Anleihemarkt

Risiken bewirken Renditeaufschlag bei neuer Lettland-Anleihe

18. März 2008 Ende Februar ist Lettland am Anleihemarkt aktiv geworden und hat eine zehnjährige Euro-Staatsanleihe (Isin: XS0350977244) platziert. Konkret wurde ein Bond mit einem Volumen von 400 Millionen Euro und einer Laufzeit von zehn Jahren sowie einem Kupon von 5,5 Prozent aufgelegt. Das Papier wirft derzeit bei einem Kurs von 99,12 Prozent eine jährliche Rendite von 5,589 Prozent ab. Im Investmentgradbereich (die Kreditwürdigkeit wird von der Ratingagentur Standard & Poor´s mit der Note BBB+ eingestuft) ist das ein vergleichsweise hoher Wert.

Für Renditejäger ist das natürlich verlockend. Aber alles hat seinen Preis hat. Denn das kleine baltische Land weist in seinem volkswirtschaftlichen Datenkranz auch einige Schwachstellen auf. Dazu zählt eine stetig steigende Inflationsrate, die sich im Februar auf 16,7 Prozent belief und damit so hoch war wie in keinem anderen EU-Mitgliedsland. Hinzu kommt eine Auslandverschuldung von 126 Prozent gemessen am Bruttoinlandsprodukt, was in der Hemisphäre der BBB-Emittenten ein sehr hoher Wert ist.

Gravierende volkswirtschaftliche Ungleichgewichte

Ebenfalls sehr viel Kopfzerbrechen bereitet das enorm hohe Leistungsbilanzdefizit. Im Jahr 2007 betrug dieses mehr als 20 Prozent gemessen am Bruttoinlandsprodukt. Und wegen offener Flanken wie den beiden genannten Punkten, die an den Märkten auch immer wieder Spekulationen über eine mögliche Abwertung der Landeswährung Lat auslösen, haben die Ratingagenturen auch schon längst ernste Bedenken angemeldet. So senkten im Vorjahr Standard & Poor´s sowie Fitch mit dem Verweis auf die Gefahr einer überhitzenden Konjunktur die Kreditwürdigkeitsnote. Und Fitch hat Ende Januar mit einer Korrektur des Kreditwürdigkeitsausblickes von stabil auf negativ sogar noch einmal nachgelegt.

Die im Kampf gegen dieses Risiko eingeleiteten Gegenmaßnahmen fangen zwar langsam an Wirkung zu zeigen. Zumindest ist das Plus beim Bruttoinlandsprodukt im vierten Quartal in Lettland, das schon des Öfteren Spitzenreiter beim Wachstum in der EU war, mit acht Prozent (im Gesamtjahr betrug das Plus 10,2 Prozent) auf die niedrigste Rate seit fast drei Jahren gesunken.

Sanfte Landung oder harter Aufprall?

Die Volkswirte bei der Bank Austria Creditanstalt gehen davon aus, dass sich das Wachstumstempo auch im ersten Halbjahr 2008 weiter deutlich verlangsamen wird. Dies lasse wegen der gestiegenen Risikoaversion schon die starke Abhängigkeit des Landes vom internationalen Kapital zur Finanzierung des riesigen Leistungsbilanzdefizits sowie eine restriktivere Fiskal- und Geldpolitik erwarten. Konkret wird mit einer Abschwächung des realen Wachstums beim Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2008 auf 6,8 Prozent gerechnet und auf 6,0 Prozent im Jahr 2009. Wie es in einer Studie heißt, sei das Risiko einer Konjunkturüberhitzung zwar noch nicht ganz ausgeschlossen. Unter dem Strich hält man aber eine sanfte Landung für möglich.

Wer das ähnlich sieht und neben der nur moderaten Staatsverschuldung (rund zehn Prozent gemessen am Bruttoinlandsprodukt) sowie der geringen Haushaltsdefizite auf den Stabilitätsanger EU vertraut, der kann sich unter der Prämisse einer Kaufen-und-Halten-bis-zur-Endfälligkeits-Strategie engagieren. Wegen der makroökonomischen Ungleichgewichte und der noch angespannten Marktverhältnisse plädieren allerdings die Anleihe-Experten der WGZ-Bank aktuell noch nicht zu einem Positionsaufbau. Und die Tatsache, dass nur 400 Millionen statt der zunächst anvisierten 500 Millionen Euro platziert werden konnten, deutet darauf hin, dass auch andere Marktteilnehmer Lettland derzeit etwas vorsichtig betrachten.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @JüB
Bildmaterial: Archiv, Bloomberg, CEE

 
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