Länder-Ratings

Nur 19 von 113 Ländern bekommen die Bestnote

09. Oktober 2006 Am 19. September rollten bei einem unblutigen Putsch thailändische Panzer durch die Straßen von Bangkok. Am gleichen Tag gab Standard & Poor's bekannt, das Kredit-Rating des Landes zu überprüfen.

Kredit-Ratings mögen für demokratische Musterknaben, Gegner staatlicher Korruption oder die thailändischen Truppen, die im Süden des Landes gegen muslimische Aufständische kämpfen, keine große Bedeutung haben, doch für die Finanzen des Landes können sie einiges bewirken. Wenn S&P seine Ratings herabstuft, könnte dies die Ziele des thailändischen Finanzministers beeinträchtigen, der das Finanzsystem stärken will, um eine Wiederholung der Finanzkrise des Landes aus dem Jahr 1997 zu verhindern.

AAA für die besten Schuldner

Der Grund dafür ist folgender: Ebenso wie die Durchschnittsbürger sich über ihre Kreditbewertung Sorgen machen - wie viel Geld die Banken ihnen leihen und welchen Zins sie dafür berechnen - so gilt dies auch für Länder. Wird das Sovereign Rating eines Landes herabgestuft, wird die Aufnahme von Finanzmitteln für seine Regierung teurer.

Im Gegensatz zu Privatpersonen jedoch werden diese Informationen nicht von Kreditagenturen wie Experian und Dun & Bradstreet in den Vereinigten Staaten geliefert, sondern von großen Rating-Agenturen wie Standard & Poor's, Moody's und Fitch. Die besten Schuldner erhalten das begehrte Rating AAA. Das bedeutet, daß der betreffende Staat außerordentlich gut in der Lage ist, seine Schulden fristgerecht zurückzuzahlen. „Je höher das Rating, desto niedriger das angenommene Ausfallrisiko und desto geringer der Aufschlag, den das Land für seine Schulden zahlen muß“, sagt John Chambers, Managing Director der S&P Sovereign Ratings Group.

Ungarn als einziges Land herabgestuft

Die Kreditentwicklungen waren im Laufe des vergangenen Jahres positiv - dank starken globalen Wachstums, steigender Rohstoffpreise, reichlich vorhandener grenzüberschreitender Kapitalströme und niedriger Realzinsen, meint Chambers. Im Bereich der Schwellenmärkte hat Standard & Poor's Rating Services beispielsweise in den vergangenen zwölf Monaten bis August acht Länder um einen Schritt heraufgestuft und nur eines herabgestuft.

Zuletzt wurden Indonesien (auf BB- am 26. Juli) und China (auf A am 27. Juli) heraufgestuft. Anfang des Jahres setzte S&P das Rating der südamerikanischen Staaten Venezuela (auf BB- am 3. Februar), Brasilien (auf BB am 28. Februar) und Argentinien (auf B am 23. März) herauf. Ungarn wurde als einziges Land herabgestuft (auf BBB+ am 15. Juni).

Screening-Instrument für Fondsmanager

Händler festverzinslicher Wertpapiere und Fondsmanager verwenden die Sovereign Ratings überwiegend als Screening-Instrument bei der Suche von Wertpapieren. Nach Angaben von Don Quigley, Co-Manager des Julius Bär Total Return Bond Fund, kann sein Fonds nur Anleihen in Anlagequalität („Investment Grade“) kaufen, daher hält er Ausschau nach Emissionen mit einem Sovereign Rating von BBB oder höher.

So würde er etwa türkische Anleihen nicht kaufen, weil sie unter „Investment Grade“ liegen, hingegen hat der Fonds derzeit Positionen in Australien, Island, Neuseeland und Mexiko. „Wir informieren uns über das Rating eines Landes, doch eigentlich geht es darum, wie seine Renditekurve gegenüber den Vereinigte Staaten verläuft“, erläutert Quigley. „Wir verwenden es als Screening-Instrument, aber nicht als wichtigstes Kriterium für eine Anlage.“

Ein Rating ist keine Empfehlung zum Kauf

Um ein Sovereign Rating erteilen zu können, prüft S&P nach Angaben von Chambers das politische Risiko, die Einkommens- und Wirtschaftsstruktur, Wachstumsaussichten, Finanzierungssalden, Schuldtitel, bedingte Steuerrisiken, die Geldpolitik sowie externe Liquidität und externe Schulden (Verbindlichkeiten gegen ausländische Gläubiger). Das höchste Rating, das S&P's vergibt, ist AAA.

Jedes Rating ab BB+ und darunter liegt im spekulativen Bereich und hat keine Anlagequalität. S&P betrachtet das Rating nicht als Empfehlung zum Kauf, Verkauf oder Halten einer von einem Staat emittierten Finanzobligation und gibt keine Stellungnahmen zum Tageskurs oder zur Eignung für einen bestimmten Anleger ab.

Japan ohne AAA-Rating

Nicht jedes Land hat ein Sovereign Rating, hauptsächlich deshalb, weil die Regierungen keines beantragt haben. Außerdem müssen sie das Rating durch die Agenturen bezahlen. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt haben nur 19 von 113 Ländern, die von S&P bewertet werden, das höchste Sovereign Rating AAA (siehe FAZ.NET-Tabelle). Dies sind große europäische und nordamerikanische Länder sowie kleinere wie Liechtenstein.

Eine Wirtschaftmacht, die nicht das höchste S&P's Rating hat, ist Japan, das seit Februar 2001 mit AA- bewertet wird. Dies entspricht der Auffassung von S&P, daß das Land Finanz- und Strukturreformen zur Senkung der Ausgaben und Erhöhung der Einnahmen zu langsam umsetzt.

Die Kreditwürdigkeit kann sich rasch ändern

Von den Ländern, die von S&P bewertet werden, ist derzeit keines zahlungssäumig. Sollte ein Staat seinen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen, setzt S&P sein Rating auf SD, was für das betroffene Land höhere Zinszahlungen zur Folge hat. Nach Informationen von S&P hat Belize, das ein Sovereign Rating von CC- hat, seine Absicht zur baldigen Umstrukturierung seiner Schulden signalisiert, was in der Regel auf einen kommenden „Default“ hindeutet.

Auch wenn die aktuelle Wirtschaftslage günstig ist, so können doch plötzliche Ereignisse die Kreditwürdigkeit eines Landes rasch ändern, wie während der Finanzkrise in Asien ab Mitte 1997 zu beobachten war. „Wir wurden wie die meisten anderen auch kalt erwischt“, sagt Chambers. „In der Rückschau haben sich unsere Ratings jedoch gut gehalten.“ Von den zehn ostasiatischen Regierungen, die am 1. Juli 1997 ein Rating hatten, blieben fünf für die darauf folgenden 18 Monate, auf dem Höhepunkt der Krise, unverändert, und nur zwei wurden auf ein Niveau unter „Investment Grade“ herabgestuft (Ratings von BB+ und darunter). Eines der herabgestuften Länder war Indonesien, das seinen Zahlungsverpflichtungen später tatsächlich nicht mehr nachkommen konnte.

David Beers, Standard & Poor's Managing Director Sovereign Ratings und Global Head für internationale staatliche Finanzratings, bringt es auf den Punkt: „Wenn wir alle sicher wüßten, was die Zukunft bringt, gäbe es kein Kreditrisiko.“



Text: Standard & Poor's
Bildmaterial: AP, FAZ.NET

 
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