Anleiheversicherer

Ambac will frisches Kapital

20. Februar 2008 Die wegen der Hypothekenkrise angeschlagenen amerikanischen Anleiheversicherer reagieren mit drastischen Schritten auf ihre prekäre Lage. Die Nummer zwei der Branche, Ambac Financial, plant einem Bericht des „Wall Street Journal“ zufolge eine Kapitalerhöhung von mindestens 2 Milliarden Dollar, um eine drohende Bonitätsabstufung durch die großen Kreditbewertungsagenturen zu verhindern. Unterdessen wechselt der größere Konkurrent MBIA, der aus dem gleichen Grund in den vergangenen zwei Monaten bereits mehr als 2,5 Milliarden Dollar aufgenommen hat, seinen Vorstandschef aus.

Nachfolger des seit fast vier Jahren amtierenden Gary Dunton wird dessen Vorgänger Joseph „Jay“ Brown, der bereits von Anfang 1999 bis Mai 2004 Vorstandschef gewesen war. „Wir hoffen darauf, das Vertrauen in das Unternehmen und in die Branche wiederherzustellen“, sagte Brown, der Anfang der neunziger Jahre Vorstandschef des 1990 an die Münchner Allianz verkauften amerikanischen Sachversicherers Fireman's Fund gewesen war. Die Aktienkurse von MBIA und Ambac sind seit einem Jahr um jeweils mehr als 80 Prozent gefallen.

Anleiheversicherer: Schlüsselrolle in der Finanzkrise

Die Branche der amerikanischen Anleiheversicherer spielt eine Schlüsselrolle in der Finanzkrise. Die bis vor kurzem nur Fachleuten bekannten Unternehmen, die im Branchenjargon „Monoliner“ heißen, haben ihr Geschäft traditionell mit der Versicherung kommunaler Anleihen gegen Zahlungsausfälle bei Zins und Grundkapital gemacht. Insgesamt versichern sie rund die Hälfte des kommunalen Anleihemarktes, dessen Volumen auf 2,6 Billionen Dollar beziffert wird.

In den vergangenen Jahren hatten die Monoliner ihr Geschäft aber auf die Versicherung sogenannter strukturierter Finanzprodukte ausgeweitet. Dazu gehören auch hypothekenbesicherte Anleihen, die in Folge der Hypothekenkrise stark an Wert verloren haben. Die großen Kreditbewertungsagenturen stellen die bisherige Bonität der Spezialversicherer deswegen in Frage. Die Agenturen prüfen, ob die Unternehmen genügend Kapital besitzen, um für erwartete Verluste aufkommen zu können.

Eine Abstufung der bisher exzellenten Bonität der größten Monoliner durch die führenden Ratingagenturen hätte negative Auswirkungen auf den Markt für Kommunalobligationen. Denn die Bewertung dieser Anleihen hängt eng mit die Bonität der Versicherer zusammen. Verlören die Monoliner ihre Höchstnoten, wären die Anlagen vieler Fonds gefährdet, die in diese Wertpapiere investiert haben.

Refinanzierung amerikanischer Kommunen wird teurer

Für die amerikanischen Kommunen würde zudem die Aufnahme von Kapital teurer. Und für Banken, die in von Anleiheversicherern garantierte Hypotheken-Anleihen investiert haben, könnte das weitere Abschreibungen bedeuten. Mehrere Kreditinstitute verhandeln derzeit auf Initiative der New Yorker Versicherungsaufsicht mit den Versicherern über einen Rettungsplan. Zudem hat der Milliardär Warren Buffett die Versicherung von Kommunalobligationen im Volumen von 800 Milliarden Dollar angeboten, was diesen Markt stützen würde. Buffetts Holding-Gesellschaft Berkshire Hathaway, die exzellente Bonitätsnoten vorweisen kann, hatte jüngst einen eigenen Anleiheversicherer gegründet, um vom Trubel in der Branche zu profitieren.

Sowohl MBIA als auch Ambac beteuerten bisher, dass sie genug Kapital haben. Die Nummer drei der Branche, Financial Guaranty Insurance (FGIC) hatte in der vergangenen Woche allerdings die bisherige Bonitätsbestnote verloren. FGIC hatte danach der Versicherungsaufsicht eine Aufspaltung angeboten. Der Plan sieht vor, die risikoreiche Sparte für strukturierte Produkte abzutrennen. Bei Ambac wird Presseberichten zufolge ebenfalls eine Aufspaltung erwogen.

Der Gouverneur des Bundesstaates New York, Eliot Spitzer, hatte den Versicherern am Donnerstag der vergangenen Woche drei bis fünf Tage Zeit gegeben, um eine Herabstufung der Bonität zu verhindern. Spitzer drohte, dass andernfalls die staatlichen Aufsichtsbehörden deren Geschäft mit den Kommunalobligationen abspalten würden. Spitzer agiert im Interesse der Kommunen. Eine Trennung der Geschäftsbereiche in eine „gute Sparte“ für Kommunalanleihen und eine „schlechte Sparte“ für strukturierte Finanzprodukte könnte nach Einschätzung von Analysten der Bank of America zu jahrelangen juristischen Auseinandersetzungen zwischen den Monolinern und ihren Kunden führen.



Text: F.A.Z., 20.02.2008, Nr. 43 / Seite 21
Bildmaterial: AP, FAZ.NET

 
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