06. Juli 2006 Der Juli ist traditionell ein recht schwacher Monat, wenn es um die Emissionstätigkeit am Markt für Unternehmensanleihen geht. In den vergangenen beiden Jahren lag das Emissionsvolumen im Juli und August unter dem Monatsdurchschnitt des Gesamtjahres. Schon im Juni brachten Unternehmen in Europa ein Anleihevolumen auf den Markt, das um acht Milliarden Euro unter dem des vergangenen Jahres lag.
Gleichzeitig werden Anleihen in einem Volumen von über 20 Milliarden Euro fällig und großteils nicht durch Neuemissionen ersetzt. Das liegt mit Sicherheit nicht am Automobilzulieferer Leoni, der einen Kontrapunkt setzt und eine Anleihe im Volumen von über 200 Millionen Euro begibt, der nach Angaben der Konsortialbanken mit nominal fünf Prozent verzinst wird.
Höchstwahrscheinlich Finanzierung der Studer-Übernahme
Das Papier mit einer Laufzeit bis 2013 werde zu einem Preis von 99,740 Prozent ausgegeben, teilten die bei der Transaktion federführenden Banken am Mittwoch mit. Der Hersteller von Kabeln und kompletten Bordnetzen für Auto-Elektrik peilt für 2006 ein Umsatzwachstum um etwa zehn Prozent auf 1,7 Milliarden Euro an, der Gewinn soll um etwa ein Viertel auf rund 70 Millionen Euro steigen.
Laut Aussagen auf der Roadshow dient die Emission zum einen zur Finanzierung von Akquisitionen. Zuletzt hatte das im Nebenwerteindex MDax gelistete Nürnberger Unternehmen den Kauf des Schweizer Spezialkabelherstellers Studer für rund 105 Millionen Euro bekannt gegeben, der zum 31. Juli 2006 komplett übernommen werden soll.
Mit einem Jahresumsatz von rund 84 Millionen Euro im vergangenen Geschäftsjahr zähle das Familienunternehmen zu den ertragsstärksten Kabelherstellern in Europa. Gemäß der Quartalsbilanz zum 31. März 2006 verfügte Leoni über flüssige Mittel in Höhe von 114,11 Millionen Euro. Dem standen rund 140 Millionen Euro an kurzfristigen Finanzverbindlichkeiten und kurzfristigem Anteil an langfristigen Krediten gegenüber.
Angesichts dieser eher geringen kurzfristigen Nettofinanzposition scheint es daher nicht abwegig, davon auszugehen, daß Leoni durch die Emission die Übernahme von Studer finanziert.
Tilgung von Altschulden
Zum anderen soll mit dem Emissionserlös eine Anleihe im Volumen von 75 Millionen Euro getilgt werden, deren Rückzahlung am 17. November fällig wird. Das 1999 begebene Papier (Isin: DE0003687893) besaß kein Rating einer internationalen Agentur, insofern ist davon auszugehen, daß auch die in diesem Monat emittierte Anleihe keines erhalten wird. Die mit 6,125 Prozent verzinste alte Anleihe erfreute sich bis 2003 eines netten Aufwärtstrends, der es bis auf 108 Prozent führte, gab dann aber deutlich ab.
Das dürfte nicht zuletzt daran gelegen haben, daß der Jahresüberschuß des Automobilzulieferers 2003 um über 50 Prozent auf 21,2 Millionen Euro einbrach und sich auch 2004 nicht kräftig erholte. 2005 verzeichnet das Unternehmen zwar einen Rekordüberschuß von 57,5 Millionen Euro, doch konnte dies die auslaufende Anleihe wohl nicht mehr so recht beflügeln.
Gleichzeitig hatten die liquiden Mittel bis 2002 auf 5,2 Millionen Euro abgenommen. Auch 2003 stellte sich Leoni mit 7,2 Millionen Euro nicht viel besser dar und füllte die Mittel nicht zuletzt durch eine Kapitalerhöhung im Jahr 2004 wieder auf, durch die dem Konzern 122 Millionen Euro zuflossen. Auch die Eigenkapitalquote wurde damit auf 40 Prozent angehoben.
Augenscheinlich solides Papier in einem enger werdenden Markt
Insofern erscheint die mit einer Emissionsrendite von 5,05 Prozent gepreiste Anleihe durchaus ein solides Papier zu sein. Die Analysten der DZ-Bank billigen dem Unternehmen aufgrund einer zufriedenstellenden Profitabilität und einer soliden Finanzlage in Anbetracht des von der zyklischen Automobilindustrie geprägten Geschäftsprofils einen Cresta-Score von BBB zu, was einem Rating entspricht.
Das wäre zwei Stufen über dem Junkbond-Bereich. Vergleichbare Anleihen sind rar gesät, rentieren aber ähnlich. Insofern erscheint die Leoni-Anleihe in einem Markt, in dem ein knapperes Angebot und mehr Liquidität Hoffnung auf neuerliche Kursanstiege machen, durchaus eine interessante Alternative zu sein.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @mho
Bildmaterial: FAZ.NET, Leoni AG
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 6.380,05 | -0,94 |
| TecDax | 719,55 | -0,28 |
| DowJones | 11.356,04 | +0,06 |
| Nasdaq | 2.296,72 | +0,73 |
| STOXX 50 | 3.319,98 | -1,03 |
| Nikkei 225 | 13.334,76 | -1,97 |
| S&P 500 Zert. | 12,50 | -2,34 |
| Euro/Dollar | 1,57 | +0,01 |
| Bund Future | 111,03 | +0,08 |
| Gold | 923,05 | -0,50 |
| Öl | 124,98 | -1,22 |
