23. Mai 2008 Anfang Mai hat die Ratingagentur Standard & Poor's die Bonitätseinstufung für Brasilien erstmals auf Investment Grade (anlagewürdig) angehoben. Nach der früher als am Markt erwarteten Hochstufungen gelten Anlagen in Brasilien damit nicht mehr als spekulativ.
Dieser Schritt, der natürlich auch einem deutlich verbesserten volkswirtschaftlichen Grundprofil des Landes basiert (so entspricht die Nettoverschuldung nur noch drei Prozent der für 2008 erwarteten Devisenzuflüsse. 2004 waren es noch mehr als 100 Prozent), hat sowohl den Euro- als auch den Dollar-Anleihen des Landes zuletzt dabei geholfen, ihre Risikoaufschläge etwas abzubauen.
Solide Konjunkturaussichten
Trotzdem bringen brasilianische Anleihen noch immer eine Mehrrendite und für Zinssparer könnte es sich lohnen, diese abzuschöpfen. Denn das Land gilt als Profiteur der hohen Rohstoffpreise und zusammen mit einer angesprungenen inländischen Nachfrage dürfte das Wirtschaftswachstum zunächst relativ hoch bleiben. So war Brasilien das einzige größere Land, für das der Iinternationale Währungsfonds in seinem aktuellen World Economic Outlook das Wachstum mit 4,8 Prozent (nach 5,4 Prozent im Vorjahr) für 2008 nach oben revidiert hat. Bleiben die Rohstoffpreise hoch, dürfte nach Ansicht von Experten auch in den kommenden Jahren ein Wirtschaftswachstum von um die fünf Prozent möglich sein.
Was aus Sicht von Anleihebesitzern nicht ganz so erfreulich ist, ist die wieder etwas angezogene Inflation. Im April ist diese mit 4,9 Prozent nicht nur über das Inflationsziel von 4,5 Prozent gestiegen sondern auch auf den höchsten Stand seit März 2006 geklettert. Aber die Notenbank mit einer Mitte April beschlossenen Leitzinsanhebung um 50 Basispunkte auf 11,75 Prozent bereits Vorsorge getroffen. Beim Kampf gegen die Inflation hilft außerdem die seit Mai 2006 gegenüber dem Dollar um mehr als 30 Prozent gestiegene Landeswährung Real. Bei der Würdigung der aktuellen Inflationsrate muss man sich auch daran erinnern, dass die Teuerungsrate 1994 noch bei fast 5.000 Prozent lag. In der Zwischenzeit hat sich somit vieles zum Besseren gewandelt.
Brasilien-Anleihen bieten noch immer deutliche Renditeaufschläge
Die genannten Entwicklungen haben Brasilien-Anleihen speziell für jene Sparer interessant, die ihre Positionen bis zur Endfälligkeit halten wollen. Denn für diese Gruppe spielen dann etwaige Kursverluste während der Laufzeit keine entscheidende Rolle. Unter den angebotenen Produkten werfen brasilianische Real-Anleihen eine deutlich höhere Rendite als Euro-Anleihen ab. So bringt die bis zum 13. Februar 20009 laufende und einem Kupon von 11,00 Prozent ausgestattete Real-Anleihe (Isin XS0285908900, 98,86 Prozent) eine Rendite von 12,56 Prozent. Wer auf eine anhaltende Aufwertung der brasilianischen Landeswährung wettet, der kann auf diesen Titel zurückgreifen. Eine Garantie für Währungsgewinne gibt es aber auch beim Real nicht.
Bei Euro-Anleihen ist die Rendite zwar deutlich tiefer, aber dafür lässt sich damit auch ruhiger schlafen. Bei der bis zum 03. Februar 2015 laufenden und einem Kupon von 7,375 Prozent ausgestatteten Brasilien Euro-Anleihe (Isin XS0211229637, 110,40 Prozent) steht derzeit eine Rendite von 5,469 Prozent zu Buche. Gegenüber vergleichbaren Bundesanleihen bedeutet dies immerhin einen Renditeaufschlag von 127 Basispunkten. Das reizt dazu, den Titel als Beimischung in ein Anleihedepot aufzunehmen.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @JüB
Bildmaterial: F.A.Z., Bloomberg, WGZ BAnk Daten, F.A.Z.,Bloomberg, FAZ.NET
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