07. Januar 2008 Es sind keine normalen Zeiten am Geldmarkt. Zwar verzeichnen Beobachter eine gewisse Entspannung. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet zeigt sich zufrieden mit der einsame Aktion führender Zentralbanken am Jahresende, bei der sie den Banken mit milliardenschweren Geldspritzen halfen und so einem kräftigen Anstieg der Geldmarktzinsen vorbeugten. Wir bleiben in sehr engem Kontakt, sagte Trichet.
Alle Entwicklungen am Geldmarkt würden genau beobachtet. Bei Ausleihungen über Nacht gestalten sich die Verhältnisse wieder normaler. Laut einem Disponenten werden diese aktuell mit 4,08 zu 4,11 Prozent mit den Hauptumsätzen im oberen Bereich angeboten.
Termingelder mit Angstaufschlägen
Doch Termingelder handeln weiter auf hohem Niveau. Zum Teil sind die Sätze zwar etwas niedriger, aber immer noch teuer genug angesichts des Hauptrefi-Zinses von 4,00 Prozent, stellte der Disponent fest. Banken verlangten weiterhin Angstaufschläge. Am Freitag notierte Dreimonatsgeld am mit 4,59 Prozent zu 4,63 Prozent weiterhin deutlich über dem Niveau, das angesichts eines Leitzinses von 4,00 Prozent als normal gelten kann.
Daran werde sich voraussichtlich bis April und Mai nichts ändern. Erst dann dürfte Gewissheit herrschen über die Höhe der Abschreibungen bei den Banken im Zusammenhang mit der Krise an den Hypotheken- und Kreditmärkten. Dann wird auch klar sein, wer künftig am Euro-Geldmarkt noch mitspielen darf, merkt der Händler an.
Seit Ausbruch der Immobilienkrise in den Vereinigten Staaten ist das Geld an den internationalen Kreditmärkten knapp geworden, weil sich die Banken gegenseitig misstrauen und untereinander kaum noch Geld leihen. Stattdessen horten sie Gelder, um selbst für den Fall größerer Verluste gewappnet zu sein.
Eine Hand gibt, die andere nimmt
Um eine Kreditklemme zu verhindern, haben die EZB und andere Notenbanken dem Geldmarkt seit August immer wieder zusätzliche Mittel bereitgestellt. Allein seit Mitte Dezember hat die EZB über eine halbe Billion Euro Liquidität über Refinanzierungsgeschäfte mit Laufzeiten von bis zu drei Monaten in den Geldmarkt gepumpt, nur um diesem mitunter gleichzeitig Geld zu entziehen.
Schwer verständlich sind diese Maßnahmen auf einem Teilbereich des Finanzmarkts, der eher wenig im Fokus der Anleger steht. Benedikt Fehr gibt im FAZ.NET-Spezial Einblick in die Funktionsweise, die Hintergründe der aktuellen Unruhe und deren Tragweite.
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Text: @mho
Bildmaterial: dpa
