wurde die Gewährträgerhaftung abgeschafft, doch mit guten Ratings im AAA- bis ABereich schien man immer noch nicht so viel falsch machen zu können.
Mittlerweile stellt sich heraus, wie sehr dies offenbar ein Irrtum war. Den Anfang des Reigens der Katastrophen aus Inkompetenz und Selbstüberschätzung machte die West LB, die mittlerweile fast schon zur Skandalbude unter den Landesbanken verkommen ist.
Frühe Skandale in Düsseldorf und Leipzig
2003 bescherten riskante Geschäfte der West LB erstmals hohe Verluste und millionenschwere Abschreibungen. Vorstandschef Sengera und die Star-Investmentbankerin verließen das Unternehmen. Seinerzeit galten die anderen Landesbanken als von ihrer Risikostruktur deutlich besser aufgestellt.
Während die West LB auch später noch für negative Schlagzeilen sorgte, so führten im vergangenen Jahr führten Fehlspekulationen zu erneuten hohen Abschreibungen, gerieten auch die anderen Landesbanken in die Krise. Die Sachsen LB konnte nur in letzter Minute mithilfe des Freistaates Sachsen gerettet werden, nachdem sie über Zweckgesellschaften sich fast in den Bankrott spekuliert hatte.
Dabei war dies nicht der erste Sündenfall. 2005 gab ermittelte die Staatsanwaltschaft wegen möglicher uneidlicher Falschaussage und Urkundenfälschung und es gab die ersten Anhaltspunkte für die Unterlassung wichtiger Wertberichtigungen. Später mussten der Vorstandsvorsitzende Michael Weiss und der Kapitalmarkt-Vorstand Rainer Fuchs gehen. Der belastete Nachfolger Hans-Jürgen Klumpp hielt sich nicht lange.
Der frühere Ministerpräsident Biedenkopf bezeichnete die Bank gegenüber seinem Nachfolger Milbradt, damals als notleidend und gab Milbradt eine Mitschuld daran. Der Freistaat erhöhte schließlich seine Beteiligung und erkaufte damit ein A-Rating.
Bayern LB: Die Nächste, bitte
Zu diesem Zeitpunkt war der Skandal um die Landesbank Berlin schon fast Geschichte, der politisch bis heute noch nicht aufgearbeitet ist. Die rheinland-pfälzische Landesbank war zu diesem Zeitpunkt bereits unter dem Dach der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) verschwunden. Ihre Fehlspekulationen in der Subprime-Krise kamen 2007 im Konzernverbund ans Tageslicht.
Spätestens seit Dienstag ist die Geschichte der Landesbanken um einen weitere großen Fall reicher. Denn neben der WestLB steckt auch die Bayerische Landesbank tief im Strudel der Hypothekenkrise, musste sie doch milliardenschwere Belastungen einräumen
Die Bayern LB hatte die Belastungen durch die Hypothekenkrise in der vergangenen Woche auf 1,9 Milliarden Euro beziffert. Davon schmälern 600 Millionen Euro den Gewinn für 2007. Der Rest geht auf Kosten des Eigenkapitals. Lange hatte sich das Institut aber nicht als Opfer der Hypothekenkrise gesehen, obwohl sie 32 Milliarden Euro in strukturierte Wertpapiere investiert hat und überraschend mitteilte, riskante amerikanischen Supprime-Anleihen in Höhe von vier Milliarden Euro zu halten.
Der passende Zukauf
Mittlerweile ist der Vorstandvorsitzende Werner Schmidt zurückgetreten. Der 64jährige lege sein Amt zum 1. März nieder. Die Bank hatte stets betont, es gebe noch keine belastbaren Zahlen, über die Auswirkung der Finanzmarktkrise könne erst mit der Bilanz im April berichtet werden. Dies brachte die Landesregierung nunmehr in Rage.
Nun soll eine Fusion mit der LBBW helfen, die Finanzminister Erwin Huber im November aus Sorge um den Bankenplatz München verhindert hatte. Nach den Landtagswahlen im September könnte darüber neu beraten werden, heißt es in Zeitungsberichten. Diese wird auch von den Sparkassen befürwortet, die 50 Prozent an der Bayern LB halten und der Landesregierung angeboten haben, deren Anteile schrittweise aufzukaufen.
Eine Alternative wäre eine Kapitalerhöhung über 650 Millionen Euro, als Grundlage für eine neue Geschäftsstrategie. Damit könnte die Bayern LB zukaufen. Indes sollte sich das Institut dabei gut umsehen. Denn die österreichische Bank Hypo Alpe-Adria, an der die Landesbank 2007 für gut 1,6 Milliarden Euro eine Mehrheit erwarb, hat selbst mit Altlasten aus einem Finanzskandal zu kämpfen (Ein Rating allein sagt noch nicht alles). Einer Kapitalerhöhung wollen aber viele Sparkassen nicht mittragen. Über diese soll der Verwaltungsrat am 4. März beraten.
Politik stabilisiert
Unter solchen Vorzeichen sind natürlich auch die Ratings der Banken mit Fragezeichen zu versehen. Sie entsprechen wahrscheinlich nicht den aktuellen Geschäftszahlen. Indes zeigt das hohe Interesse der Politik an dem Erhalt der Banken in irgendeiner Form, dass diese derzeit politisch gut abgesichert sind.
Das dürfte auch der Grund sein, warum die Anleihenkurse recht stabil geblieben sind. So bringt die mit Aa3 bewertete und mit sechs Prozent verzinste, 2015 fällige Nachrang-Anleihe nur eine Rendite von 4,74 Prozent, während die gleich geratete Anleihe der Citigroup mit ähnlicher Laufzeit und einem Zins von 3,5 Prozent eine Rendite von 5,56 Prozent trägt.
Wie auch der Fall IKB belegt und wie von den meisten Beobachtern vermutet, zeigt sich auch hier, dass die Politik ihre schützende Hand besonders über die mit ihr verbundenen Banken zu halten und im Zweifelsfall die Kosten dem Steuerzahler anzulasten.
Sollte sich die BayernLB wie andere Landesbanken in eine existenzbedrohende Krise manövriert haben, wird die bayerische Landesregierung dieser offenbar beispringen. Selbst wenn es zur Rettung einer Fusion mit der LBBW bedarf, die in der jüngsten Zeit etwas von einem Königsweg zu haben scheint, den ja auch Nordrhein-Westfalen erfolglos zu beschreiten versucht hatte.
Belastungen auch andernorts
Denn Finanzminister Huber wird allemal eine Juniorpartnerschaft mit einem kleinen Finanzplatz München lieber sein als ein Ruin dessen Images oder gar des Finanzplatzes selbst.
Wenn also auch die Anleihen derzeit gewissermaßen garantiert erscheinen, so fragt man sich doch nach den Vorgängen unwillkürlich, ob nicht die drei übrig gebliebenen Landesbanken Helaba, LBBW und NordLB auch mehr Leichen im Keller haben als bislang bekannt.
Die LBBW hat einem Bericht des Handelsblatts zufolge rund 1,1 Milliarden Euro an Belastungen durch die Krise an den Finanzmärkten zu tragen. Die Eigentümer der NordLB liebäugeln angeblich bereits mit einer Trennung von der Landesbank, bestreiten aber eine mögliche Schieflage.
Aber auch hier gilt, dass die Politik ihre schützende Hand wohl auch über andere Landesbanken halten würde. Indes könnten die Anleihen Auslaufmodelle sein. Experten gehen mittlerweile davon aus, dass das Modell Landesbank möglicherweise schon bald der Vergangenheit angehören könnte.
Landesbanken am Ende?
Aus der Politik wurden zuletzt immer mehr Stimmen laut, die sich ein Ende der bisherigen Struktur mit den staatseigenen Banken vorstellen können. Denkbar ist es in diesem Zusammenhang auch, dass die Institute in größeren Einheiten aufgehen oder aber zerschlagen werden. Entsprechende Überlegungen seien vorhanden, hieß es aus Regierungskreisen.
Auch Finanzstaatssekretär Thomas Mirow merkte an, es gebe erheblichen Reform- und Neustrukturierungsbedarf. Diese Krise wird nicht ohne Folgen bleiben können für die Struktur der Landesbanken. Wir brauchen leistungsfähige Einrichtungen mit funktionierenden Geschäftsmodellen - bisher war das unzureichend.
Indes stellt sich natürlich die Frage, ob man sich gerade jetzt Anleihen einer Landesbank ins Depot legen sollte. Sie sind durchaus eine Alternative, wenn man hinlänglich sichere Renten sucht, da erstklassige Papiere mittlerweile recht teuer geworden sind. Das politische Restrisiko bleibt aber, so dass sich vorrangig kurze Laufzeiten empfehlen.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @mho
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