Von Benedikt Fehr und Claus Tigges
25. März 2008 An den europäischen Geldmärkten bleibt die Stimmung angespannt. Anders als sonst üblich sind die Banken wieder sehr zurückhaltend geworden, überschüssige Liquidität über den Geldmarkt anderen Banken zu verleihen.
Der Grund dafür ist die jüngste Verschärfung der Kreditkrise: Sie lässt die potentiellen Kreditgeber befürchten, dass ein Kreditnehmer über Nacht in Schwierigkeiten kommen und dann seine Schulden nicht zurückzahlen könnte. Da die Liquidität, die manche Banken horten, den übrigen Instituten fehlt, stellt die Europäische Zentralbank (EZB) seit einiger Zeit wieder verstärkt zusätzliche Mittel bereit.
Wie groß die Zurückhaltung und allgemeine Nervosität ist, zeigte am Dienstag das wöchentliche Refinanzierungsgeschäft der EZB: Rein rechnerisch habe der Markt nur 166 Milliarden Euro benötigt, teilte die EZB mit. Bei der Auktion gaben die Banken aber Gebote für 302,5 Milliarden Euro ab, also für fast das Doppelte. Die EZB teilte 216 Milliarden Euro zu. Sie hat den Markt somit für eine Woche mit dem ziemlich hohen Betrag von zusätzlich 50 Milliarden Euro versorgt. Wegen der starken Nachfrage stieg der Durchschnittszins für die EZB-Mittel von 4,20 Prozent in der vergangenen Woche auf 4,28 Prozent - und damit deutlich über das Leitzinsniveau von 4 Prozent. Auch der Euribor-Zins für Dreimonatsgeld erreichte mit 4,70 Prozent den bislang höchsten Stand in diesem Jahr.
EZB versteigert zusätzliche Dollar
Große Nachfrage gab es auch nach Dollar-Liquidität, welche EZB und Schweizer Nationalbank (SNB) am Dienstag für jeweils 28 Tage versteigert haben. Bei der EZB reichten Banken Gebote über 31,2 Milliarden Dollar ein, zugeteilt wurden wie zuvor angekündigt 15 Milliarden Dollar zum Jahreszins von 2,615 Prozent. Seit Ausbruch der Krise ist dies bereits das fünfte Mal, dass die EZB zusätzlich Dollar versteigert. Bislang hatte sie aber stets nur 10 Milliarden Dollar auf diesem Wege bereitgestellt. Hintergrund ist, dass viele europäische Banken angesichts des allgemeinen Misstrauens Schwierigkeiten haben, sich über die Devisen- und Swapmärkte Dollar-Liquidität zu beschaffen.
Auch die amerikanischen Währungshüter der Federal Reserve (Fed) haben auf die fortwährenden Spannungen auf dem Geldmarkt reagiert und eine Reihe neuer Kreditfazilitäten geschaffen. In diesem Zuge weitet die Fed zum einen den Zugang zu Krediten von Geschäfts- und Investmentbanken auf Wertpapierhäuser aus, zum anderen akzeptieren sie nun als Sicherheit auch Wertpapiere minderer Güte, die mit Forderungen aus riskanten Hypothekendarlehen hinterlegt sind. Auf diese Weise soll die Liquidität im Handel der Banken untereinander verbessert und die Funktionsfähigkeit des Finanzsystems gesichert werden.
Nun auch private Anleihen als Sicherheit
Am Donnerstag beginnt die Zweigstelle der Fed in New York mit der Versteigerung von bis zu 75 Milliarden Dollar im Rahmen der neuen Term Securities Lending Facility (TSLF). Die wichtigste Änderung zu bestehenden Kreditlinien besteht darin, dass die Fed als Sicherheit nun auch Anleihen privater Emittenten annimmt, die mit möglicherweise riskanten Forderungen aus Hypothekendarlehen (Mortgage Backed Securities, MBS) abgesichert sind. Die Geschäfte sind mit einer Rückkaufvereinbarung versehen und haben eine Laufzeit von 28 Tagen. Sie sollen wöchentlich angeboten werden, so lange, bis sich die Lage auf dem Geldmarkt nach Einschätzung der Fed normalisiert hat. Die zweite Auktion ist für den 3. April geplant. Die Fed hat angekündigt, den Marktakteuren über diese neue Kreditlinie bis zu 200 Milliarden Dollar zur Verfügung zu stellen.
Im Gegensatz zu einer Reihe anderer Kreditgeschäfte steht die TSLF nicht den meisten Banken und Kreditinstituten offen, sondern nur den sogenannten Primary Dealers. Dabei handelt es sich um eine Gruppe von 20 Banken und Wertpapierhändlern, die für die regulären Geschäfte der Federal Reserve Bank von New York am offenen Markt zugelassen sind. In dem neuen Kreditgeschäft wird es zu einem Tausch von Wertpapieren kommen: Die Fed stellt den Banken einen Korb von amerikanischen Staatsanleihen zur Verfügung und nimmt zur Sicherheit andere Wertpapiere in Verwahrung, unter anderem eben auch MBS.
Nur MBS mit Bestnote
Von den traditionellen Offenmarktgeschäften unterscheidet sich die TSLF in der Weise, dass sie den Banken keine zusätzliche Liquidität zur Verfügung stellt. Um ihr Risiko zu begrenzen, wird die Fed nicht sämtliche MBS privater Schuldner akzeptieren, sondern nur solche, die von den Ratingagenturen mit der Bestnote AAA bewertet werden und denen keine Herabstufung droht. Damit bietet die Fed den Primary Dealers die Möglichkeit, für die Dauer von jeweils knapp einem Monat bestimmte Vermögenswerte einschließlich von MBS gegen amerikanische Staatsanleihen bester Bonität zu tauschen - die sich am Geldmarkt praktisch jederzeit gegen Liquidität verkaufen oder beleihen lassen. Das Marktrisiko einer Kursveränderung der als Sicherheit hinterlegten Anleihen tragen weiterhin die Primary Dealers.
Dieser kleinen Gruppe von Marktakteuren in Amerika steht auch eine weitere neue Kreditlinie zur Verfügung, die Primary Dealer Credit Facility (PDCF). Hier können sich die Banken und Wertpapierhäuser über Nacht Geld bei der Fed leihen. Der Zins liegt derzeit 25 Basispunkte höher als der Zielzinssatz für Tagesgeld, mit dem die Fed das Zinsniveau auf dem Geldmarkt insgesamt steuert. Seit der Leitzinssenkung in der vergangenen Woche beträgt dieser Zielzins 2,25 Prozent. Die PDCF ähnelt dem Diskontfenster, über das die Fed herkömmliche Geschäftsbanken mit kurzfristigem Geld versorgt, ist aber mit Blick auf die als Sicherheit akzeptierten Wertpapiere etwas restriktiver. Voraussetzung ist unter anderem, dass für das Wertpapier grundsätzlich ein Marktpreis festgestellt werden kann.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 7.081,05 | -0,03 |
| TecDax | 861,39 | -0,41 |
| DowJones | 12.937,62 | +0,30 |
| Nasdaq | 2.522,03 | +1,01 |
| STOXX 50 | 3.854,86 | -0,07 |
| Nikkei 225 | 14.251,74 | +0,94 |
| S&P 500 Zert. | 14,07 | -0,50 |
| Euro/Dollar | 1,54 | -0,15 |
| Bund Future | 113,47 | -0,18 |
| Gold | 881,65 | +1,87 |
| Öl | 122,91 | +0,72 |
