09. Juli 2008 Das Konsumklima beginnt sich einzutrüben. Immer mehr häufen sich Meldungen über zurückgehende Verbraucherausgaben und zumindest subjektiv entsteht der Eindruck, dass sich dies auch in den Ergebnisausweisen von immer mehr Konsumgüterherstellern bemerkbar macht.
Zu leiden hat jedenfalls der Produzent der berühmten Levi's-Jeans, Levi Strauss unter der Zurückhaltung der Verbraucher. Im zweiten Quartal schrumpfte dessen Nettogewinn von 45,7 Millionen Dollar im Vorjahreszeitraum praktisch auf nichts zusammen. Lediglich 701.000 Dollar verdiente das Unternehmen noch, dessen Umsatz um acht Prozent auf 936 Millionen Dollar sank. Neben der Konsumschwäche hätten auch Kosten für ein neues Planungssystem den Gewinn gedrückt, auch der Konkurs eines wichtigen Kunden machte die Dinge nicht einfacher.
Schwacher Dollar verbessert negative Umsatzentwicklung
Und es war nicht nur der Heimatmarkt allein, der sich schwach zeigte. Die Dynamik in Europa und im asiatisch-pazifischen Raum habe nachgelassen und damit den Umsatzeinbruch von 19 Prozent in den Vereinigten Staaten verschlimmert. Nur dank des schwachen Wechselkurses waren die Umsätze in Europa in Dollar gerechnet um zehn Prozent gestiegen. Währungsbereinigt gingen sie um vier Prozent zurück. Ähnliches gilt für den asiatischen Raum, in dem die Umsätze um sechs Prozent stiegen, währungsbereinigt aber um ein Prozent sanken.
Zudem befindet sich die Marke Dockers in der Krise, die schon in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres unter der sich entwickelnden Konsumschwäche litt. Im Berichtsquartal fielen die Umsätze mit Khaki-Hosen deutlich und Anderson sieht viel Arbeit in einer Verbesserung von Stil und Größen. Familienväter trügen weiterhin die Hosen vom vergangenen Jahr und sparten das Geld für Bekleidung für Frauen und Kinder.
Düsterer Ausblick
Den restlichen Jahresverlauf bezeichnete das Unternehmen als Herausforderung. Der Rest der Welt ist im Frühstadium ähnlicher wirtschaftlicher Herausforderungen, wie wir sie derzeit in den Vereinigten Staaten erleben, sagte der Vorstandsvorsitzende John Anderson der Finanznachrichtenagentur Bloomberg und nannte die inflationäre Preisentwicklung als Hauptbelastungsfaktor der verfügbaren Einkommen. Keine gute Nachricht ist auch der Konkursantrag des Textilhändlers Goody's Anfang Juni, dessen Hauptgläubiger Levi Strauss ist, macht die Dinge nicht einfacher.
Levi Strauss ist zwar nicht börsennotiert, hat aber eine mit 8,625 Prozent verzinste Anleihe auf dem europäischen Markt, deren Laufzeit am 1. April 2013 endet. Eingestuft wird die Rente von Standrad & Poor's mit B+ und von Moody's mit der um eine Stufe schwächeren Bonitätsnote von B2, was einem mittleren spekulativen Rating entspricht.
Hohe Schulden durch Übernahme in den Neunzigern
Vor zwölf Jahren wurden die Anleihen des Unternehmens von Moody's mit Baa2 noch im unteren Investmentgrade-Bereich eingeordnet. Doch seit den Neunzigern ging es mit dem Konzern rasch abwärts. Zwischen 1996 und 2004 schrumpften die Umsätze um 43 Prozent auf rund vier Milliarden Dollar. Die Gewinne schrumpften im gleichen Zeitraum, dennoch musste nur 2003 ein Verlust verbucht werden. Das Rating sank bis zum September 2003 bis auf Ca ab.
Levi Strauss litt in den Neunzigern unter Skandalen und der zunehmenden Konkurrenz, die sich mit dem Auslaufen des Welttextilabkommens ab 1994 verschärfte. Die Schulden wurden dem Unternehmen aber im Jahr 1996 aufgeladen, als die Nachfahren des Gründers Levi Strauss das Unternehmen sukzessive zurückkauften. Dies hatte zur Folge, dass das Unternehmen spätesten ab 1999 mit negativem Eigenkapital operiert.
Daran hat sich bis heute auch nichts geändert, wenngleich sich das Defizit seit der operativen Wende im Geschäftsjahr 2004 von minus 47 auf minus 13,5 Prozent zum 25. Mai 2008 verringert hat. Auch die Hebelung der Bilanz hat sich verbessert. Betrug die Nettofinanzverschuldung 2003 noch mehr als das Siebenfache des operativen Gewinns, so betrug dieses Verhältnis 2007 weniger als drei, hatte sich aber gegenüber 2006 kaum verändert.
Wende vor dem Ende?
Insofern ist die bilanzielle Lage des Unternehmens immer noch nicht rosig und daher wirft der konjunkturelle Einbruch, ohne Aufsicht auf rasche Besserung kein positives Licht auf die Zukunft. Besonders der Gewinneinbruch gibt zu denken, allzumal sich der operative Cashflow ebenfalls verringert hat.
Der Jahresumsatz war seit 2004 wieder um sieben Prozent gestiegen, der Reingewinn hatte sich verfünfzehnfacht und just die Gewinnentwicklung war der entscheidende Faktor, der die Verschuldungssituation des Unternehmens erträglich gemacht hatte. Immerhin erwirtschaftete Levi Strauss operativ in den vergangenen Jahren stets Gewinne.
Die Preise der Kreditversicherungen, die zu Jahresbeginn marktbedingt einen Höchststand erreicht und dann wieder nachgegeben hatten, haben seit Mitte Juni wieder deutlich angezogen und weisen bei 545 Basispunkten für September 2013 damit eine implizite Ausfallwahrscheinlichkeit von knapp 40 Prozent aus. Moody's setzt die Verlustwahrscheinlichkeit mit zwei Drittel an.
Hohe Rendite, wenig Volumen
Entsprechend entlohnt die Anleihenrendite von 9,64 Prozent nach dem zuletzt in Frankfurt gehandelten Kurs. Bei anderen Händlern wird die wenig gehandelte Anleihe mit einer Stückelung von 50.000 Euro dagegen sogar mit Renditen von mehr als 11 Prozent gelistet.
Die hohe Stückelung ist für die Anleihe, die erstmalig zum 1. April des kommenden Jahres und dann wieder zum selben Stichtag 2010 und 2011 kündbar ist, und dann Renditen zwischen zehn und 18 Prozent aufweist, sicher ein Nachteil und dürfte mit zum geringen Handelsvolumen beitragen. Denn dadurch eignet sie sich für die wenigsten Privatanleger als spekulative Beimischung.
Als Schwergewichtsinvestment aber erscheint das Risiko derzeit recht hoch. Es sei denn, man beruhigt sich damit, dass die Familienmitglieder, die in den Neunzigern den Konzern von der Börse nahmen, an diesem auch in schlechten Zeiten festhalten werden.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @mho
Bildmaterial: AP, F.A.Z.
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| Euro/Dollar | 1,34 | -1,18 |
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