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Anleihemarkt

Beige Book ändert Ausgangslage an der Zinsfront nicht

29. Juli 2004 Gelassen haben die Anleihemärkte auf die Vorlage des Konjunkturberichts „Beige Book“ reagiert. Das „Beige Book“ dient dem für die Geldpolitik in Amerika verantwortlichen Offenmarktausschuß der Fed (FOMC) zwar als wichtige Grundlage für seine Zinsentscheidungen. Doch da der Bericht nichts wesentlich Neues enthielt, gab es auch keinen Anlaß für eine Neubewertung der Ausgangslage an den Rentenmärkten.

Wie die Analysten bei der DZ Bank oder der HSH Nordbank schreiben, hat das „Beige Book“ den positiven konjunkturellen Ausblick, den schon Greenspan in seiner jüngsten Rede vor dem Kongreß gegeben hat, bestätigt. Gleichwohl registrierte die Fed ein gewisse Abschwächung der Wirtschaftstätigkeit im Juni und Anfang Juli. Allgemein befinde sich die amerikanische Wirtschaft weiter auf Expansionskurs, wobei sich allerdings die Wirtschaftsaktivität in fünf von zwölf Fed-Distrikten „etwas verringert“ habe. Die Preisgefahren werden dagegen noch „in line“ gesehen.

Konjunktur scheint sich etwas abzukühlen

„Insgesamt fiel das Beige Book damit leicht positiv für den Rentenmarkt aus“, wie es DZ Bank Rentenmarkt-Analyst Andy Cossar formuliert. Aber der Tenor war eben nicht so sehr vom bisherigen Kenntnisstand abweichend, daß daraus markante Kursreaktionen hätten resultieren müssen.

Selbst die Daten zum Auftragseingang langlebiger Wirtschaftsgüter in Amerika konnte die Marktteilnehmer nicht aus der Reserve locken, obwohl sie mit plus 0,7 Prozent im Juni deutlich weniger stark gestiegen sind als die im Durchschnitt von Volkswirten erwarteten 1,5 Prozent. Doch diesem Wert steht die unlängst von Fed-Chef Alan Greenspan geäußerte Einschätzung gegenüber, wonach er mit Blick auf die Konjunkturaussichten positiv gestimmt sei und die Verlangsamung des Wachstums nur als vorübergehend einschätze.

In der Tat wird sich den derzeitigen Schätzungen zufolge das Wachstum beim Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal auf inflationsbereinigte 3,7 Prozent von 3,9 Prozent im ersten Quartal abgeschwächt haben. Aber für sich alleine betrachtet handelt es sich noch immer um einen relativ robusten Wert, der noch nicht so richtig zum aktuellen Leitzinsniveau paßt.

Kein neuer Trend am europäischen Rentenmarkt erkennbar

Die amerikanischen Zinshüter hatten bei ihrer Sitzung Ende Juni zwar erstmals seit vier Jahren eine Erhöhung des Schlüsselzins geltenden Zielsatz für Tagesgeld um 25 Basispunkte beschlossen. Mit 1,25 Prozent liegt er aber noch immer sehr niedrig. Volkswirte rechnen deshalb schon bei der nächsten Sitzung des Offenmarktausschusses der Notenbank am 9. und 10. August mit einer erneuten Anhebung des Leitzinses um diesmal 25 Basispunkte. Und bis Ende des Jahres 2004 wird der Leitzins dann allgemein bei 2,00 Prozent gesehen und Ende 2005 dann sogar bei 3,75 Prozent.

Was die Märkte am langen Zinsende aus diesem Szenario machen werden und ob es überhaupt dazu kommt, bleibt zwar erst noch abzuwarten. Aktuell ist das aber der Orientierungsstrang an dem sich die Kurse entlang hangeln. Per saldo resultiert das bei phasenweise stärkeren Schwankungen dazu, daß auch der Rentenmarkt ähnlich wie der Aktienmarkt seit Monaten auf der Stelle tritt.

Der Bund-Future findet sich mit einem Niveau von rund 113,50 Prozent jedenfalls anders als der deutlich gefallene amerikanische T-Bond-Future auf dem Niveau wider, das auch schon zu Jahresbeginn gültig war. Und bevor sich an der daraus ablesbaren Pattsituation etwas ändert, wird es erst fundamental eindeutige neue Erkenntnisse brauchen.

Text: @JüB

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