26. März 2008 Autozulieferer sind in den vergangenen Jahren eher gebeutelt worden. Das galt für die Aktie des Kabelherstellers Leoni lange Zeit nicht. Bis zum Oktober hielt sie sich aufrecht und markierte ein Allzeithoch von 45,88 Euro.
Dann aber folgte ein Einbruch, nachdem das Unternehmen wie geplant die Bordnetz-Sparte des französischen Automobilzulieferers Valeo übernahm, auch wenn sich Analysten das nicht so recht zu erklären vermochten, bewerteten sie den Zukauf doch positiv.
Aktienkurs im Wartestand
Dennoch hielt der Kursrutsch bis zum Januar an, der Tatsache zum Trotz, dass Leoni im dritten Quartal die Prognosen übertreffen konnte. Gerüchte über Gewinnwarnungen tauchten kurioserweise erst dann auf, als sich der Kurs dann bereits wieder stabilisiert hatte. Seitdem geht es seitwärts.
Leoni hat die Gerüchte über Gewinnwarnungen schon Mitte Februar dementiert, den Ausblick für das laufende Jahr bestätigt und einen Rekordgewinn für 2007 vermeldet. Dies wiederholten die Nürnberger am Mittwoch erneut.
Im vergangenen Jahr steigerte Leoni den Umsatz um 12 Prozent auf 2,367 Milliarden Euro und erzielte dabei einen um 8,7 Prozent höheren Jahresüberschuss von 86,2 Millionen Euro. Das Betriebsergebnis lag mit 129,6 Millionen Euro nahezu auf dem Vorjahresniveau von 130,6 Millionen Euro.
Der Free Cashflow vor Auszahlungen für Akquisitionen und Dividenden stieg auf 100,6 Millionen von 65,9 Millionen Euro im Jahr 2006. Am Ergebnisanstieg sollen die Aktionäre beteiligt werden: Leoni will die Dividende auf 0,90 Euro je Aktie nach 0,80 im Vorjahr erhöhen.
Bordnetz-Systeme mit Nachholbedarf
Zum Anstieg des Konzernumsatzes haben beide Sparten beigetragen. Die Sparte Draht & Kabel erzielte 2007 einen um 20 Prozent höheren Umsatz von 1,38 Milliarden Euro. Zum höheren Umsatz trugen der Kupferpreisanstieg 30,6 Millionen Euro und Akquisitionen 118,5 Millionen Euro bei. Aus organischem Wachstum resultierten dagegen 77,7 Millionen Euro. Dabei sei Leoni vor allem mit Spezialkabeln und anschlussfertigen Kabelsystemen für industrielle Anwendungen gewachsen, hieß es von dem Unternehmen.
Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern erhöhte sich um 7 Prozent auf 73,5 Millionen Euro. Als besonders ertragstark hätten sich die Tochterunternehmen Leoni Kerpen und Leoni Studer erwiesen.
Geringer fiel der Zuwachs der Sparte Bordnetz-Systeme aus. Der Umsatz erhöhte sich lediglich um 3 Prozent auf 986,0 Millionen Euro. Dabei musste Leoni einen Rückgang des Betriebsergebnisses auf 56,7 von 61,1 Millionen Euro hinnehmen.
Darin enthalten sind Restrukturierungsaufwendungen von 5,8 Millionen Euro, nachdem die Entwicklung der Sparte 2007 durch die Vorbereitungen für umfangreiche Neu- und Folgeaufträge aus der Automobil- und Nutzfahrzeug-Industrie geprägt gewesen sei. Dies habe zu dem erwarteten Rückgang der Erträge geführt.
2009 wieder mit verbesserten Margen
Im laufenden Jahr will das Unternehmen einen Umsatz von mindestens drei Milliarden Euro und ein Betriebsergebnis von rund 140 Millionen Euro erreichen. Die Vorarbeiten für neue Aufträge von Autoherstellern und die Integration der Bordnetzsparte der französischen Valeo würden voraussichtlich noch 2008 abgeschlossen. Im kommenden Jahr solle der Umsatz auf rund 3,3 Milliarden Euro klettern. Das operative Ergebnis sollte deutlich überproportional ansteigen, hieß es.
Der Aktienkurs reagiert mit einem Aufschlag von knapp acht Prozent auf 29,86 Euro, womit sich die Aktie an die Spitze der MDax-Gewinner setzt und auch aus der seit Mitte Januar gültigen Handelsspanne zwischen 25,30 und 29,10 Euro ausbricht. Immerhin erscheinen die prognostizierten Kurs-Gewinn-Verhältnisse von 9,5 für das laufende und 7,3 für das kommende Jahr auf einem recht ansprechenden Niveau.
Bleiben die Marktverhältnisse stabil sind daher noch weitere Kursgewinne, zumindest bis in die Region von 32,50 Euro durchaus möglich. Danach wird der Aufstieg charttechnisch etwas schwieriger.
Stärker gehebelte Bilanz
Der aktuelle Expansionskurs geht indes zulasten des Ertrags. Denn immerhin soll der Umsatz im laufenden Jahr zwar um mehr als ein Viertel steigen, das Betriebsergebnis aber lediglich um acht Prozent - was gegenüber 2007 aber immerhin eine deutliche Verbesserung darstellt. Nach der Valeo-Sparte hat Leoni auch noch das Systemhaus Robot-tec übernommen und sich mit 50 Prozent am koreanischen Bordnetz-Hersteller Daekyung beteiligt.
Diese Expansionspolitik macht sich in der Konzernbilanz bemerkbar. So fiel die Eigenkapitalquote zum Jahresende um mehr als zwei Prozentpunkte auf 33 Prozent, was allerdings immer noch recht solide ist. Indes ist die Bruttofinanzverschuldung gegenüber dem Vorjahr um 37 Prozent auf 511,9 Millionen Euro gestiegen.
Aufgrund der Verringerung der flüssigen Mittel stieg die Nettofinanzverschuldung sogar auf rund das Doppelte und dementsprechend die Relation von Nettofinanzverschuldung und operativem Ergebnis von weniger als 2 auf deutlich mehr als 3. Dem steht allerdings ein deutlich höherer Mittelzufluss aus laufender Geschäftstätigkeit gegenüber.
Solide Anleihe
Den Anleiheinhabern macht diese Entwicklung indes nicht allzuviel Sorgen. Die Rendite der 2013 fälligen Rente mit einem Kupon von fünf Prozent schwankt recht stabil zwischen 4,5 und 5 Prozent.
Leoni hat zwar selbst kein Rating, die Anleihe rentiert damit aber auf einem Niveau wie es bei Industrieanleihen mit vergleichbarer Laufzeit für ein Rating im mittleren bis unteren Bereich der Bonitätsnote A zu finden ist. Geht man nach den beschriebenen Kennziffern, so kann sich Leoni durchaus mit den Emittenten in diesem Segment messen.
Angesichts eines schwachen Anleihenmarktes und der tendenziell Verschlechterung der Margen sind Kursgewinne eher weniger zu erwarten. Insofern bietet sich die Anleihe als solider Fünfprozenter dann an, wenn sie in der persönlichen Anlagestrategie eine entsprechende Lücke füllen kann.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @mho
Bildmaterial: dpa, F.A.Z.
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
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| TecDax | 861,39 | -0,41 |
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| Nasdaq | 2.533,73 | +1,48 |
| STOXX 50 | 3.854,86 | -0,07 |
| Nikkei 225 | 14.251,74 | +0,94 |
| S&P 500 Zert. | 14,07 | -0,50 |
| Euro/Dollar | 1,55 | +0,06 |
| Bund Future | 113,56 | -0,10 |
| Gold | 881,10 | -0,18 |
| Öl | 122,91 | +0,72 |
