Schwellenländer

Rumänien-Anleihen nützt Leitzinssenkung wenig

14. Februar 2005 Rumänien nähert sich Schritt für Schritt der Europäischen Union (EU). Im Oktober erst hat die EU-Kommission dem Land den Status einer „funktionierenden Marktwitschaft“ bescheinigt. Im November begann die Notenbank nach mehreren Zinsschritten nach unten, der Landeswährung Lei eine Aufwertung gegenüber dem Euro und dem Dollar zu erlauben; zu diesem Zweck führte sie Verkäufe von Lei gegen Euro zurück. Parallel dazu bewies die Wirtschaft des ehedem spätstalinistischen Landes, stabil auf einem strammen Wachstumspfad zu sein.

Gleichwohl herrscht kein Preisdruck in Rumänien. Im Gegenteil, durch den erstarkenden Lei, der dem Euro binnen Jahersfrist fast fünf Prozent abgenommen hat, schwächt sich der Preisauftrieb ab. So hat die Inflationsrate den niedrigsten Stand seit 15 Jahren erreicht, wie Bloomberg News berichtet. Gleiches gilt für den Leitzinssatz, da die Notenbank am Sonntag abermals die Stellschraube gelockert hat.

Gemeinhin reagieren Anleihen auf solche Schritte mit steigenden Kursen. Bei rumänischen Euro-Anleihen ist das aber nicht der Fall, abgesehen von dem in diesem Jahr noch fälligen Papier. Die Gründe: Zum einen tendiert der Anleihemarkt etwas schwächer, zum anderen sind die Zinstitel schon zu gut gelaufen, um noch nennenswertes Kurspotential zu besitzen.

Wirtschaft wächst fast um acht Prozent im Jahr

Die rumänische Zentralbank hat ihren Leitzins um 75 Basispunkte auf 15,75 Prozent gesenkt. Der Schritt wurde mit dem geringeren Inflationsdruck begründet: Im Januar war die Jahresteuerung auf 8,9 Prozent von 9,3 Prozent im Vormonat zurückgegangen. „Der Überschuß an ausländischem Kapital auf dem rumänischen Markt sorgt für die Aufwertungstendenz beim Lei und trägt direkt dazu bei, die Inflation zu dämpfen“, teilte die Notenbank laut Bloomberg News mit.

Seit der Ankündigung der Notenbank vom November hat die Landeswährung laut Bloomberg gegenüber dem Euro und dem Dollar jeweils mehr als zehn Prozent an Wert gewonnen. Die Wirtschaft ist in den ersten neun Monaten vergangenen Jahres um acht Prozent gewachsen; mithin ist ein Jahreszuwachs von sieben bis acht Prozent möglich, wie die WGZ-Bank meint. China wächst nur unwesentlich kräftiger.

Zudem wurde nun von der Notenbank für Geschäftsbanken eine Mindestreservepflicht von 30 Prozent für Kredite mit einer Laufzeit von mehr als zwei Jahren eingeführt. Damit solle der schnelle Anstieg von Ausleihungen in Fremdwährungen gebremst werden, erklärte die Notenbank. Im vergangenen Jahr waren auf Euro lautende Privatkredite um 57 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen.

Das Land muß bestrebt sein, seine Wirtschaft immer weiter dem EU-Niveau annähern, um der Union wie angestrebt im Jahr beitreten zu können. Dazu gehört auch, das Zinsniveau weiter zu senken. Daraus folgt grundsätzlich Kurspotential, da die Kurse steigen, wenn die Renditen sinken.

WGZ-Bank votiert mit Halten - DZ Bank: Kurzläufer kaufen

Die WGZ-Bank sieht Rumänien-Papiere als Kerninvestment bei spekulativen Anleihen an; Rumänien ist bei den Ratingagentturen Moody´s Investor Service und Standard&Poor´s mit Ba3 und BB+ bewertet, bei Fitch kommt das Land mit Blick auf seine Kreditwürdigkeit mit einer Note von BBB- besser weg. Während die WGZ-Bank die Zinstitel wegen ihres hohen Kursniveaus derzeit nur zum Halten empfiehlt, hat die DZ Bank Mitte Januar zum Kauf der 2008 auslaufenden, mit 10,625 Prozent verzinsten Anleihe geraten. Begründung: Das Papier dürfte noch Potential haben. Bisher hat sich der Kurs aber nicht sonderlich bewegt.

Angesichts der stark geschrumpften Risikoaufschläge nimmt dies nicht wunder. So rentiert die 2008 fällige Anleihe mit 3,27 Prozent, während eine vergleichbare Bundesanleihe mit Spitzen-Rating 2,6 Prozent bringt. Der Risikoaufschlag beträgt also 67 Basispunkte. Zum Vergleich: Die mit Ba2/BB in etwa gleichwertig eingestufte Kolumbien-Anleihe gleicher Laufzeit bietet eine Überrendite von fast 180 Basispunkten. Und während das 2012 auslaufende rumänische Papier 3,87 Prozent abwirft, also 0,64 Prozent mehr als eine entsprechende Bundesschuld, bietet der zwei Jahre später fällige Peru-Titel (Ba3/BB) eine Überrendite von gut 2,85 Prozent.

Zwar geht Kolumbien naturgemäß die sogenannte Konvergenz-Phantasie ab, die EU-Beitrittskandidaten auf sich vereinigen. Auch wird mit einer Hochstufung Rumäniens gerechnet. Gleichwohl machen die unterschiedlichen Risikoaufschläge deutlich, wieviele Vorschußlorbeeren die rumänischen Zinstitel aufweisen.


Der Chart zeigt den Kursverlauf der 2012 fälligen Euro-Anleihe Rumäniens.

Der Chart zeigt den Kursverlauf der 2012 fälligen Euro-Anleihe Rumäniens.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @thwi

 
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STOXX 50 3.387,50 +1,84
Nikkei 225 13.312,93 +0,97
S&P 500 Zert. 12,80 +2,40
Euro/Dollar 1,57 +0,08
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