Unternehmensanleihen

Junk Bonds-Boom erhöht Risiken der High-Yields

17. November 2005 In den ersten neun Monaten des laufenden Jahres haben europäische Anleger Renten mit „Ramsch“- Rating für 25 Milliarden Dollar gekauft, verglichen mit 25,5 Milliarden Dollar im gesamten letzten Jahr. Die Ausfallquote lag von Januar bis Ende September bei 1,56 Prozent, verglichen mit 1,73 Prozent in der gleichen Periode des Vorjahres.

Der europäische Markt für Junkbonds, also Anleihen, die von den Ratingagenturen mit Noten unter „Baa3“ bzw. „BBB-“ eingestuft werden, ist in den vergangenen zwölf Monaten um 15 Prozent auf knapp 74 Milliarden Dollar gewachsen. Inzwischen warnt Standard & Poor's jedoch, daß das gestiegene Emissionsvolumen in den kommenden zwei Jahren für höhere Ausfallraten sorgen dürfte.

Tatsächliche Ausfälle vergleichsweise gering

„Es ist schwer, anständige Renditen zu erzielen, wenn man keine Junkbonds hat“, sagt Adam Cordery, Fondsmanager bei Schroeder's. „Wenn die Ausfallraten wirklich steigen, wird sich der Markt teilen“, erwartet er. „Gute Unternehmen werden gut abschneiden, weil die Anleger die Rendite wollen, aber nicht so viel Risiko. Die Anleihen schwacher Schuldner, die viel spekulativer sind, könnten ziemlich deutlich einbrechen.“

In diesem Jahr hat in Europa lediglich ein Emittent seine Anleiheverpflichtungen nicht bedient, die schwedische Concordia Bus. Insgesamt fielen Anleihen im Volumen von 377 Millionen Dollar aus, nach 1,8 Milliarden im Vorjahr, berichtet Moody's. Die Analysten sehen jedoch ebenfalls Anzeichen, daß die Risiken steigen.

Für Anleger sind Junkbonds wegen ihrer hohen Renditen interessant. In diesem Jahr ist die Rendite der Hochzinsanleihen um 0,54 Prozentpunkte auf durchschnittlich 6,86 Prozent gestiegen. Staatsanleihen aus der Euroregion brachen den Anlegern 3,8 Prozent einschließlich wieder investierter Zinsen. Die Rendite zehnjähriger Benchmarkanleihen gab 0,21 Prozentpunkte auf 3,54 Prozent nach.

Der Markt wurde „von oben“ größer

„Im Laufe des vergangenen Jahres haben Anleger, die traditionell auf Investmentgrade-Stufe investieren, den Schritt gewagt und sind auf der Ratingskala in den 'Ramsch'-Bereich abgestiegen“, beschreibt Axel Potthof, Fondsmanager bei Pacific Investment Management Co. in München, einer Tochter der Allianz AG. „Unternehmen, Banken und Versicherungen müssen ihre Renditen aufpeppen, und die traditionellen Märkte für Staatsanleihen und Unternehmenspapiere auf Investmentgrade bringen sehr niedrige Renditen“, führt Potthof aus. „Wir haben in diesem Jahr wieder sehr hohe Zuflüsse verzeichnet.“

Auch ein verbessertes Angebot hat den Markt attraktiver gemacht. Zwischen 2000 und 2002 waren mehr als ein Dutzend großer europäischer Unternehmen mit ihren Ratings in den Junk- Bereich abgerutscht, nachdem sie Expansion und Übernahmen mit Fremdkapital finanziert hatten. Sozusagen wurde der Markt von oben größer.Beispielsweise hatte der Telekomausrüster Alcatel sein Investmentgrade-Rating im Juli 2002 verloren. Nach starken Kostensenkungen und einem massiven Schuldenabbau wird Alcatel inzwischen auf der höchsten Junk-Stufe bewertet, ebenso andere Emittenten. Dadurch ist der europäische Junkbondmarkt für viele Investoren eine interessante Alternative geworden.

Indes sind große Namen nicht immer ein Garant für Qualität. Denn auch die Bonitätsherabstufungen bei Euro-Anleihen amerikanischer Unternehme, vor allem der Autohersteller General Motors und Ford Motor, wuchs der Markt. Anleihen im Volumen von 375 Milliarden Dollar waren von der Herabstufung betroffen.

Übernahmefieber erhöht Zahl der Risikopapiere

In Schwung gekommen war der europäische Junkbondmarkt mit der Einführung des Euro 1999. In diesem Jahr stieg der Nominalwert der im europäischen High Yield Index von Merrill Lynch enthaltenen Anleihen auf mehr als das Doppelte bei 9,4 Milliarden Dollar. Ende Oktober lag das Volumen bei 73,8 Milliarden Dollar.

Fremdfinanzierte Übernahmen und Buyouts sorgten für mehr Anleiheemissionen in Europa. Allein in diesem Jahr haben europäische Unternehmen mehr als 500 Leveraged Buyouts mit einem Gesamtvolumen von 92 Milliarden Dollar angekündigt, ein Drittel mehr als im gesamten letzten Jahr, zeigen Bloomberg-Daten. Indes haben diese Emissionen es teilweise in sich. Denn mitunter finanzieren Investoren Übernahmen durch die Ausgabe von Anleihen zulasten des übernommenen Unternehmens. Da die aufgenommenen Gelder an die Alteigentümer fließen, erhöht sich dadurch mitunter beträchtlich der Schuldenstand.

So wurde beispielsweise der ehemals im MDax notierte Badearmaturenhersteller Grohe Ende 1999 vom britischen Finanzinvestor BC Partners gekauft und 2004 an die Finanzinvestoren Texas Pacific Group und CSFB Private Equity für mindestens 1,5 Milliarden Euro weiterverkauft. Diese Transaktion mußte Grohe selbst finanzieren. Am 22.09.2004 gab das Unternehmen daher eine zehnjährige Anleihe mit einem Kupon von 8,625 Prozent aus, die derzeit mit 10,207 Prozent rentiert. Die Anleihe ist mit B- eingeordnet bei negativem Ausblick.

Auch der Stahlhändler Klöckner legte im Mai eine zehnjährige Anleihe im Volumen von 350 Millionen Euro auf, um die eigene kreditfinanzierte Übernahme zu refinanzieren. Der Kupon beläuft sich auf 10,5 Prozent, die Rendite liegt bei 9,029 Prozent und das Rating bei B-.

Im Vergleich mit den Vereinigten Staaten ist der europäische Junkbondmarkt allerdings immer noch klein. In diesem Jahr sind in den Vereinigte Staaten „Ramsch“- Anleihen im Volumen von 79 Milliarden Dollar auf den Markt gekommen, nach einem Rekordhoch von 136,8 Milliarden Dollar im letzten Jahr.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @mho mit Material von Bloomberg
Bildmaterial: FAZ.NET

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