23. Mai 2008 Nach einem wahren Kaufrausch in der kritischen Phase der Kreditkrise befinden sich die Rentenmärkte beinahe weltweit seit Wochen in der Defensive. Längst hat nicht nur der Bund-Future den Mitte des vergangenen Jahres etablierten Aufwärtstrend nach unten durchbrochen, sondern das gilt auch für die amerikanischen Staatspapiere derselben Laufzeit und für ihre japanischen Pendants.
Diese Entwicklungen lassen sich einerseits mit dem immer wieder auflegenden Optimismus der internationalen Anleger erklären. Sie bauen in solchen Phasen scheinbar sichere Positionen von Staatsanleihen ab und investieren die Gelder in scheinbar ertragreichere, jedoch riskantere Wertpapiere.
BoJ: Wachsende Abwärtsrisiken für das Wirtschaftswachstum, aber auch Gefahren einer steigenden Teuerung
Auf der anderen Seite spielt jedoch auch die Preisentwicklung eine Rolle. Aufgrund der stark gestiegenen Energie- und Rohstoffkosten und ihren direkten und indirekten Effekten haben die Inflationsraten beinahe weltweit Auftrieb. Noch deutlicher lassen sich die Effekte bei den Produzentenpreisen beobachten.
Das führt dazu, dass die Zentralbanken restriktiver bleiben oder werden müssen, als das in der Vergangenheit vielfach angenommen wurde. Das gilt nicht nur für die Vereinigten Staaten, sondern auch für Japan. Die Mitglieder des geldpolitischen Rates der Bank of Japan (BoJ) haben zwar wachsende Abwärtsrisiken für das Wirtschaftswachstum des Landes erkannt. Derzeit gingen von der Abkühlung der amerikanische Wirtschaft und vom starken Anstieg der Rohstoffpreise Gefahren für die konjunkturelle Entwicklung aus, hieß es in dem am Montag veröffentlichten Protokoll der Notenbanksitzung vom achten und neunten April. Bei dem Treffen hatten die Mitglieder des geldpolitischen Rats für eine Beibehaltung des Leitzinses bei 0,5 Prozent gestimmt.
Allerdings hätten einige Mitglieder des geldpolitischen Rates auch auf die Gefahren einer steigenden Teuerung verwiesen, hieß es weiter in dem Protokoll. Die Verbraucher würden mit Blick auf die steigenden Preise für Verbrauchsgüter eine steigende Inflation befürchten. Diese Entwicklung mahne zur Vorsicht. Die sieben Ratsmitglieder der BoJ sind laut Protokoll einer Meinung gewesen, dass die Risikofaktoren für die künftige konjunkturelle Entwicklung gestiegen seien. Die künftige Geldpolitik des Landes sollte an die Risiken für die konjunkturelle Entwicklung und die Inflation angepasst werden.
Inflationserwartungen nehmen zu
Am Freitag ist der Future auf zehnjährige japanische Staatsanleihen im Tagesverlauf um bis zu 149 Stellen oder 1,49 Prozentpunkte gefallen, die Rendite stieg auf 1,89 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit neun Monaten. Die Renditedifferenz zwischen konventionellen und inflations-gebundenen Anleihen weitete sich auf etwas 45 Basispunkte aus. Das zeigt, dass die Marktteilnehmer mit einer zunehmenden Inflationsrate rechnen. Solche Erwartungen machen geldpolitische Entscheidungen schwieriger als in der Vergangenheit.
Denn die Inflationserwartungen dürften hoch bleiben, so lange die Energie- und Rohstoffpreise so nach oben laufen, wie in den vergangenen Wochen und Monaten. Auf der anderen Seite lässt sich fragen, wieso in diesen Sektoren die Preise so nach oben laufen, obwohl die Wirtschaft sich in den Vereinigten Staaten und in anderen Regionen der Welt abkühlt. Grundsätzlich sind die realen Renditen an den Rentenmärkten in historischer Betrachtung immer noch sehr tief. Das gilt vor allem dann, wenn man davon ausgeht, dass disinflationäre Tendenzen abnehmen.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @cri
Bildmaterial: FAZ.NET, Mitsubishi UFJ Securities
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Euro-Aktien-Index23.12.2009 17:35 |
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