08. August 2007 Schwellenländer-Anleihen sind derzeit, auch nachdem sich die Märkte vorläufig entschieden haben, dass doch nicht alles so schlimm wird, wie zwischenzeitlich befürchtet, nicht mehr ganz so gefragt wie noch bis Ende Juli.
Deutlich unter Druck steht am Mittwoch indes die rege gehandelte Anleihe der chinesischen Volksrepublik, die in Stuttgart 1,3 Prozent abgibt und damit zu den Verlierern des Tages gehört. Das mag zunächst überraschen, wenn Anleihen Brasiliens, der Türkei und Jamaikas gefragt sind, gilt die chinesische Wachstumsstory doch als intakt.
Strukturelles Inflationsproblem
Aber vielleicht ist ja gerade das auch das Problem. Denn Chinas Notenbank PBoC hat deutlich gemacht, dass sie zunehmende Anzeichen für eine Überhitzung der boomenden Wirtschaft sieht und kündigte darob in ihrem am Mittwoch vorgelegten Quartalsbericht an, die Geldpolitik weiter moderat zu straffen, um die galoppierende Inflation abzubremsen.
Der gegenwärtige Preisanstieg beruht nicht nur auf vorübergehenden Faktoren, der Inflationstrend zeigt vielmehr klar nach oben, erklärten die Währungshüter. Anleger befürchten, dass ohne ein Gegensteuern der Notenbank die hohe Teuerung den Wirtschaftsboom abrupt beenden und damit auch die Weltwirtschaft in Mitleidenschaft gezogen werden könnte.
Die chinesischen Verbraucherpreise sind zuletzt im Jahresvergleich um 4,4 Prozent gestiegen und damit so stark wie seit fast drei Jahren nicht mehr. Inflationstreiber sind vor allem die Lebensmittelpreise, die um mehr als elf Prozent zulegten. Damit lag die Teuerungsrate im ersten Halbjahr bei 3,2 Prozent und somit über dem Ziel der Notenbank von unter 3 Prozent.
Politische Brisanz spitzt sich allmählich zu
Auch für den restlichen Jahresverlauf erwarten die Währungshüter ein kräftiges Wirtschaftswachstum, das die Preise hoch halten werde. Im zweiten Quartal legte die Wirtschaftsleistung um knapp zwölf Prozent zu und damit so stark wie seit elf Jahren
nicht. China ist damit auf Kurs, möglicherweise noch in diesem Jahr Deutschland als drittgrößte Volkswirtschaft der Welt abzulösen.
Mit Blick auf den Handelsüberschuss, der zuletzt im Juni auf das Monatsrekordniveau von knapp 27 Milliarden Dollar stieg, sagte die Zentralbank ebenfalls keine Entspannung voraus. Dieses werde voraussichtlich weiter hoch bleiben. Der Überschuss ist den chinesischen Handelspartnern ein Dorn im Auge, da sie wegen des künstlich niedrig gehaltenen Yuan Nachteile am Weltmarkt erleiden.
Zuletzt hatte amerikanischen Finanzminister Henry Paulson bei einem Besuch in Peking erneut eine völlig Freigabe des Wechselkurses gefordert. Chinas Zentralbank stellte aber klar, dass nach ihrer Sicht die Währung nur eine Stellschraube sei, um das Problem der Handelsungleichgewichte zu lösen. Überlegungen, Handelssanktionen gegen China zu verhängen, konterte China nach Meldungen britischer Zeitungen aber damit, dass man drohte, amerikanische Staatsanleihen zu verkaufen, was deren Kurse angesichts der hohen Bestände in chinesischer Hand deutlich unter Druck bringen könnte.
Monetäre Steuerung scheint nicht stark genug
Auch die Notenbank monierte die Diskussion protektionistischer Maßnahmen und warnte: Die Spannungen im Außenhandel und das Risiko von Handelskriegen, mit denen sich China konfrontiert sieht, könnten weiter zunehmen.
Höhere Zinsen und eine möglicherweise drohende harte Landung sind nun wahrlich nicht dazu angetan, die Nachfrage nach auf dem Markt befindlichen Papieren zu befördern. Angesichts dieses Spannungsfeldes macht es die Lage dann auch nicht besser, dass die chinesische Zentralbank ihre Geldpolitik als vorsichtig beschreibt und weiterhin auf Offenmarktgeschäfte und den Mindestreservesatz für die Geschäftsbanken zurückgreift, was sich allein schon dadurch erklärt, dass das chinesische Wirtschaftssystem auf Preissignale nur unvollkommen reagiert und direkte Lenkungsmittel immer noch wirkungsvoller sind.
In einem hochpolitischen Wirtschaftssystem, dass sich historisch vor allem über die reale Seite definiert hat, sind monetäre Instrumente schwierig einzusetzen. Die Geschichte konkurrenzsozialistischer Modelle lehrt, dass stets ein Widerstreit herrschte zwischen den sogenannten Funktionsbehörden wie dem Finanzministerium und den Branchenbehörden. Während erstere auf monetäre Faktoren schauen, betrachten andere reale Faktoren, weil ihre Aufgaben danach aufgegliedert sind.
Zu niedrige Renditeaufschläge
So sehen sich Finanz- und Handelsministerium sowie die Zentralbank im Staatsrat sieben klassischen Branchenministerien gegenüber, deren Interesse es in der Regel ist, möglichst viele Ressourcen in ihren Sektor umzulenken und damit das Investitionswachstum anzutreiben. Den Funktionsministerien gelingt es meist nur dann dem einen Riegel vorzuschieben, wenn sich die monetären Probleme auch auf die Realwirtschaft auswirken - und das scheint bislang zumindest vordergründig nicht der Fall zu sein.
Dies ist der Grund, warum das Szenario einer harten Landung im chinesischen Kontext nicht nur wahrscheinlicher, sondern auch deutlich ernster zu nehmen ist, weil die monetäre Steuerungsfähigkeit im Reich der Mitte eingeschränkt ist.
Daher sind die Renditeaufschläge von ein bis sieben Basispunkten, die der chinesische Bond gegenüber Staatsanleihen aus der Slowakei und Griechenland bietet, die die gleiche Bonitätsnote tragen, auch als zu wenig einzuschätzen. Zudem bietet die tschechische Anleihe sogar einen Basispunkt Rendite mehr.
Anleihen für die Wand und mit Börsennotierung
Besser sieht es im Bereich kurzer Restlaufzeiten bis zu drei Jahren aus. Hier werden die chinesischen Bonds mit Renditeaufschlägen von dreißig Basispunkten und mehr gehandelt. Und wer etwas Exquisites will, der kann sich bei Ebay und Auktionshäusern umtun, die alle chinesische Anleihen aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert im Angebot haben.
Teilweise werden diese sogar an der Euronext gehandelt und verbuchten dort zuletzt deutliche Kursgewinne, nicht zuletzt weil Rückzahlungsspekulationen nie ganz verstummen wollen und angesichts der hohen Währungsreserven des Landes mehr Nahrung erhalten haben.
Indes ist wohl fraglich, wie hoch der Rückzahlungsbetrag ausfallen würde. Denn die Währungen Reichsmark, Francs, Rubel, Yen und Pfund haben seitdem zum Teil einige Währungsreformen überstanden und die Relationen der damaligen Wechselkurse sind heute völlig anders.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @mho
Bildmaterial: AP, FAZ.NET
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| S&P 500 Zert. | 9,30 | +5,32 |
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